09. August 2018, 11:00 Uhr

Haiger

»Das Schrauben ist wie eine Sucht«

In einer Garage in der Wachenbergstraße stehen in Reih’ und Glied wunderschöne Traktoren sowie weitere Landmaschinen.
09. August 2018, 11:00 Uhr
André Gail und Haigers Bürgermeister Mario Schramm sitzen Probe auf den restaurierten Ausstellungsstücken in der privaten Samlung in Allendorf. Foto: Stadt Haiger/Triesch

Ein sehr rarer Eicher-Gabelstapler, ein Unimog und ein MAN-Allradtrecker sind dort zu finden. Überwiegend zu sehen sind allerdings NSU-Zweiräder, die André Gail in einem privaten Museum an der Siegener Straße präsentiert. »Ich muss einfach immer schrauben – das ist wie eine Sucht«, sagt André Gail aus Allendorf. Der 39-jährige Kfz-Mechaniker hat in den vergangenen Jahren rund 150 Fahrzeuge gesammelt und die meisten von ihnen aufwendig restauriert.

»Jedes dieser Fahrzeuge erzählt eine Geschichte«, ist Gail überzeugt – und erzählt die Story der NSU, auf deren Abholung er nach dem Kauf zwei Wochen warten musste, weil im durchgerosteten Tank eine Meise ihre Eier ausbrütete.

»Es ist fantastisch zu sehen, mit wie viel Liebe fürs Detail er seine Sammlung zusammengestellt hat«, war Bürgermeister Mario Schramm bei einer Führung begeistert. »Diese Ausstellung müssen alle Fans von Kraftfahrzeugen gesehen haben.«

Mit 500 Mark »Quickly-Puzzle« gekauft

Schon als Kind wurde André Gail – den sie in Allendorf »Albertche« nennen – mit dem NSU-Virus infiziert. Als 15-Jähriger kaufte er für 500 mühsam zusammengesparte D-Mark sieben »Quicklys« in Einzelteilen – die Bastelei begann. Der Allendorfer geht dabei ganz pragmatisch vor. Wenn er ausreichend Geld gespart hat, dann wird die Sammlung vergrößert. Und dafür fährt er schon mal nach Bayern oder nach Holland. Und wenn er in Urlaub ist, erkundigt er sich sofort, ob in der Gegend vielleicht früher mal ein NSU-Händler existierte. Dann kauft er schon mal alles, was der einstige Händler noch im Keller hat.

Gail besitzt auch Fahrräder und Motorroller der Firma aus Neckarsulm, diverse Sondermodelle – wie eine Post-NSU mit Anhänger – und vor allem auch alle möglichen Sammelgegenstände wie Feuerzeuge, Taschenmesser, Werbeschilder, Prospekte oder NSU-Zigarren, die für die Pensionäre der Firma vorgesehen waren. Einige Mopeds sind mit typischen Utensilien der Fünfziger- und Sechzigerjahre dekoriert – alles picobello in Schuss.

Haigerer, die sich noch an die Tankstelle von »Jungs Theodor« in der Hauptstraße erinnern, werden möglicherweise das riesige NSU-Werbeschild wiedererkennen, das André Gail unterm Dach befestigt hat. Die Leuchtreklame war auf unbekannten Wegen nach Frankfurt gelangt, wo Gail sie entdeckte und »so lange bettelte, bis die Leute es mir verkauft haben«.

Das älteste Exponat ist eine NSU Pony aus dem Jahr 1936, die Ausstellung prägen aber die unverwüstlichen »Quicklys«. Das »Moped« (1,5 PS) wurde 1953 vorgestellt und bis 1967 gebaut. Rund 1,5 Millionen Exemplare dieses »Motorrads für den kleinen Mann« wurden bei NSU hergestellt.

Kurioser Mopedkauf auf der Straße

Mittlerweile weiß man, dass sich der Allendorfer für alles rund um die NSU interessiert. Viele Leute melden sich, wenn sie ein Motorrad loswerden wollen. Manchmal läuft es aber auch viel spektakulärer: Einmal war der Sammler mit mehreren gerade gekauften Motorrädern unterwegs, als er von einer Polizeistreife gestoppt wurde. Auf die Frage: »Wissen Sie, warum wir Sie angehalten haben?« War es vielleicht die mangelnde Ladungssicherung? Nein, erklärte der Polizist schmunzelnd: »Wir haben noch ein altes Moped im Keller – das können Sie doch bestimmt gebrauchen.«

Das aktuelle Bastelprojekt ist eine Polizei-Quickly. Außerdem steht im Erdgeschoss ein NSU-Sportprinz. Das Auto ist fertig für den Lackierer und wird bald über die Straßen rollen. Denn das Ziel von André Gail ist immer das gleiche: »Ich will die Dinger zum Laufen bringen.«

Besucher sind gerne willkommen. Man sollte sich unbedingt telefonisch anmelden (André Gail, Telefon: 0170-9601539) und genügend Zeit mitbringen. Denn André Gail hat zu jeder Schraube Geschichten parat …

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