30. Mai 2018, 11:00 Uhr

Mittenaar

»Wenn aus Wörtern Worte reifen«

»Es freut mich sehr, wieder bei euch zu sein. Es ist kein Dienst, sondern Kür«, sagte Wolfhard Düver bei der Vorstellung seines neuen Buches.
30. Mai 2018, 11:00 Uhr
Etliche Bücher durfte der ehemalige Bickener Pfarrer Wolfhard Düver im Anschluss an die Lesung im Emmaushaus signieren. Foto: Becker-von Wolff/Dekanat

»Einsachtzig unter oben – Gedichte vom Sterben und Leben« in Bicken, heißt das Buch von Wolfgang Düver. Die Autorenlesung mit dem früheren Gemeindepfarrer, der an Pfingsten vor vier Jahren in Bicken verabschiedet wurde, haben etliche Gemeindeglieder zum Wiedersehen genutzt.

Knapp 40 Menschen waren aus den Kirchorten Ballersbach, Bicken und Offenbach zur Lesung in das Bicker Emmaushaus gekommen. An der gedeckten Kaffeetafel lauschten sie Pfarrer Wolfhard Düver, der über besondere Erlebnisse und Begegnungen, die er in Norddeutschland und später in Mittelhessen hatte, berichtete.

Gedichte aus dem Gemeindeleben

In den zurückliegenden Dienstjahren hatte der Seelsorger und Gemeindepfarrer etliche trauernde Menschen kennengelernt. Aus mancher Begegnung ist ein Gedicht entstanden. Besonders viele Gedichte hat er in den Dienstjahren in Bicken geschrieben. Veröffentlichen wollte er die Gedichte zunächst nicht, gutes Zureden von Freunden und ein zeitlicher Abstand zu den Erlebnissen waren nötig. »Es braucht manchmal viel Zeit, ehe aus Wörtern Worte reifen«, sagt Düver.

Mittlerweile ist Wolfhard Düver froh, den in neun Kapiteln unterteilten Gedichtband herausgegeben zu haben. Das Buch erscheint bereits in zweiter Auflage im Manuela Kinzel Verlag. Die Sammlung bietet auf 115 Seiten etwa 100 Gedichte und Aphorismen zu Trauer, Tod und Vergänglichkeit.

Inspirierend, aber auch witzig

Es ist kein Ratgeber im klassischen Sinn, aber eine Quelle der Inspiration: Die kurzen Texte wirken und trösten. Düver versteht es – sprachlich brillant – dem oft Unaussprechlichen tiefgründig und traurig, wütend und witzig nachzuspüren.

Das Dichten ist für den Pfarrer im Ruhestand eine Form der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens geworden: Der Tod seiner Mutter und Tage später der Tod seines Vaters im November 2009 hatten ihn als damals 60-Jährigen besonders getroffen.

»Nicht die ›Liftboys‹ Gottes«

In einigen Gedichten thematisiert er Kindheitserinnerungen (»Rummelplatz«) und die Beziehung zu seinen Eltern. »Plötzlich sitzt man in der ersten Reihe«, sagt Wolfhard Düver und meint damit die Kirchenbank vor Sarg und Urne.

In den Versen ist einerseits deutlich der Verlust und die Leere beschrieben, die ein Trauernder erlebt. Andererseits lässt sich die Hoffnung auf Erlösung und Auferstehung heraushören. »Wir Pfarrer sind doch nicht die ›Liftboys‹ Gottes, die nur den Weg in den Himmel kennen«, sagt Düver selbstkritisch. Es gebe auch die Höllen-Erfahrung und das Schwere im Leben.

Manche Erfahrung wie eine Fehlgeburt (»Schabefleisch«) oder der nicht verstandene Hilfeschrei eines Mädchens (»Mein Herz gefriert«) habe er bis heute nicht wirklich verwunden.

Mit einem Schmunzeln hat Wolfhard Düver aber auch Gedichte zum Älterwerden (»Herbstzeitlose Liebe«) und zur Gewissheit auf die Auferstehung vorgetragen. Gott behält das letzte Wort, irgendwann geht es dem Tod an den Kragen (»Totentanz«). Zum Abschied der Lesung trug er das Gedicht »Kyrie« als Segenslied vor.

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