21. Oktober 2019, 11:00 Uhr

Marburg

Solidarität mit Jüdischer Gemeinde

Unter dem Motto #wirstehenzusammen demonstrierten in Marburg rund 3.000 Menschen nach dem Anschlag in Halle gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus, Hetze, Gewalt und Ausgrenzung.
21. Oktober 2019, 11:00 Uhr
Die Demonstration wurde angeführt von Dr. Thomas Spies (Mitte), Marianne Wölk (3. von rechts), Monika Bunk sowie (von rechts) Jan Schalauske, Dr. Hamdi Elfarra, Helmut Wöllenstein und Dirk Bamberger. Foto: Birgit Heimrich/Stadt Marburg

»Dieser Anschlag ist ein Anschlag auf uns alle. Euer Schmerz ist unser Schmerz, Eure Angst ist unsere Angst, Eure Verzweiflung ist unsere Verzweiflung. Denn dieser Angriff galt nicht nur der jüdischen Gemeinde in Halle, er galt uns allen und er betrifft uns alle«, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Kundgebung an der mittelalterlichen Synagoge am oberen Markt.

Solidarität bekundet

Gestartet war die Demonstration an der neuen Synagoge der Jüdischen Gemeinde Marburg im Südviertel. Dort versammelten sich über 1.000 Teilnehmer hinter dem Transparent »#wirstehenzusammen« - jener Formel, die binnen weniger Stunden nach dem rechtsextremistischen Anschlag in Halle zum Motto der millionenfachen Solidaritätsbekundungen wurde.

Angeführt wurde der Demonstrationszug von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk, Monika Bunk vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Marburg, Propst Helmut Wöllenstein, Dr. Hamdi Elfarra von der Islamischen Gemeinde Marburg sowie den beiden Marburger Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger und Jan Schalauske. Bei der Kundgebung am oberen Markt und vor dem Glaskubus der alten Synagoge waren weitere fast 2.000 Teilnehmende hinzugekommen.

»Wer Hass und Hetze predigt, der trägt Mitverantwortung«, stellten Dr. Thomas Spies und die anderen Redner klar. Terroristen entstünden nicht aus dem Nichts, sie seien das Produkt eines Klimas von Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit. Auch der Täter in Halle sei kein Einzeltäter. Er sei offensichtlich Teil eines wachsenden Netzes von Rechtsradikalen, eines völkischen Diskurses, der inzwischen von manchem Politiker rechtsradikaler Parteien in die Talkshows getragen werde und der sich über das Internet längst transnational organisiere, führte Spies aus.

Verrohung der politischen Debatte

Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk prangerte die »kalkulierte Verrohung der politischen Debatte durch Rechtspopulisten« an und forderte eindringlich eine konsequente Verfolgung und Sanktionierung von Hassbeiträgen. Propst Helmut Wöllenstein sagte, er schäme sich, in einem Land zu leben, von dem die größten antisemitischen Exzesse der Geschichte ausgingen und in dem es jetzt diesen »wahnsinnigen Anschlag« gebe.

»Wir verurteilen jeden, der zu Hass und Spaltung aufruft«, griff Dr. Hamdi Elfarra die Empörung seiner Vorredner gegen all diejenigen auf, die öffentlich an vielen Orten Hass äußern - gegen Juden, gegen Muslime, gegen Frauen, gegen jeden, »der anders ist oder anders sein will«.

Monika Bunk von der Jüdischen Gemeinde Marburg berichtete von vielfachen Solidaritätsbekundungen aus Politik, Religionsgemeinschaften und Bürgerschaft und forderte gleichzeitig: »Nehmt die alltäglichen Diskriminierungen, Antisemitismen und Hassworte wahr, die an eure Mitmenschen gerichtet werden. Schweigt nicht, handelt, zeigt Gesicht!« Rechtsradikale Hetze und persönliche Diffamierung seien keine freie Meinungsäußerung. »Judenhass ist Menschenhass. Ausländerhass ist Menschenhass«, so Bunk.

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