02. August 2019, 11:00 Uhr

Hungen

Wo sind die Schmetterlinge?

»Schmetterlinge weinen nicht«, ist ein bekanntes Literaturzitat. Wenn sie es dennoch könnten, hätten sie allen Grund dazu.
02. August 2019, 11:00 Uhr
Ernst Brockmann berichtet den Exkursionsteilnehmern viel Interessantes über Schmetterlinge. Foto: Stephan Kannwischer

Zumindest erklärte das der Biologe und Schmetterlingskundler Ernst Brockmann auf der Exkursion des NABU Horlofftal nach Steinheim. Denn viele Arten, die der Exkursionsleiter gerne aufgrund ihrer Schönheit und interessanten Lebensweise am Wingertsberg und in der Horloffaue gezeigt hätte, sind verschwunden.

Feuchte Wiesen fehlen

Der Klimawandel ist unübersehbar, auch wenn die Veranstaltung bei eher gemäßigten Wetterbedingungen stattfand. So war auch die Schmetterlingsfauna unübersehbar geprägt von den Veränderungen - die Arten der frischen und feuchten Wiesen fehlten völlig. Als einziger Vertreter der eigentlich artenreichen und häufigen Bläulinge konnte der »Kurzschwänzige Bläuling« aufgefunden werden.

Die Erklärung für das Verschwinden der wiesenbewohnenden Schmetterlinge hängt mit der Aufdüngung landwirtschaftlicher Flächen zusammen. Auf den früher eher nährstoffarmen Wiesen war der Aufwuchs spärlich, Düngergaben sorgten im Rahmen der landwirtschaftlichen Intensivierung für mehr Pflanzenmasse, also eine dichtere und höhere Vegetation. Dadurch erreichen die Sonnenstrahlen nicht mehr den Wiesenboden und der Tau trocknet schlechter ab, Kräuter wurden durch Gräser verdrängt und ersetzt und es gibt kaum noch Blumen auf den Wiesen.

Dazu kommt, dass die meisten Schmetterlingsarten als Raupe ernährungspysiologisch kein aufgedüngtes Futter vertragen.

Viehweiden fördern Vorkommen

So fördern besonders extensiv genutzte Viehweiden, die ohne obligates Nachmulchen bewirtschaftet werden, generell das Vorkommen zahlreicher Schmetterlingsarten. Denn gerade vom Vieh stehengelassene oder verschmähte Bereiche sind für die Schmetterlinge zur Eiablage und späteren Raupenentwicklung interessant. Abgemulchte Bereiche haben für Schmetterlinge und ihre Brut »Wüstencharakter«, denn sie brauchen ausreichende Aufwuchszeit für ihre Futterpflanzen und die eigene Raupenentwicklung.

Eine besondere Bedeutung kommt auch Saumlebensräumen wie Bachufern, Ackerrainen, Waldrändern und Wiesensäumen zu, die im Idealfall aufgrund ihrer Nichtnutzung und Nichtdüngung gute Bedingungen für die Entwicklungszyklen von Schmetterlingen und anderen Insekten bieten.

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