22. Januar 2020, 11:00 Uhr

Biedenkopf

Milica Petrovic überzeugt als neue Assistenzärztin

Über Gesundheitspolitik, Pflegekräftemangel oder fehlende Ärzte in Kliniken wird diskutiert. Ein Lösungsvorschlag: Ausländische Fachkräfte integrieren.
22. Januar 2020, 11:00 Uhr
Milica Petrovic ist nicht nur mit ihrer medizinischen Fachkompetenz, sondern auch mit ihrer offenen und freundlichen Art eine Bereicherung. Foto: DRK-Kreisverband

Verfügen die Ärzte über eine identische Ausbildung? Sprechen sie die Sprache gut genug? Diese Sorgen der Patienten müssen ernst genommen werden. Seit November arbeitet die 27-jährige Assistenzärztin Milica Petrovic, die aus Serbien stammt, im DRK-Krankenhaus Biedenkopf. Sie zeigt, wie Integration funktionieren kann - auch, wenn der Weg sicherlich nicht einfach ist.

Berufswunsch früh klar

Für Milica Petrovic war in der Grundschule klar, dass sie Ärztin werden will. Ihr Vater ist auch Arzt, aber ihr eigener eiserner Wille spielte auch eine große Rolle. Petrovic besuchte kein »normales Gymnasium«, sondern eine medizinische Schule, auf der sie ihr Abitur und die Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte.

Mit 19 begann sie das Studium an der medizinischen Fakultät in Belgrad und machte ein freiwilliges Jahr am Uniklinikum bei Charlotte Mesaros, einer bekannten Neurologin. »Mir war früh klar, dass ich im Ausland arbeiten möchte. Ich wollte nach Frankreich und habe aus diesem Grund ein Diplom in Französisch abgelegt. Leider hat es mit der Anstellung dort nicht funktioniert, da die Auflagen extrem hoch waren«, sagt Milica Petrovic.

Über Umweg nach Biedenkopf

Also entschloss sie sich, Deutsch zu lernen, absolvierte von August bis September 2018 ein Praktikum am Uni-Klinikum Tübingen und paukte acht Monate, um das B2- Sprachzertifikat zu erlangen. »Eigentlich wollte ich in Baden-Württemberg bleiben, aber dann wurde ein noch höheres Sprachzertifikat verlangt. Also habe ich mich am Uni-Klinikum Gießen-Marburg (UKGM) beworben und bin auf Empfehlung nach Biedenkopf gekommen.«

Glücklich mit Kollegen und der Arbeit

Das DRK-Krankenhaus ist im Vergleich zum UKGM ein kleines Krankenhaus, was Milica Petrovic nicht stört. »Ich arbeite in der Zentralen Notaufnahme und auf der Intensivstation. Der Einstieg ist mir leicht gefallen. Da es übersichtlich ist, habe ich schnell einen guten Überblick bekommen. Ich kenne alle Kollegen und fühle mich akzeptiert und sehr wohl«, freut sich die 27-Jährige.

Einige Medikamente sind neu und die Abläufe anders als in Belgrad - als Arzt nimmt man in Serbien etwa kein Blut ab. Aber durch ihre Ausbildung zur Krankenschwester ist ihr das nicht fremd. »Wenn ich Fragen habe, erhalte ich super Unterstützung von meinen Kollegen. Ich arbeite in vielen Bereichen selbstständig. Ich kümmere mich um die Aufnahme der Patienten, fordere Laborwerte an, schreibe Arztbriefe oder verschreibe einfache Therapien«, berichtet Milica Petrovic.

Seit acht Jahren ist die jetzt 27-jährige Serbin quasi weg von zu Hause und ist es gewohnt, eine neue Umgebung kennenzulernen. »Natürlich ist für ein gutes Arbeitsergebnis auch soziale Unterstützung wichtig. Ich habe bereits Kontakte geknüpft und alles entwi-ckelt sich gut«, berichtet die junge Ärztin.

Der Weg ins Ausland war schnell klar

»In Serbien ist die Lage nicht einfach und in Deutschland gibt es zahlreiche Möglichkeiten, viel zu lernen und meine Karriere voranzutreiben. Ich bin aber auch sehr stolz auf mein Land und repräsentiere Serbien. Man muss sich einfach bemühen - wenn man etwas will, dann schafft man es auch.«

Prüfung und Approbation

Im ersten Quartal 2020 absolviert Petrovic die medizinische Fachsprachenprüfung, um dann das eineinhalb Jahre andauernde Anerkennungsverfahren zur deutschen Approbation zu durchlaufen. »Wir sind begeistert von ihrem Engagement und ihrer Zielstrebigkeit und werden ihren beruflichen Weg unterstützen«, sagt Personalleiter Sebastian Spies. In Serbien hat die 27-jährige Assistenzärztin bereits einen Kongresspreis für die beste Arbeit in Kopaonik erhalten.

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