05. Juni 2020, 13:00 Uhr

Dillenburg

Rückhaltebecken kurz vor Fertigstellung

Starkregen löste im oberen Dillgebiet am 17. September 2006 eine Hochwasserwelle bisher nicht gekannten Ausmaßes aus. Daraus wurden Konsequenzen gezogen.
05. Juni 2020, 13:00 Uhr
Vier Rückhaltebecken werden gebaut. In Eibach befindet sich aktuell das zweite Becken bereits im Bau. Hier können 11.700 Kubikmeter Wasser rückgehalten werden. Foto: Kilian Scharf

Die Sturzfluten - bis zu 160 Liter in der Stunde auf den Quadratmeter - lassen Bäche über die Ufer treten und richten verheerende Schäden in der Kernstadt und den umliegenden Dörfern an.

Fast 14 Jahre nach dieser Katastrophe steht das erste von vier geplanten Hochwasserrückhaltebecken vor seiner Fertigstellung. Das Bauwerk »Tringensteiner Schelde« oberhalb des Oberschelder Reitplatzes kann 45.000 Kubikmeter Wasser zurückhalten. Die Stadt investiert hier rund 2,4 Millionen Euro; das Projekt wird vom Land mit rund 80 Prozent bezuschusst.

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Bevor der Bau des 40 Meter breiten, 93 Meter langen und sieben Meter hohen Damms an der Landstraße nach Eisemroth in Angriff genommen werden konnte, musste der Verlauf der Schelde vorübergehend verlegt werden. Die Aufschüttung an der Landstraße nach Eisemroth ist mittlerweile abgeschlossen.

Das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat zusätzliche Untersuchungen an der hinteren Böschung des Beckens gefordert. Diese werden zurzeit durchgeführt. Im Anschluss daran werden, je nach Ergebnis der Untersuchungen, noch Hangsicherungsarbeiten am Damm durchgeführt. Das Becken wird wohl Mitte 2020 vollständig automatisiert in Betrieb gehen. Sollte vorher ein Starkregen auftreten, kann der Wasserstand auch per Hand geregelt werden.

Auch in Eibach geht es voran. Die Vorbereitung am Becken (Stauvolumen: 11.700 Kubikmeter) sind abgeschlossen und die Betonarbeiten ebenfalls beendet. Die Schieber sind installiert, sodass mit dem Einbau des »Gerinnes«, dem künstlichen Gewässerbett, begonnen und der Eibach wieder in sein ursprüngliches Bett umgeleitet werden kann.

Im Anschluss daran beginnen auch hier die Dammbauarbeiten. Das Becken wird sieben Meter hoch und 75 Meter lang werden und voraussichtlich im Herbst 2020 in Betrieb gehen. Rund 2,6 Millionen Euro wird es die Stadt kosten. Das Land bezuschusst diese beiden Becken mit mehr als 3,7 Millionen Euro.

Weitere Becken in Planung

Die Stadt Dillenburg geht davon aus, dass im nächsten Jahr mit der zweiten Oberschelder Anlage und mit dem Projekt in Niederscheld begonnen werden kann. Nach deren Fertigstellung wird auch der südliche Dillkreis vom Hochwasserschutz im Dillenburger Stadtgebiet profitieren.

Das Becken »Schelde« (69.000 Kubikmeter) soll oberhalb von Oberscheld in Richtung Hirzenhain entstehen. Im Frühjahr wurden die Unterlagen beim Regierungspräsidium eingereicht. Mit der Erstellung eines entsprechenden EU-Erlasses wird in Kürze gerechnet. Baubeginn wird im Winter/Frühjahr 2020/2021 sein.

Eindämmung der Fluten

Die Anlage in Niederscheld (13.900 Kubikmeter) befindet sich noch in der Genehmigungsphase. Die Stadtverwaltung geht davon aus, spätestens im Herbst »grünes Licht« zu erhalten, sodass hier mit dem Bau 2021 begonnen werden kann. Alle vier Baumaßnahmen werden vom Land Hessen gefördert.

Die Wassermengen, die im September 2006 innerhalb von sechs Stunden niederprasselten, entsprechen nach Experteneinschätzung einem 1.000- jährigen Regenereignis. Solche Fluten komplett aufzuhalten, dafür sind die vier Rückhaltebecken nicht ausgelegt. Dann müssten riesige Bauwerke in die Landschaft gestellt werden, die weder genehmigt würden, noch finanzierbar sind. »Schäden, die durch ein solches Hochwasser entstehen, können wir nicht komplett verhindern, aber stark eindämmen. Mit den vier Becken lässt sich die Spitze einer Hochwasserwelle kappen«, sagt Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz.

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