25. Mai 2021, 13:00 Uhr

Marburg

Kommunen wollen eigene Wasserquellen erschließen

Eine dezentrale und nachhaltige Versorgung mit gutem Trinkwasser wird durch den Klimawandel immer bedeutender - dies haben auch vier Kommunen erkannt.
25. Mai 2021, 13:00 Uhr
Von links: Die Bürgermeister Andreas Schulz (Ebsdorfergrund), Olaf Hausmann (Kirchhain) und Michael Plettenberg (Amöneburg) sowie Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (Marburg) und Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller wollen die interkommunale Zusammenarbeit bei der Erschließung von Wasserquellen. Foto: Patricia Grähling/Stadt Marburg

, Ebsdorfergrund, Amöneburg und Kirchhain wollen sich dieser Aufgabe gemeinsam stellen und eigene Wasserquellen erschließen. Dazu starten nun zunächst Untersuchungen bei Schröck und Heskem.

»Der Klimawandel führt uns sehr deutlich vor Augen, dass wir mit unseren Ressourcen schonend umgehen müssen. Das betrifft insbesondere auch unser Trinkwasser«, so Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. »Wir wollen unsere Bürger daher dezentral mit Wasser aus eigenen Quellen versorgen. So können wir vor Ort sicherstellen, dass wir nur so viel Wasser entnehmen, wie sich natürlich wieder nachbildet.«

Nachhaltige Nutzung des Wassers

»Mit der dezentralen Gewinnung von Trinkwasser folgen wir der hessischen Wasserstrategie«, ergänzt Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann. Denn wichtig sei bei der Versorgung mit Wasser nicht nur die Qualität des Wassers, sondern auch dessen nachhaltige Nutzung. Ob und wie das Grundwasser im Amöneburger Becken nachhaltig gewonnen werden kann, sollen Untersuchungen zeigen, die die Stadtwerke Marburg nun starten.

»Die Trinkwasserversorgung ist eine zentrale kommunale Aufgabe. Gerade eine verstärkte dezentrale Wassergewinnung stellt unsere Kommunen aber auch vor eine große Herausforderung, die sich gemeinsam besser anpacken lässt«, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz. »Wir wollen mit unserem Wasser unsere Bürger versorgen und es nicht weiterverkaufen.« Eine Förderung des »blauen Goldes« vor Ort sei eine Rückbesinnung zu den Ursprüngen der kommunalen Daseinsvorsorge. Vor 100 Jahren sei es üblich gewesen, dass die Menschen ihr Wasser vor Ort gewinnen.

»Deswegen wollen wir die Grundwasservorkommen im Amöneburger Becken, an dem unsere vier Kommunen aufeinandertreffen, auch gemeinsam untersuchen und bei erfolgversprechenden Ergebnissen unseren kommunalen Gremien einen Vorschlag für eine gemeinsame Erschließung vorlegen«, so Amöneburgs Bürgermeister Michael Plettenberg.

Erkundungsbohrungen stehen am Anfang

Zunächst gibt es jetzt Erkundungsbohrungen im Bereich »Heiliger Born« bei Schröck. Dafür haben die Stadtwerke Marburg die Genehmigung vom Regierungspräsidium Gießen erhalten. Bereits vorliegende hydrogeologische Gutachten weisen auf ein größeres Grundwasservorkommen im Marburger Land hin. »Wir werden bis zu 200 Meter tief bohren und dann einen Pumpversuch starten. In dem Versuch wollen wir herausfinden, wieviel Wasser wir nachhaltig im Rahmen der Grundwasserneubildung entnehmen können und wie hoch die Qualität ist«, erklärt Dr. Bernhard Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg.

Die Bohrung und der Pumpversuch sollen zehn Wochen dauern. Außerdem sollen die Teichwiesen bei Heskem genauer untersucht werden. Das Naturschutzgebiet ist rund 15 Hektar groß, ein geologisches Fachbüro sieht große Grundwasserressourcen. Wenn das Grundwasservorkommen wirtschaftlich, nachhaltig und problemlos für die Umwelt genutzt werden kann, soll ein Konzept zur interkommunalen Zusammenarbeit bei der Erschließung des Wasservorkommens entwickelt werden.

Alle vier Kommunen gehören übrigens dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke an. Mit der Erschließung neuer, dezentraler Quellen als ergänzende Wasserlieferanten sollen die Wasservorkommen im Zweckverband geschont werden.

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