09. Juni 2020, 13:00 Uhr

Marburg

Paradies für Nase, Kreuzkröte und Eisvogel

Die Arbeiten zur Renaturierung des eineinhalb Kilometer langen Abschnitts an der Lahn, der »Gisselberger Spannweite«, sind jetzt abgeschlossen.
09. Juni 2020, 13:00 Uhr
Lebensräume vernetzen: Die »Gisselberger Spannweite« wurde im Volumen von rund 1,8 Millionen Euro im Rahmen eines EU-Projekts baulich verändert. Foto: Regierungspräsidium

Entstanden ist ein Paradies für seltene Arten zu Wasser, zu Land und in der Luft. Die Nase - der Fisch des Jahres 2020 - braucht kiesigen Gewässergrund zum Ablaichen. Die kleine Kreuzkröte bevorzugt hierzu besonnte Tümpel. Beide Arten profitieren ebenso wie der Eisvogel von den neuen Strukturen in und an der Lahn. Die Maßnahme auf einer Länge von eineinhalb Kilometern ist Teil des EU-Projekts »Living Lahn - ein Fluss, viele Ansprüche« und hat 1,8 Millionen Euro gekostet.

»Dieser renaturierte Abschnitt ist ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz, der die Artenvielfalt in unserer mittelhessischen Region fördert«, lobte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich vor Ort das Kooperationsprojekt zwischen dem Regierungspräsidium Gießen und der Stadt Marburg.

In den Gemarkungen zwischen Cappel und Ronhausen wurden rund 100.000 Kubikmeter Boden mit schwerem Baugerät bewegt. »Der Flussschlauch ist verzweigt und aufgeweitet worden, wir haben Kiesdepots angelegt und Totholz eingebaut«, berichtete Anika May von der Oberen Wasserbehörde des Regierungspräsidiums. Die Lahn ist somit jetzt auf dieser Strecke dreimal so breit wie zuvor, dafür aber auch weniger tief.

Lebensraum für gefährdete Tierarten

Dies alles sorgt nun dafür, dass immer wieder neue Strömungsverhältnisse und Strukturen im Gewässer selbst und der angrenzenden Aue entstehen können und sich das Gewässer eigendynamisch entwickelt. Durch die Maßnahmen werde ein vielfältiger Lebensraum für gefährdete Tierarten geschaffen. Als Teil des europäischen Projekts hatten die Arbeiten unter anderem das Ziel, die EU-Wasserrahmenrichtlinie zur ökologischen Verbesserung der Lahn und ihrer Aue umzusetzen. »Davon profitieren Fische, die unterscheidliche Gewässerstrukturen benötigen: Neben einer guten Wasserqualität muss ihnen der Fluss auch Nahrung, Laichplätze und Schutz vor Fressfeinden bieten«, erläuterte Bernd Flick, Mitarbeiter der Oberen Fischereibehörde.

Ansiedlung bedrohter Tierarten am Ufer

In den Uferbereichen sollen sich vor allem Tierarten ansiedeln, deren Lebensraum durch geänderte klimatische Verhältnisse bedroht ist. Dazu gehören gefährdete Amphibien wie die Kreuzkröte, Watvogelarten wie Bekassine, Kiebitz oder Flussregenpfeifer und verschiedene Fledermausarten, wie die Kleine Bartfledermaus oder der Große Abendsegler.

Der renaturierte Streckenabschnitt vernetzt die nahe liegenden Schutzgebiete »Auenverbund Lahn-Ohm«, das Vogelschutzgebiet »Lahntal zwischen Marburg und Gießen« und das Naturschutzgebiet »Unterm Wolfsberg«.

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