28. August 2025, 17:51 Uhr

Dorfjubiläum

Noch nicht alle Geheimnisse in Salzböden gelüftet

Die Dorfchronik wird im vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus vorgestellt. Das Buch kann »On-Demand« bestellt werden.
28. August 2025, 17:51 Uhr
VOH
Gerd Algeyer (r.) nimmt Bestellungen für die Ortschronik entgegen. Foto: Heller

Welches Dorf hat schon seine eigene Hymne? »Salzböden ist das Herz vom Hessenland«, tönt es zu besonderen Anlässen selbstbewusst. Im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus wurde jetzt in Auszügen die neue Dorfchronik »1250 Jahre Salzböden« vorgestellt. Abschließend sangen alle sozusagen die Hymne als Zugabe. Fast wäre der emotionale Moment in die Hose gegangen, fehlte doch die Begleitmusik. Fredrik Vahle und Freunde hatten schon eingepackt. Es sang sich schließlich auch ohne. Und Vahle tauchte in letzter Sekunde wieder auf. Burkhardt Ott, Mitglied der vormaligen Mundartgruppe »Kork«, hatte den Text verfasst. Die Melodie wurde von dem Schlager »Marmor, Stein und Eisen bricht« entliehen.

Ereignisse aus Jubiläumsjahr

Die Dorfchronik kann momentan noch nicht erworben werden, ist zwar soweit fertig, aber es fehlen die Ereignisse aus dem Jubiläumsjahr 2025. Jörg Steiss, Vorsitzender des Kulturrings Salzböden, vertrat die Ansicht, es sei für nachfolgende Generationen sicherlich interessant, darüber etwas zu erfahren. In der Chronik zur 1200-Jahrfeier fehle nämlich das Jubiläumsjahr. Einzig wer 1975 mit dabei gewesen sei, wisse Bescheid. Rund 20 Seiten, das Festjahr im Rückblick, kämen diesmal noch hinzu.

Da die letzte Veranstaltung, ein Apfelspaziergang, am 3. Oktober stattfindet, wird der früheste Ausgabetermin mutmaßlich am Nikolausmarkt der Salzbödener Wichtel (6. Dezember) sein. Voraussichtlich 29,90 Euro wird das Buch - fester Einband, Text und Farbfotos, Premium-Qualität, festes Papier - dann kosten. Einige Ansichtsexemplare (ohne 2025) lagen zum Durchblättern aus, ebenso eine Bestellliste, da nicht ins Blaue hinein gedruckt werden soll. Durch das Verfahren »Books on Demand« sind Nachdrucke jederzeit möglich (Bestell-E-Mail: chronik1250@salzboeden.de).

Herausgeber ist der Kulturring. Autorinnen sind Ursula Rolshausen, Birgit Theißing, Ute Algeyer und Elke Dyroff. Satz und Layout liegen in den Händen von Gerd Algeyer, die Herstellung übernimmt die Druckerei Rosenbaum (Ruttershausen).

Die Autorinnen selbst lieferten jetzt auch die Auszüge und Einblicke. Steiss moderierte, Mundartlieder kamen von Fredrik Vahle (Gesang, Gitarre), Dietlind Grabe-Bolz (Gesang), Manfred Becker (Akkordeon) und Peter Herrmann (Kontrabass).

»Ein Haus mit Charme«

Die Chronik indes kommt nicht als ein langweiliges Geschichtsbuch daher, ein geschichtlicher Abriss steht nur im Kapitel eins. Nachfolgend kommen gesellschaftlich relevante Themen. Vieles davon musste die politischen Beschlüsse durchlaufen und finanzielle Hürden nehmen. Weitere Kapitel: Salzböden und die Gebietsreform, Infrastruktur, Öffentliche Gebäude und Einrichtungen, Gaststätten und Geschäfte, gesellschaftliches Leben, Salzböden/Brassac-les-Mines und die Städtepartnerschaft, Salzbödener Persönlichkeiten.

Die vier Autorinnen trugen abwechselnd vor und verrieten dabei nicht alles Wissenswerte und hüteten vorerst so manches Salzbödener Geheimnis. Ein Krimiautor würde bei einer Lesung selbstredend auch die Aufklärung des Falls außen vor lassen.

Das Dorfgemeinschaftshaus etwa sollte nicht einfach nur Zweckgebäude sein, von der Stange also, sondern »ein Haus mit Charme«. Viel Kampf in den politischen Gremien und viel Eigenleistung waren notwendig. 1983 war schließlich die Einweihung, einschließlich Kegelbahn und Gefrierraum. Eines der Geheimnisse bezieht sich auf die besondere Markierung auf dem Parkplatz am Dorfgemeinschaftshaus.

Anlässlich der Dorferneuerung 1986 wurden Stromleitungen unterirdisch verlegt, sodass der historische Charakter der Wohngebäude wieder ungestört hervortreten konnte. Wegen des frühgotischen Wehrturms (13. Jahrhundert) zählt die evangelische Kirche laut Denkmalamt zu den bedeutendsten Wehrkirchen Hessens. Wegen der Gemälde im Innenraum wird das Bauwerk auch Bildbuchkirche genannt. In dem kleinen Häuschen gegenüber dem Wehrturm ist die Sakristei untergebracht.

1834 erhielt das 450 Einwohner zählende Dorf in der Schäfergasse seine eigene Schule. Unterricht hielt man hier bis 1953, dann folgte der Neubau der heutigen Salzbödetal-Schule in der Schulstraße. Das alte Schulhaus wurde abgerissen. Auf dem freien Platz steht heute das Schwalbenhaus. Gemäß einer Legende hätten viele Menschen das Schulhaus ungern betreten. Den Grund dafür verrät schließlich die Chronik - es bleibt also erst einmal spannend.



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