08. Mai 2021, 13:00 Uhr

Burgwald

Sumpfveilchen und arktische Smaragdlibellen

In Naturschutzgebieten steht der Schutz von Tieren und Pflanzen an oberster Stelle. Hier finden sich viele, oftmals vom Aussterben bedrohte Arten.
08. Mai 2021, 13:00 Uhr
Moorbereiche wie dieser sind charakteristisch für den Burgwald. Foto: Regierungspräsidium

Das ist auch im Burgwald der Fall. Im Christenberger Talgrund gibt es beispielsweise Sumpfveilchen und arktische Smaragdlibellen, im Langen Grund bei Schönstadt den Rundblättrigen Sonnentau und die Geburtshelferkröte. Um die Vielfalt zu erhalten, werden die Naturschutzgebiete nicht nur gepflegt, sondern von Zeit zu Zeit auch vergrößert.

Fast 175 Hektar mehr Fläche

Letzteres ist jetzt im Burgwald geschehen. Die obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen hat sechs bestehende Naturschutzgebiete erweitert. Aus den ursprünglich 268,8 Hektar sind 443,7 geworden - ein Plus von 174,9 Hektar. »Das ergibt umgerechnet rund 245 Fußballfelder, die dazugekommen sind«, verdeutlicht Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die Dimension.

Neben dem Christenberger Talgrund nördlich von Mellnau (rund 116 Hektar) und dem Langen Grund bei Schönstadt (50) sind die Gebiete Christenberg östlich von Münchhausen (25), Franzosenwiesen/Rotes Wasser nordwestlich von Bracht (202) sowie Diebskeller/Landgrafenborn und Nebeler Hintersprung betroffen. Die beiden Letzteren südöstlich von Roda sind durch Erweiterung zum Naturschutzgebiet Diebskeller und Nebeler Hintersprung (fast 50 Hektar) zusammengewachsen.

Ausgewählt wurden die neuen Bereiche in enger Zusammenarbeit mit dem Forstamt Burgwald, das die Naturschutzgebiete im Auftrag der Naturschutzbehörde vor Ort betreut, und mit der Aktionsgemeinschaft Rettet den Burgwald.

»Nicht zuletzt durch die sehr gute Zusammenarbeit hat sich die Gesamtfläche der sechs Naturschutzgebiete um rund 65 Prozent vergrößert«, lobt Verena Werle von der oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium, die das Ausweisungsverfahren federführend bearbeitet hat. Kenntlich gemacht werden die neuen Bereiche durch entsprechende zusätzliche Schilder.

Anlass für die Novellierung der Naturschutzgebiete ist, dass es in den feucht-kühlen Talzügen des Burgwaldes seltene und schutzwürdige Moor- und Feuchtlebensräume gibt. »Auch wenn Moore nur drei Prozent der Landesfläche bedecken, speichern diese ein Drittel der irdischen Kohlenstoffvorräte. Daher stellt die Sicherung und Renaturierung von Mooren einen wesentlichen Beitrag im Rahmen des Klimaschutzes dar«, betont Werle. »In Moorbereichen herrscht ein hoher Wasserstand und es mangelt an Sauerstoff. Dadurch werden abgestorbene Pflanzenteile nicht richtig zersetzt und zu Torf umgewandelt«, erklärt sie. Das von den Pflanzen aufgenommene CO2 wird als Kohlenstoff im Torf eingelagert und gespeichert.

Die Pflanzenarten, die an diesen Stellen vorkommen, sind hoch spezialisiert: zum Beispiel Torfmoose, die wie ein Schwamm das 30-fache ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen können. So regulieren Moore den örtlichen Wasserhaushalt, indem sie bei starken Niederschlägen ungeheure Mengen an Wasser aufnehmen und danach langsam wieder an die Umgebung abgeben.

Lokalklima profitiert von den Mooren

»Auch das Lokalklima profitiert von den Mooren«, ergänzt Eberhard Leicht, der Leiter des Forstamts Burgwald. »Denn Moorböden verdunsten zehn bis 15 Prozent mehr Wasser und tragen so vor allem im Sommer zur Kühlung der bodennahen Luftschichten bei.« Die Landesregierung hatte das Forstamt Burgwald im vergangenen Jahr zum forstlichen Modellbetrieb für Klimaschutz erklärt.

Paradies für seltene Tier- und Pflanzenarten

Die mosaikartige Anordnung von vermoorten offenen Bereichen, Stillgewässern oder Sumpf- und Bruchwäldern ist ein Paradies für viele und vor allem seltene Tier- und Pflanzenarten. Die Naturschutzbehörde und das Forstamt Burgwald kümmern sich federführend um die Sicherung und die langfristige Pflege der Gebiete. »Zum Erhalt dieser Lebensräume kann aber auch jeder, der den Burgwald besucht, etwas beitragen. Das geht alleine schon dadurch, dass sich Besucherinnen und Besucher an die geltenden Regeln halten und beispielsweise die Wege nicht verlassen und Hunde anleinen«, sagt Verena Werle.

Was erlaubt ist und was nicht, das ist auch im Burgwald auf Schildern nachzulesen. Noch dazu gibt es dank QR-Codes Informationen zu den einzelnen Gebieten - etwa wie groß sie sind, seit wann es sie gibt und welche besonderen Tiere und Pflanzen hier vorkommen.

Alle diese Informationen gibt es auch direkt unter www.rp-giessen.hessen.de.

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