21. Oktober 2020, 13:00 Uhr

Marburg

Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch

Die Herbstkonferenz der Organisation Studentenmission in Deutschland (SMD) mit ihrem Hauptsitz in Marburg fand diesmal coronabedingt als Online-Konferenz nur mit kleinem Publikum statt.
21. Oktober 2020, 13:00 Uhr
Matthias Clausen war Hauptreferent der Konferenz. Foto: SMD

Sie beschäftigte sich mit dem Thema »Wahrheitssucher«. »Vertrauen ist die Grundvoraussetzung für das Funktionieren unserer Gesellschaft und unseres sozialen Lebens. Verschwörungstheoretiker handeln aber nach dem Grundsatz ›Vertraue niemandem‹«, sagte Kai Funkschmidt von der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin) auf der Konferenz.

Erosion des Vertrauens

In einem Seminar erläuterte Funkschmidt, dass eine Ausbreitung von Verschwörungstheorien als Erosion des Vertrauens in einer Gesellschaft zu verstehen sei. Dass sich Verschwörungstheorien aber tatsächlich stark ausbreiteten, vermochte der Referent nicht zu behaupten, denn es gebe keine verlässlichen Zahlen.

Verschwörungserzählungen habe es hingegen schon immer gegeben, vor allem nach Großereignissen wie der Mondlandung oder dem 11. September. Seit 70 Jahren würden sie wissenschaftlich untersucht. Als Ursachen nannte Funkschmidt den Hyperindividualismus und die Abnahme des Vertrauens in den Gemeinsinn oder auch den »identitätsstiftenden Opferstatus der Verschwörungsdenker«.

Erkennbar sei, dass soziale Randgruppen anfälliger für Verschwörungstheorien seien, auch wenn deren Anhänger aus allen Gesellschaftsschichten stammten. Im Umgang mit Verschwörungstheoretikern im persönlichen Umfeld empfahl Funkschmidt, sich nicht von diesen Personen abzuwenden: »Verschwörungsdenker wollen verstanden werden - das setzt voraus, dass man ihnen zuhört.« Erst danach solle man widersprechen, am besten mit faktenbasierten Geschichten.

Christen sollten ihr Vertrauen in allen Dingen auf Gott setzen und sich nicht vorschnell von Misstrauen leiten lassen. »Weil ich weiß, dass das Leben unverfügbar ist und ich Gott nicht in allem verstehen kann, brauche ich nicht irgendwelchen Menschen die Schuld geben. Im Glauben vertraue ich, dass Gott am Ende Sieger sein wird«, meinte Funkschmidt.

Christen sollten wissenschaftsfreundlich sein

Hauptreferent der Konferenz war Matthias Clausen, Professor an der evangelischen Hochschule Tabor in Marburg und Referent des Instituts für Glaube und Wissenschaft. Er zeigte auf, wie wichtig Wahrheit gerade in unsicheren Zeiten sei, die seit Ausbruch der Corona-Pandemie herrschten. Christen sollten wissenschaftsfreundlich sein und darauf beharren, dass es einen Unterschied zwischen wahr und falsch gebe. Ein radikaler Relativismus (»Es gibt keine allgemeine Wahrheit«) sei immer selbstwidersprüchlich. Clausen stellte die Frage, was angesichts der Grenzen dieses Lebens Hoffnung gebe und verwies dabei auf Jesus Christus, der von sich sagte, die Wahrheit in Person zu sein.

An den insgesamt sechs Web-Seminaren der SMD-Herbstkonferenz nahmen fast 400 Personen teil. Die Live-Übertragung der Plenarveranstaltungen per Internet wurde von mehr als 1.200 Personen angeschaut.

SMD in mehr als 80 Städten präsent

Die 1949 gegründete SMD mit Sitz in Marburg hat das Ziel, zu einem glaubwürdigen, intellektuell verantworteten Christsein zu motivieren. Sie ist Mitglied in der Diakonie Deutschland der EKD, finanziert sich aus Spenden und arbeitet überkonfessionell auf der Basis der evangelischen Allianz. Zur SMD zählen rund 600 Schülerbibelkreise in ganz Deutschland, Hochschulgruppen in mehr als 80 Städten sowie 20 Regional- und Fachgruppen von Akademikern.

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