17. Juli 2020, 13:00 Uhr

Herorn

»Dr. House« auf der Suche nach Unbekanntem

»Medizin ist wie ein Krimi«, sagt Prof. Jürgen Schäfer, der das Zentrum für unerkannte Krankheiten in Marburg leitet.
17. Juli 2020, 13:00 Uhr
Professor Jürgen Schäfer aus Marburg während seinem Vortrag hier mit der Präsidentin Dr. Claudia Lauber vom Lions-Club Dillenburg-Schlossberg. Foto: Dorothea von Wolff

Auf Einladung vom Lions-Club Dillenburg-Schlossberg hat Prof. Schäfer Ende Februar in der Kulturscheune Herborn aus seiner Arbeit mit Patienten mit seltenen Erkrankungen oder unklaren Beschwerden berichtet. Man geht alleine in Deutschland von rund vier Millionen Menschen aus, die an einer seltenen Erkrankung leiden. »Wir übernehmen Patienten von anderen Kliniken oder Fachärzten, wenn diese nicht weiterkommen«, sagt Jürgen Schäfer.

Das Zentrum in Marburg ist eine Anlaufstelle für Patienten, bei denen trotz umfangreicher Diagnostik im Vorfeld keine befriedigende Diagnose erstellt werden konnte. Bekannt wurde der Kardiologe, als er 2008 begann, seinen Medizinstudenten anhand der TV-Serie »Dr. House« schwierige medizinische Fälle zu erklären, um die systematische Arbeitsweise eines Diagnostikers zu trainieren. Seitdem hat Prof. Schäfer den Spitznamen ebenso bekommen.

Auch außerhalb des Medizinbuches denken

Das Marburger Ärzteteam sucht gemeinsam mit den behandelnden Ärzten und den Patienten nach offenen Fragen und Lösungen. »Die Möglichkeiten in der Medizin haben sich verbessert, wie zum Beispiel durch bildgebende Verfahren und Gen-Diagnosen«, sagt Schäfer. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von mehreren Spezialisten verschiedener medizinischer Fachrichtungen können Krankheiten aufgeklärt werden.

Ein Mann kam mit verschiedenen unspezifischen Beschwerden zum Zentrum für unerkannte Krankheiten: Hör- und Sehverlust und eine sehr geringe Herzleistung. Eigentlich überlegten Ärzte schon, ihm ein neues Herz zu transplantieren, doch Schäfer vermutete eine Kobalt-Vergiftung durch einen Defekt an seiner künstlichen Hüftkopfprothese. Der Verdacht bestätigte sich und so konnten die Marburger Ärzte dem Mann helfen.

Ein anderer Patient hatte über Jahre hinweg Bauchschmerzen, Blut im Stuhl und heftige Entzündungsreaktionen. Doch die üblichen Tests zeigten keine Ursache an. Erst in Marburg konnte ihm mit einem Suchprogramm für winzige DNA-Spuren geholfen werden. Damit wiesen die Ärzte eine geringe Menge von Parasiten im Stuhl nach. In diesem Fall fand das Ärzteteam aus Marburg heraus, dass der Mann sich einen tropischen Wurm eingefangen hatte, obwohl er nie selbst in den Tropen war, aber als Hobby tropische Fische in Aquarien hält.

Eine große Motivation für Jürgen Schäfer und sein Team ist die Dankbarkeit der Patienten. Manchen Patienten hilft das Wissen, was ihre Beschwerden wirklich verursacht, obwohl die Ärzte nicht jeden Patienten mit seltenen Erkrankungen behandeln können, da es manchmal einfach noch keine Therapie gibt. Die Ärzte im Marburger Team arbeiten wie Ermittler in einem Krimi und spüren den Indizien nach. Mit akribischer Spurensuche, Herzblut und High-Tech.

Die Zuhörer in der »KuSch« waren von dem interessanten und lebendigen Vortrag begeistert und Schäfer beantwortete zudem weitere Fragen aus dem Publikum.

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