09. Juli 2021, 11:00 Uhr

Dillenburg

Ohne ihre Unterstützung geht es nicht

21 Menschen mit Behinderungen aus der Lebenshilfe Dillenburg arbeiten beim Kunststofftechnik-Unternehmen Bretthauer in Frohnhausen.
09. Juli 2021, 11:00 Uhr
Sven Immel ist glücklich über seine betriebsintegrierte Beschäftigung in der Firma Bretthauer. Foto: Lebenshilfe

Mitte der 90er-Jahre: Die erste Beschäftigte der Dillenburger Werkstätten beginnt ihre Tätigkeit  beim Kunststofftechnik-Unternehmen Bretthauer in Frohnhausen. Heute sind es 21 Menschen mit Behinderungen, die dort in einer Außenarbeitsgruppe beschäftigt sind, zwei weitere auf Einzelarbeitsplätzen der sogenannten betriebsintegrierten Beschäftigung. »Das hier ist berufliche Inklusion, die sich sehen lassen kann«, sagt Dirk Bankmann, der gemeinsam mit Stefan Köhler die Außenarbeitsgruppe leitet.

Fester Teil des Teams

»Wir bräuchten heute Unterstützung. Können wir einen Mitarbeiter von euch bekommen?« Eine Frage, die inzwischen keine Seltenheit mehr ist im Hause Bretthauer. Die Menschen mit Behinderung sind fester Bestandteil des rund 280-köpfigen Teams und können mit ihrem Know-how inzwischen in den unterschiedlichsten Bereichen und für die unterschiedlichsten Aufgaben eingesetzt werden. Egal ob in der Druckerei, am Laserautomaten, an der Fräsmaschine oder für Verpackungs- und Montagearbeiten. »Und das ist auch für uns etwas sehr Schönes: zu erleben, dass unsere Betreuten sich nicht nur neue Fähigkeiten aneignen, sondern sich auch persönlich weiterentwickeln«, betont Stefan Betz, Einrichtungsleiter der Werkstatt Oberscheld. »Wir haben es jetzt schon an vielen Beispielen erlebt: Die Arbeit hier im Betrieb ist für viele ein Sprungbrett in die Außenarbeit. Das geht aber nur, wenn wie hier die Führung des Unternehmens dahintersteht und das Ganze vorlebt.«

Die Kooperation zwischen Bretthauer und den Dillenburger Werkstätten besteht schon lange Zeit. Bereits seit Jahrzehnten fertigt die Lebenshilfe-Werkstatt am Standort Oberscheld Teile für das Unternehmen an. »Als wir dann entschieden haben, eine Außenarbeitsgruppe - anfangs mit fünf, sechs Menschen mit Behinderung - bei uns im Unternehmen zu integrieren, gab es zunächst von Mitarbeiterseite her schon einige Vorbehalte«, blickt Annegret Bretthauer zurück, die bis 2019 Mitglied im Aufsichtsrat der Lebenshilfe Dillenburg war. »Doch diese Vorbehalte haben die Menschen mit Behinderungen schnell aus dem Weg geräumt.«

Nicht mehr wegzudenken

Heute sind sie nicht mehr aus dem Betriebsalltag wegzudenken. Nicht nur weil sie inzwischen räumlich auf sieben Arbeitsstationen verteilt sind, sondern vor allem durch ihre Art, wie Geschäftsführer Tim Bretthauer erzählt: »Die Außenarbeitsgruppe der Lebenshilfe ist für uns als Unternehmen definitiv eine Bereicherung. Ihre Menschlichkeit, die gute Laune, die oftmals sehr direkte Art - all das wirkt sich positiv auf das Arbeitsklima aus.« Sven Immel ist einer der Beschäftigten der Lebenshilfe, der seit kurzer Zeit auf einem sogenannten BiB-Platz arbeitet. Bedeutet: Der Beschäftigte behält seinen Status als Mitarbeiter der Dillenburger Werkstätten, ist jedoch in die Arbeitsorganisation des beschäftigenden Betriebes eingebunden. Ein Ziel, auf das der 31-Jährige zielstrebig hingearbeitet hat: auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein. »Morgens um sechs Uhr geht es hier los«, sagt er und zählt kleine Kunststoffteile aus einem Karton ab. Dann setzt er per Knopfdruck eine große Drehscheibe in Bewegung. Bremsflansche entstehen an dieser Spritzgießmaschine. »Das macht mir richtig Spaß hier. Ich mag alle Maschinen.«

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