22. März 2020, 11:00 Uhr

Mittelhessen

Klimawandel auch mitten in Hessen

»95 Prozent des Trinkwassers in Hessen stammen aus dem Grundwasser«, so Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich anlässlich des internationalen Tags des Wassers.
22. März 2020, 11:00 Uhr
Das Regierungspräsidium Gießen informiert zum Tag des Wassers über seine Aufgaben auch im Hinblick auf die klimatischen Veränderungen. Foto: Regierungspräsidium

»In Mittelhessen ist es seit Monaten nass, richtig nass.« Das sei mehr als erfreulich für das Grundwasser. »Wasser zu schützen gehört zu den vielen Arbeitsbereichen des Regierungspräsidiums.« Diese Aufgaben stellt das Regierungspräsidium darum zum Tag des Wassers vor.

Ergiebige Niederschläge

»Die vergangenen zwei ausgesprochen trockenen Sommer und das ebenso niederschlagsarme Winterhalbjahr 2018/2019 haben erheblich an unseren Grundwasserreserven gezehrt«, so die zuständige Abteilungsleiterin Karin Ohm-Winter. Diese sind in Mittelhessen jedoch Grundvoraussetzung für die Sicherstellung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Aber laut Ohm-Winter gibt es einen Lichtblick: »Die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Monate haben das Grundwasser wieder steigen lassen.«

Das alleine ist aber noch keine Garantie dafür, dass sich der gescholtene Grundwasserkörper in ausreichendem Maße erholt. Denn in Bezug auf die Neubildung von Grundwasser werde ein Jahr in den hydrologischen Sommer (Mai bis Oktober) und den hydrologischen Winter (November bis April) unterteilt. »Der Niederschlag des Sommers wird vornehmlich von den Pflanzen aufgenommen und verdunstet, sodass nur ein sehr geringer Anteil im Grundwasser ankommt«, weiß Ohm-Winter. Im hydrologischen Winter hingegen fehle die Wasseraufnahme durch Pflanzen und auch die Verdunstung sei eher gering. »Darum ist gerade das Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung für die Erholung der Grundwasserstände.«

Aufgabenspektrum der Behörde

Das Aufgabenspektrum im Regierungspräsidium reicht vom Grundwasserschutz und der Kontrolle der Wasserversorgung über den Hochwasserschutz und die Überprüfung der Gewässergüte bis hin zu kommunalem und industriellem Abwasser. Umso wichtiger ist es, in Bezug auf den »Weltwassertag«, auf die Herausforderungen hinzuweisen, die insbesondere auch auf die heimische Wasserwirtschaft zukommen. Denn das vermeintlich wasserreiche Deutschland muss sich frühzeitig mit den möglichen klimatischen Veränderungen auseinandersetzen. Der derzeit gewohnte und als selbstverständlich angesehene Wasserverbrauch muss daher überall verstärkt hinterfragt und optimiert werden.

Die ersten Schritte hierfür seien bereits erfolgt, sagt Ohm-Winter: »Beispiele hierfür sind die intensive Regenwassernutzung im privaten Haushalt oder zur Gartenbewässerung, geänderte Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft oder die wachsende Bereitschaft zur Kreislaufnutzung von Produktionswasser in der Industrie.« Überall, wo man durch die Verwaltung Einfluss auf eine geänderte Wassernutzung habe, stünden die Themen Ressourceneffizienz und Schutz des Wassers an oberster Stelle.

Hintergrund

Infolge der langanhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre waren die Grundwasserstände in Hessen auf ein tiefes Niveau gesunken. Umso erfreulicher ist es, dass bereits Ende September ergiebige Niederschläge einsetzten und der überdurchschnittlich nasse Oktober dann endgültig eine Trendwende einleitete. Mit dem statistisch gesehen drittnassesten Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Hessen fiel somit der Winter, genauer die Monate Dezember bis Februar, insgesamt deutlich niederschlagsreicher als der langjährige Durchschnitt aus.

Gegenwärtig entspannte Situation

Gegenwärtig gibt es gut wassergesättigte Böden und landesweit sind deutliche Anstiege in den Grundwasserpegeln zu verzeichnen, sodass sich nun die Grundwassersituation im Vergleich zum Oktober 2019 viel entspannter darstellt. Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind jedoch noch regionale Differenzen zu beachten: Mancherorts bedarf es tatsächlich noch weiterer Niederschläge, um die Grundwasserstände wieder auf ein für diese Jahreszeit durchschnittliches Niveau ansteigen zu lassen.

Wenn sich die derzeitige niederschlagsreiche Witterung fortsetzt, kann die mittelhessische Wasserwirtschaft auf eine günstige Ausgangssituation zum Start in den Sommer 2020 hoffen. Die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Tage haben sogar zu Überschwemmungen in einigen Gemeinden Mittelhessens geführt.

Für Hessen werden aufgrund des Klimawandels zukünftig überwiegend trockene Sommer und feuchte Winter erwartet. Wie sich diese Prognose jedoch auf die Neubildung des Grundwassers auswirkt, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen.

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