17. Januar 2021, 13:00 Uhr

Gießen

Förderer einer mittelhessischen Identität

Das Regierungspräsidium Gießen hat an seine Gründung vor 40 Jahren erinnert.
17. Januar 2021, 13:00 Uhr
Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich posierte mit Geburtstagstorte für das Titelblatt eines Jahreskalenders der Behörde. Foto: Katrina Friese

Während eines Festaktes am 14. Januar 1981 gab der damalige hessische Innenminister Ekkehard Gries den offiziellen Startschuss für die Arbeit der Mittelbehörde. »Seitdem verstehen wir uns nicht nur als die zentrale Verwaltung des Landes Hessen hier in Mittelhessen, sondern auch als unermüdlicher Förderer einer mittelhessischen Identität«, sagt der aktuelle Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Eine Feier zum runden Geburtstag kann coronabedingt nicht stattfinden.

Mit einem zehnköpfigen Team fing alles an

Bereits ein Dreivierteljahr vor dem Festakt hatte der spätere Regierungspräsident Knut Müller, bis dahin Polizeipräsident in Frankfurt, mit einem zehnköpfigen Team die herausfordernde Aufgabe übernommen, ergänzend zu Darmstadt und Kassel das Gießener Regierungspräsidium aufzubauen: und zwar aus dem Nichts für einen Bezirk, der zwischen Limburg und Schlitz, Münchhausen und Hungen fünf Landkreise umfasst.

Hintergrund war einerseits das gescheiterte Großprojekt der Stadt Lahn und andererseits der Wille der Landesregierung, die Region strukturell zu stärken. »Gab es zum Zeitpunkt des Festakts bereits 158 Beschäftigte, sind es nach vielen hinzugekommenen Aufgaben aktuell rund 1.350«, berichtet Regierungspräsident Ullrich. Darin eingerechnet sind nicht die dem Gießener Präsidium nachgeordneten sechs hessischen Versorgungsämter sowie das Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen.

Was Knut Müller in seiner Amtszeit etablierte, ist von den späteren Regierungspräsidenten Dr. Tilman Pünder (1987-1989), Dr. Alois Rhiel (1989-1991), Hartmut Bäumer (1991-1999), Wilfried Schmied (1999-2009) und Dr. Lars Witteck (2009-2015) fortgeführt worden.

Seit dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Herbst 2015 wird die Mittelbehörde von Dr. Christoph Ullrich geleitet. »Mit meinen Vorgängern verbindet mich die spannende Aufgabe, an der Spitze einer großen, teils sehr spezialisierten Verwaltung zu stehen, die etwa bei umfangreichen Genehmigungsverfahren verschiedenste Belange unter einem Dach bündelt und dadurch Problemlösungen aus einer Hand bietet.«

Interessen unter einen Hut bringen

Dabei gelte es, die gesetzlichen Voraussetzungen für einen nachhaltigen Umweltschutz, die Bedürfnisse der Wirtschaft mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Infrastruktur für Mittelhessen in Einklang zu bringen.

»Das ist unsere Stärke und zugleich unser Alleinstellungsmerkmal, den richtigen Weg und die gerechte Abwägung zwischen unterschiedlichen Interessen im Sinne des Gemeinwohls zu finden.« Das sei nicht immer einfach, aber genau das sei das ausgesprochene Ziel.

»Die Aufgaben sind dabei so vielfältig, dass es unmöglich ist, alle aufzuzählen«, sagt Ullrich. Für 101 Städte und Gemeinden mit mehr als einer Million Menschen ist das Regierungspräsidium Gießen zuständig. In sieben Fachabteilungen arbeiten Generalisten und Spezialisten aus rund 60 Berufen eng zusammen. »Als regionale Planungsbehörde wirken unsere Experten bei der Regional- und Bauplanung und bei großen Infrastrukturvorhaben mit.«

Außerdem weise das Regierungspräsidium Gießen auch Schutzgebiete für Natur und Landschaft sowie zur Trinkwassergewinnung aus, genehmige industrielle Anlagen sowie solche der Abwasser- und Abfallentsorgung, der Rohstoffgewinnung sowie für den Hochwasserschutz.

»Wir haben aber auch viele Aufsichtsfunktionen und unsere Fachabteilungen gewährleisten die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in unterschiedlichen Lebensbereichen.« Dazu zählen neben dem Brand-, Katastrophen- und Arbeitsschutz auch Fachbereiche wie beispielsweise der Strahlen-, Pflanzen- und Verbraucherschutz, der Natur-, Arten- und Umweltschutz sowie das Gewerbe-, Landwirtschafts- und Forstrecht. Hinzu kommen viele Bereiche hessenweit, beispielsweise im Sozialen, wie dem Schwerbehindertenrecht, Heimrecht, Elterngeld oder auch der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

Vom Verwaltungs- zum Gestaltungspartner

Das Regierungspräsidium Gießen hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten vom reinen Verwaltungs- auch zu einem Gestaltungspartner weiterentwickelt. »Wir sind mit unserer zentralen Lage eine bedeutende Region in der Mitte Hessens, in der Mitte Deutschlands«, erklärt der 60-Jährige mit mittelhessischer Biografie.

Je länger er im Amt ist, fragt sich Christoph Ullrich: »Warum sind wir nicht selbstbewusster?« Die Mischung aus ländlichem und städtischem Leben, Naturnähe, einem kulturellen und gesunden Vereinsleben, die Zentralität als auch die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet und nicht zuletzt die Überschaubarkeit: »All das macht Mittelhessen sehr attraktiv.«

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