20. April 2021, 13:00 Uhr

Weimar

Alter Hof als neues Zuhause für Senioren?

Altengerechtes Wohnen oder eine Tagespflege - wie in vielen anderen kleineren Orten sucht man auch in Niederwalgern ein solches Angebot vergebens.
20. April 2021, 13:00 Uhr
Landrätin Kirsten Fründt (Bildmitte) übergab einen Förderbescheid an Andre Hoß und Daniel Hoß (links), die den Hof der Familie in Niederwalgern zu einem Wohnprojekt für Ältere umgestalten möchten. Foto: Nadja Schwarzwäller/Landkreis

Das möchten Daniel und Andre Hoß gerne ändern. Die Brüder hatten die Idee, den Dreiseithof der Familie zu einer Einrichtung für ältere Menschen umzubauen. Ob und in welchem Umfang das möglich ist, soll nun eine Machbarkeitsstudie ermitteln. Ein Drittel der Kosten von 15.000 Euro trägt die Familie selbst, 10.000 Euro kommen aus dem Förderprogramm »Lokale Bausteine für ein gutes Leben im Alter« des Landkreises.

Lob der Landrätin für Engagierte vor Ort

»Dieses Förderprogramm lebt auch von den Ideen und Initiativen vor Ort. Der Landkreis ist daher sehr dankbar, dass es Engagierte gibt, die die Bedarfe vor Ort kennen, sich Gedanken machen und dann auch aktiv werden. Deshalb fördern wir auch dieses Projekt«, sagte Landrätin Kirsten Fründt. Sie verwies auf die beratende Rolle des Fachdienstes Altenhilfeplanung des Kreises, der mit Rat und Tat und auch als Lotse zur Verfügung stehe.

Gespräche zwischen dem Fachdienst und der Familie haben bereits stattgefunden und die beiden Brüder planen, ihr Projekt mit anderen Maßnahmen und Vorhaben in der Gemeinde abzustimmen und zu vernetzen. Weimars Bürgermeister Peter Eidam lobte das Engagement der Brüder und freute sich bei der Übergabe des Förderbescheids auf dem Hof der Familie Hoß auch über die Nachricht, dass sie planen, die Traditionsmetzgerei zu erhalten und in die Pläne zu integrieren.

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie stehen nun zunächst eine Bestandserfassung hinsichtlich der in Frage kommenden Gebäude und die Entwicklung einer ersten Raumplanung auf dem Programm. Auch eine Bedarfsanalyse und die Erarbeitung von entsprechenden nachhaltigen und tragfähigen Finanzierungskonzepten sind geplant.

»Wir sehen den Bedarf vor Ort«, sagte Andre Hoß mit Blick auf den zunehmenden Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung. Von den knapp 1.500 Einwohnern des Ortsteils Niederwalgern sind 278 über 65 Jahre alt, das entspricht einem Anteil von 18,8 Prozent. In dieser Altersgruppe gibt es bereits 27 Single-Haushalte. Häufig leben ältere Menschen wegen veränderter Familienstrukturen allein in zu großen und nicht bedarfsgerechten Ein- oder Mehrfamilienhäusern. Kleine und zentrale Mietwohnungen oder eben Angebote des betreuten Wohnens gibt es in Niederwalgern nicht, die nächstgelegenen Einrichtungen befinden sich in Marburg und Ebsdorfergrund.

Verschiedene Modelle

Zum Dreiseithof der Familie Hoß gehört unter anderem das ehemalige Wohnhaus der Großeltern sowie das Gebäude, in dem Vater Wolfgang seine Metzgerei betreibt. Die könnte künftig einen Mittagstisch für die Senioren liefern. Die Ideen von Daniel und Andre Hoß beinhalten sowohl behindertengerechte Wohnmöglichkeiten für Senioren wie auch eine Tagespflege. Sollte sich Letzteres nicht umsetzen lassen, möchten sie zumindest gern Räumlichkeiten realisieren, in denen sich die älteren Menschen im Ortsteil treffen können.

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