29. Dezember 2020, 13:00 Uhr

Bad Endbach

Konkrete Pläne zur Reaktivierung von Bahnstrecken

Marburg-Biedenkopf hat mit Vertretern der Kurhessenbahn, des Kreises Waldeck-Frankenberg, des hess. Verkehrsministeriums und den Verkehrsverbünden Ideen vorgestellt.
29. Dezember 2020, 13:00 Uhr
Bahngipfeltreffen an der Trasse in Todenhausen (v.l.): Peter Forst (RMV-Bereichsleiter für Netzentwicklung und Schienenverkehr), Hans-Martin König (DB RegioNetz Kurhessenbahn, Leiter Infrastruktur), Erster Kreisbeigeordneter und RMV-Aufsichtsratsmitglied Marian Zachow (Marburg-Biedenkopf), Staatssekretär Jens Deutschendorf, Landrat Dr. Reinhard Kubat (Waldeck-Frankenberg, Aufsichtsratsvorsitzender des nordhessischen Verkehrsverbundes) und Steffen Müller (Geschäftsführer NVV) tauschten sich über die Weiterentwicklung des Bahnverkehrs aus. Foto: Landkreis

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind in den nächsten Jahren umfangreiche Investitionen ins Schienennetz geplant. Damit befindet sich der Kreis »mitten in einem Zukunftsthema«, betonte Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter. Auch Jens Deutschendorf, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, sprach sich für einen Ausbau des Bahnangebots aus: »Es ist wichtig, dass es leichter wird, vom Auto umzusteigen.« Eine klimaneutralere Mobilität müsse gemeinsam gestaltet werden.

Nördlicher Nachbar als gutes Beispiel

Als Erfolgsgeschichte und Musterbeispiel gilt die Reaktivierung der Strecke Korbach - Frankenberg im Jahr 2015. Reinhard Kubat, Landrat von Waldeck-Frankenberg, lobt die Zusammenarbeit mit Marburg-Biedenkopf. Obwohl es anfangs Widerstand und Debatten gegeben habe, hätten die Menschen die Bahn für sich wiederentdeckt. Dies sei vor allem an der Nutzung der reaktivierten Strecke sichtbar, da die erwarteten Nutzungszahlen weit übertroffen worden seien. Die Kritiker von damals seien heute überzeugt von dem Projekt.

Zwei Strecken werden geprüft

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf prüft zurzeit die Reaktivierung von zwei Bahnverbindungen im Kreisgebiet. Dazu gehört die Salzbödebahn, die bereits 1995 stillgelegt worden ist, obwohl hohes Potenzial zur Nutzung der Strecke bestehe, erklärt Zachow. Dies sei auch an der Vorstudie ersichtlich, die ein Fahrgastpotenzial von 2.200 Fahrgästen werktäglich ermittelt habe. Nun geht es gemeinsam mit dem Rain-Main-Verkehrsverbund (RMV) an die Machbarkeitsstudie. Diese soll prüfen, welche Infrastrukturmaßnahmen nötig sind. »Nachdem die ersten Überlegungen zur Reaktivierung heftig umstritten waren, ist man mittlerweile fast einhellig für vertiefende Untersuchungen«, sagt Zachow.

Auch die Ohmtalbahn wurde 1980 für den Personenverkehr stillgelegt. »Hier gibt es aber höhere Hürden für eine Nutzung. Grund sind zum einen die geringer eingeschätzten Fahrgastzahlen als bei der Salzbödebahn. Zum anderen sind Teile der Strecke mittlerweile entwidmet - die entsprechenden Flächen gelten also nicht mehr als Bahnstrecke, und befinden sich in Planungshoheit von Kommunen«, erläuterte Zachow. Allerdings biete die Strecke auch Potenziale. So sei zum Beispiel eine durchgehende Verbindung zwischen Marburg und Fulda attraktiv, da diese nur unmerklich länger als die Autofahrt sei.

Teil einer Verkehrswende

Zachow weist darauf hin, dass »Eisenbahn nicht in Teilabschnitten gedacht werden darf, sondern als Netzwerk«. Es gebe eine »hohe Dynamik im Thema der Reaktivierung« und auch die bundespolitische Förderung sowie der gemeinsame Austausch mit allen Beteiligten seien wichtig, um die Verkehrswende voranzubringen.

Kurhessenbahn testet weiter

Auch die Kurhessenbahn habe bereits verschiedene Projekte geplant, um das Bahnfahren attraktiver zu machen, berichtete Hans-Martin König, Leiter Infrastruktur bei der Kurhessenbahn.

Neben neuen Haltepunkten in Wetter-Todenhausen und Niederwetter würden auch mehrere barrierefreie Stationen gebaut. Seit Dezember 2019 testet die Kurhessenbahn zudem zwei Zugpaare direkt von Marburg nach Siegen.

Ab Dezember 2025 solle die Verbindung nach der Inbetriebnahme des Kreuzungsbahnhofs Saßmannshausen und der Sanierung des Leimstruther Tunnels täglich im Stundentakt fahren.

Auch der Gütertransport auf der Schiene, also beispielsweise Holz, sei mit der Verladestation in Biedenkopf-Breidenstein bis 2026 gesichert. Allerdings müsse die Lahnbrücke erneuert werden, die Finanzierung sei aber noch offen, erklärte König. Außerdem werde die Kurhessenbahn mit digitalem Zugfunk und elektronischen Stellwerken ausgestattet. Beides seien Voraussetzungen, damit mehr Züge in engerer Taktung fahren könnten.

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