18. April 2018, 11:00 Uhr

Marburg

Von Frühling und neuer Freiheit

Die Schau »Klasse Kampf – ’68 erinnern« zum 50. Geburtstag des politisch und gesellschaftlich bedeutenden Jahres 1968 wird bis 13. Mai im Marburger Rathaus gezeigt.
18. April 2018, 11:00 Uhr
Auf einer zeitgenössischen Schreibmaschine können eigene Gedanken und Erinnerungen zum »Protestjahr« ’68 verfasst werden. Foto: Stadt Marburg/Heimrich

Dokumentiert und präsentiert werden revolutionäre Parolen an der Wand, Zeitzeugen in Wort und Bild, Flugblätter, Jukebox, Hanfplätzchen und vieles mehr.

»Der überschwängliche und kreative Protest, der fröhliche Ungehorsam hat so viele für uns heute selbstverständliche Freiheiten gebracht«, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Er erinnerte unter anderem daran, dass eine Frau im Jahr 1968 noch die Erlaubnis ihres Mannes brauchte, um arbeiten zu gehen, oder dass Homosexualität noch strafbar war. »Es ist ein absurder Gedanke zu glauben, man könne diese Freiheiten wieder zurücknehmen«, kommentierte Spies die Diskussion, die der Studentenbewegung pünktlich zum Jubiläumsjahr entweder ihre bahnbrechende Rolle in der Veränderung der Gesellschaft abspricht oder gar behauptet, sie habe zu viel des Guten gebracht.

Demokratisierung und Gleichberechtigung

»’68 ist erst 50 Jahre her«, so Spies weiter. Der Prozess von tiefgreifender Demokratisierung, von Gleichberechtigung und Emanzipation sei auch heute noch nicht zu Ende. Deshalb gehöre ’68 auch nicht ins Museum, sondern in die Gegenwart und in die Zukunft – »und zwar für die Frage, wie wir in unserer Gesellschaft weitergehen wollen«, sagte Spies.

Die Ausstellung wird vom Fachdienst Kultur der Stadt Marburg organisiert. »Mit ’68 kam das Raus-auf-die-Straße«, erklärte der Leiter Dr. Richard Laufner den Bezug zur Zwillingsausstellung, den »Zeitsprung-Schaufenstern« in 37 Geschäften in der Marburger Oberstadt, die das bedeutende Jahr noch bis Ende Mai in ihre Auslagen integriert haben.

In der Ausstellung im Rathaus gibt es 13 Stationen, an denen Zeitzeugen in Kurzvideos über ihr persönliches ’68 sprechen. Die Filme sind per Monitor und Kopfhörer zu sehen. Eine »Wandzeitung« präsentiert die Zeitleiste mit Ereignissen aus Politik, Kultur und Gesellschaft in Marburg und darüber hinaus. Eine Bilderwand visualisiert mit Fotos, Flugblättern und Plakaten die in der Universitätsstadt ganz besonders bewegte Zeit.

Für eine D-Mark Musikbox erklingen lassen

Wer die Ausstellung besucht, kann eine Musikbox mit Hits von Heintje bis zu den Rolling Stones mit einem 1-DM-Stück zum Klingen bringen. Auf einer zeitgenössischen Schreibmaschine können eigene ’68er-Erinnerungen aufgeschrieben werden.

Eine gebundene Sammlung von Flugblättern, die 1968 an der Marburger Uni verteilt wurden, wird auf Bestellung kopiert. Das Buch »Marburg ’68 A bis Z«, das als Marburger Stadtschrift im Rathaus-Verlag erschienen ist, gibt es in der Ausstellung für fünf Euro zu kaufen. Auf 128 Seiten bietet es einen informativen und unterhaltsamen Überblick über die Besonderheiten dieser Zeit – von A wie Wolfgang Abendroth über M wie Minirock und P wie Pillenknick bis Z wie Zweiter Juni 1967.

Die Ausstellung ist bis zum 13. Mai täglich von 11 bis 17 Uhr im Rathaus sehen. Der Eintritt ist frei.

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