25. November 2020, 13:00 Uhr

Wetzlar

Chancen und Herausforderungen in der Krise

Jörg Süß, leitender Pfarrer des evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill, führte durch die Herbstsynode. Es war die erste Synode auf dem Gebiet der rheinischen Kirche in Hessen, die als reine Videokonferenz stattfand.
25. November 2020, 13:00 Uhr
Jörg Süß, leitender Pfarrer des Kirchenkreises an Lahn und Dill, moderierte die Synode, die erstmals als Videokonferenz stattfand. Foto: Barnikol-Lübeck

»Über Jahrhunderte nahmen die Menschen, deren Leben in jedem Alter äußerst bedroht war durch Krankheiten, Zuflucht beim Gekreuzigten«, sagt Jörg Süß.

Pandemie anhand von Bibelversen beurteilt

»Altäre in den Krankensälen zeigten den leidenden und mitleidenden Gott.« Jesus habe nach Ostern die Jünger in ihrer selbst gewählten Quarantäne besucht und sie nicht allein gelassen. In seinem letzten Jahresbericht vor der Synode gab Jörg Süß eine Beurteilung zur Corona-Krise, ausgehend von mehreren Bibelversen. »Es ist keine Frage, wo unser Platz als Kirche in der Frage nach sozialer Gerechtigkeit ist, bei Jesus, an der Seite der Armen«, bekräftigte der Theologe. »Als seine Kirche haben wir immer die Aufgabe, an Optionen für die Armen zu arbeiten und uns dafür einzusetzen, dass sich ihre Lage verbessert.«

Seelsorge wichtiger geworden

»Kirche in Corona-Zeiten« hieß das Jahresthema, das in den Berichten mit den vielfältigen Belastungen und Chancen erörtert wurde. Offensichtlich ist, dass die Seelsorge an Bedeutung gewinnt. So haben die Einsätze der Notfallseelsorge im vergangenen Jahr um zehn Prozent zugenommen, die der Telefonseelsorge um 20 Prozent.

Als besonders belastend werden fehlende Besuchsmöglichkeiten bei Sterbenden empfunden, Vereinsamung von Alten und Kranken und die Unsicherheit, wie lange die Pandemie dauern wird.

Alternative Gottesdienste gelobt

Als ermutigend wird erlebt, wie gut alternative Gottesdienstideen im Internet und im Freien angenommen werden, aber auch die analogen Formen mit wöchentlicher Andachtspost im Briefkasten und Versenden von »Trost«-Briefen.

Konfirmanden schreiben Gebete für die Gemeinde-Homepage, Kindergruppen gestalten Grußkarten für Menschen in Pflegeheimen. Manche empfinden diese Zeit als »heilsame Unterbrechung« und eine Gemeinde überlegt gar, ein »Sabbatjahr« einzulegen, in dem alle Veranstaltungen mit Ausnahme der Gottesdienste und Gebetskreise zurückgefahren werden.

Auf der Tagesordnung standen auch Ergänzungswahlen für die Ausschüsse, Arbeitskreise und Synodalbeauftragungen. Die Wahl von Mitgliedern des Kreissynodalvorstandes sowie von stellvertretenden Abgeordneten zur Landessynode fand separat als Briefwahl statt.

Fehlbetrag im Haushalt

Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf den gemeinsamen Haushalt für den Kirchenkreis an Lahn und Dill und das Kirchenamt. So werden durch Kirchensteuern für 2021 17,5 Millionen Euro Einnahmen erwartet. Die für das laufende Jahr eingeplanten 18,5 Millionen Euro können aufgrund der erheblichen Kirchensteuerrückgänge nicht erreicht werden. Den geplanten Erträgen von 7,7 Millionen Euro stehen für 2021 voraussichtlich Aufwendungen von 7,8 Millionen Euro gegenüber.

Hauptgrund für den Fehlbetrag, der aus Rücklagen gedeckt werden kann, ist das Finanzausgleichssystem in unterschiedlicher Ausprägung der beiden Altkirchenkreise Braunfels und Wetzlar, das in Zukunft angepasst werden soll. Aufgrund von Einsparungen in verschiedenen Bereichen kann die kreiskirchliche Umlage von 14 Prozent im Vorjahr auf 13,75 Prozent für 2021 gesenkt werden.

Den ausscheidenden Mitgliedern des Bevollmächtigtenausschusses, der bis zur Einführung des neuen Sydonalvorstands den Kirchenkreis leitet, dankte der leitende Pfarrer Jörg Süß, der künftig auch selbst dem Gremium nicht mehr angehören wird.

Pfarrerin Alexandra Hans, zweite stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss, dankte Jörg Süß für seinen Dienst: »Du hast mit deiner Arbeit auf kreiskirchlicher Ebene viel bewegt, hast an die Vereinigung der Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar geglaubt und viel dafür gearbeitet.«

In seiner Andacht zu Kapitel 17, Verse 20 und 21 aus dem Lukas-Evangelium zum Auftakt der Synode regte Krankenhauspfarrer Hans-Dieter Dörr dazu an, auf Spurensuche nach dem Reich Gottes mitten in der Welt zu gehen und diesen Spuren zu folgen. »Suchen wir die Samen der Hoffnung, die Gott schon im Licht dessen wachsen lässt, was erst daraus entstehen soll«, sagte der Seelsorger. Als Beispiele nannte er, Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen und die Erde als Gottes Schöpfung zu bewahren. Für die Landeskirche sprach Kirchenrat Volker König ein Grußwort.

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