17. Februar 2020, 11:00 Uhr

Lich

Klinik implantiert Weltneuheit

Stuhlinkontinenz ist in Deutschland noch immer ein Tabuthema, obwohl Schätzungen davon ausgehen, dass bis zu acht Prozent der Bevölkerung darunter leiden.
17. Februar 2020, 11:00 Uhr
Sektionsleiter Frank Garbe (l.) und Chefarzt PD Dr. Thilo Schwandner. Foto: Asklepios

In der Asklepios Klinik Lich konnte nun ein weiterer Meilenstein in der Behandlung gesetzt werden. Ein MRT-fähiger Darmschrittmacher wurde erstmals bei einem Patienten implantiert. »Von Stuhlinkontinenz sind häufig Frauen aufgrund von Spätfolgen durch Geburtstraumata betroffen, aber auch Eingriffe im kleinen Becken, z.B. bei Krebserkrankungen, oder anale Eingriffe können manchmal zu ungewolltem Abgang von Darminhalten führen«, erläutert Privatdozent Dr. Thilo Schwandner, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, der mit seinem Team eine herausragende Expertise in der Behandlung von Darmerkrankungen vorweisen kann. Auch Patienten mit neurogenen Erkrankungen wie Multipler Sklerose leiden ebenfalls häufiger als die Normalbevölkerung unter Darmproblemen.

Neue Generation von Darmschrittmachern

Sobald konservative Maßnahmen, wie die Einnahme von Flohsamen oder Medikamente zur Eindickung des Stuhls, Beckenbodenübungen oder Biofeedbacktherapie, nicht die gewünschte Wirkung erzielen, gilt ein sogenannter Darmschrittmacher als erste operative Therapieoption. Bereits im Jahr 2018 wurde dazu in Lich weltweit die erste App zum Einsatz im klinischen Bereich eingeführt.

Eingriff ist minimal-invasiv und reversibel

Unter der Leitung von Sektionsleiter Frank Garbe wird die Schrittmachertherapie mit gutem Erfolg schon seit Jahren eingesetzt. »Besonderer Vorteil dieser Methode ist, dass der Eingriff minimal-invasiv und reversibel ist. Außerdem lässt sich der spätere Behandlungserfolg vorher gut durch eine Teststimulation vorhersagen«, erläutert Garbe.

Eine wesentliche Einschränkung der bisherigen Darmschrittmacher war dessen fehlende Zulassung für Kernspin- oder MRT-Untersuchungen. Denn bei mehr als der Hälfte der Patienten mit einem Schrittmacher ist im Laufe ihres Lebens eine MRT-Untersuchung indiziert. Das gilt insbesondere für Patienten mit neurogenen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Wirbelsäulenerkrankungen oder orthopädischen Problemen.

Erstes MRT-fähiges Komplettsystem

Die neue Gerätegeneration der Firma Medtronic, die sich InterStim SureScan nennt, ist nun für MRT-Untersuchungen geeignet. Im Januar wurde nun weltweit das erste MRT-fähige Komplettsystem eines Darmschrittmachers eingesetzt.

»Mit dieser Innovation steht weiteren Patientengruppen diese Standardtherapie auch dann zur Verfügung, wenn sie sich in regelmäßigen Abständen MRT-Untersuchungen unterziehen müssen«, freuen sich Schwandner und Garbe.

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