22. Mai 2022, 13:00 Uhr

Marburg

Ehrendoktorwürde für Özlem Türeci und Ugur Sahin

Der Fachbereich Medizin der Universität Marburg hat Özlem Türeci und Ugur Sahin für ihre Verdienste in der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 ausgezeichnet.
22. Mai 2022, 13:00 Uhr
Prof. Dr. Özlem Türeci und Prof. Dr. Ugur Sahin erhielten die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität Marburg. Foto: Christian Stein

Auf der globalen Landkarte der Impfstoffentwicklung ist die Philipps-Universität Marburg eine feste Größe. Der Bogen spannt sich von Seren gegen Diphterie bis Covid-19. Aktuell hat der Fachbereich Medizin der Universität Prof. Dr. med. Özlem Türeci und Prof. Dr. med. Ugur Sahin für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Bereits der erste Nobelpreis für Medizin ging 1901 nach Marburg an Emil von Behring für die Entwicklung der Impfung gegen Diphtherie. Damals eine revolutionäre Entwicklung, die viele Menschenleben rettete.

Ähnlich revolutionär ist die aktuelle Entwicklung: Im Projekt »Lightspeed« führte das von Türeci und Sahin mitgegründete Unternehmen Biontech in Zusammenarbeit mit dem Pharmakonzern Pfizer in Rekordzeit im Dezember 2020 zur ersten Marktzulassung eines Covid-19-Impfstoffs auf der Basis von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) und schrieb damit Wissenschaftsgeschichte. Denn es handelt sich bei dem Impfstoff zugleich um die weltweit erste Zulassung für ein kommerzielles pharmazeutisches Produkt, das auf der mRNA-Technologie basiert.

In feierlichem Rahmen haben die Dekanin des Fachbereichs Medizin, Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, und der Präsident der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Thomas Nauss, Özlem Türeci und Ugur Sahin die Urkunden für die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Medizin im Auditorium des Universitätsklinikums überreicht.

Erfolg durch Forschung einer Krebstherapie

»Der Erfolg der beiden Preisträger, der zunächst anmutet, wie ein Wunder, fußt bei näherer Betrachtung auf langjähriger leidenschaftlicher wissenschaftlicher Arbeit, dem großen Wunsch, neue Krebstherapien für Patienten zu entwickeln und der Fähigkeit zu mutigen unternehmerischen Entscheidungen«, sagte der Direktor des Instituts für Virologie der UMR, Prof. Dr. Stephan Becker, in seiner Laudatio.

»Die Auszeichnung für unsere wissenschaftliche Arbeit an diesem historischen Ort der Medizin und Immunologie ist für uns eine besondere Anerkennung. Wir haben mit unserer Forschungsarbeit vor über 30 Jahren begonnen, weil wir Krebspatienten helfen wollten. Zu wissen, dass unsere Forschung und Entwicklung bei mehr als einer Milliarde Menschen weltweit in Form des ersten mRNA-Impfstoffs angekommen ist, erfüllt uns mit Dankbarkeit und Demut«, sagte Prof. Dr. Türeci.

Dank an das gesamte Team

Prof. Dr. Sahin fügte hinzu: »Unser besonderer Dank gilt auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Marburg, ihren Familien und den vielen Menschen hier vor Ort, die mit ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft dazu beigetragen haben, dass wir unsere Impfstoffproduktion in Marburg so schnell starten und in so kurzer Zeit vielen Menschen weltweit helfen konnten. Es ist wunderbar, dass Marburg das verbindet, was uns am Herzen liegt: akademische Forschung und Lehre und eine lange Tradition, medizinische Innovationen für Menschen in aller Welt verfügbar zu machen.«

»Die Welt gerettet«

Auch die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, würdigte bei der Verleihung die Verdienste der beiden Geehrten: »Frau Prof. Dr. Türeci und Herr Prof. Dr. Sahin haben entscheidend zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beigetragen, ja, sie haben ein Stück weit die Welt gerettet. Und sie motivieren mit ihrem Enthusiasmus für die Wissenschaft und ihrem Erfolg viele Studierende und Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Dafür braucht es die besten Rahmenbedingungen an den Hochschulen, und es braucht Vorbilder wie Prof. Dr. Türeci und Prof. Dr. Sahin. Herzlichen Glückwunsch!«

Türeci und Sahin forschen seit Mitte der 1990er-Jahre an Krebsimmuntherapien auf der Basis von mRNA, um das patienteneigene Immunsystem zur Erkennung und Bekämpfung von Krebs zu mobilisieren. Das für die Krebstherapie entwickelte Prinzip nutzten die beiden Forschenden dann für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs.

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