12. März 2019, 15:00 Uhr

Marburg

Start für Projekt »In Würde teilhaben«

Mehr persönliche Kontakte sollen bei Menschen ab 65 Jahren einer möglichen Vereinsamung entgegenwirken. Dafür wurde das Projekt »In Würde teilhaben Marburg« ins Leben gerufen.
12. März 2019, 15:00 Uhr
Die Stadt Marburg und der Verein »Arbeit und Bildung« kooperieren beim Projekt. Foto: Patricia Grähling/Stadt Marburg

Die Stadt Marburg kooperiert dabei mit dem Verein »Arbeit und Bildung« und bietet Gespräche, Unterstützung und Tipps für Angebote in der Nachbarschaft an.

Sie habe immer nur für andere gelebt, sagt eine 69-Jährige. Nun lebe sie allein in Marburg, ihr Mann ist verstorben, die Tochter weit weg. Sie selbst ist krank, aber nicht bettlägerig. Ihre Haltung ist gebeugt, der Blick verrät Einsamkeit, aber auch Neugier. »Mein größter Wunsch ist es, eine Freundin zu haben«, verrät sie.

»Mehr gute Jahre für alle«

Was tun, wenn Menschen im Alter sich einsam fühlen, weil sie die Wohnung nicht mehr verlassen können? Was tun, wenn sie alleine leben und der Wunsch nach mehr mitmenschlichen Kontakten da ist? »Mir ist es wichtig, dass sich in Marburg kein älterer Mensch einsam und isoliert fühlt«, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Der demografische Wandel solle nicht nur »mehr Jahre« bedeuten, sondern vor allem »mehr gute Jahre für alle«, betont er. Deshalb sollten diejenigen, »die uns verlorengehen und denen Einsamkeit droht«, gefunden und wieder in die Gemeinschaft zurückgeholt werden.

»Wir beobachten, dass immer mehr Menschen mit zunehmendem Alter vereinsamen«, sagt Rainer Dolle, Geschäftsführer von »Arbeit und Bildung«. »Man ist nicht mehr so mobil und scheut zunehmend das Treffen mit anderen.« Das Projekt soll Menschen wieder zueinander bringen und ihnen die Lust am Kennenlernen anderer neu vermitteln.

Bedarf an besuchender Beratung

Es gebe einen Bedarf an einer besuchenden Beratung, insbesondere bei Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, berichtet Peter Schmidt, Leiter des städtischen Fachbereichs Arbeit, Soziales und Wohnen: »Dafür haben wir nun ein maßgeschneidertes Konzept.«

Die Stadt Marburg mit der Altenplanung und der Verein »Arbeit und Bildung« starten gemeinsam das Projekt. Das Gleichberechtigungsreferat der Stadt ist mit dem Blick auf die Isolation älterer Frauen miteingebunden. Projektleiterin Angela Schönemann von »Arbeit und Bildung« baut auf den positiven Erfahrungen und der Bekanntheit des von ihr realisierten Pilotprojekts »In Würde teilhaben« im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf.

Drei Mitarbeitende stehen in Marburg für kostenfreie und vertrauliche Kontakte am Telefon oder durch Hausbesuche zur Verfügung: Projektleiterin Angela Schönemann, Fachkraft Martina Schwinghammer und Altenpfleger Thomas Hohl. Hinzu kommen noch freiberufliche Mitarbeiter. »Wir hören den Menschen zunächst einmal zu und zeigen unsere Wertschätzung für ihre Lebensleistungen. Wir finden heraus, was unser Gegenüber braucht und begleiten erste Schritte. Das kann ein Gang zum Arzt sein oder ein Einkauf«, so Schwinghammer. Die Mitarbeitenden bringen Informationen über Angebote in der Nachbarschaft, vermitteln professionelle Hilfe und neue Kontakte für mehr Begegnungen. Dieses persönliche Angebot ist kostenfrei, damit es auch von Personen mit geringem Einkommen in Anspruch genommen werden kann.

»Das Problem der Vereinsamung wird in den kommenden Jahren noch zunehmen«, glaubt Charles Guillaume, Abteilungsleiter beim Sozialverein. Das Projekt »In Würde teilhaben Marburg« wolle Solidarität mit den Älteren in der Gesellschaft erreichen und Marburg dafür sensibilisieren.

Alle älteren Menschen erreichen

Für Dr. Petra Engel, Fachdienstleitung Altenplanung der Stadt Marburg, ist es wichtig, »alle älteren Menschen zu erreichen und niemanden zurückzulassen«. Bisher habe es kein systematisches Angebot für eine aufsuchende Beratung gegeben. Warum ein Mensch von sich aus keine offenen Angebote aufsuche, könnte neben der Mobilitätseinschränkung auch ein Migrationshintergrund, Armut oder schlicht fehlendes Wissen über die Angebote sein.

Wer das Projekt in Anspruch nehmen oder andere darauf hinweisen möchte, kann Angela Schönemann kontaktieren unter Telefon 06421/6851-326 oder 01520/9037653 sowie unter E-Mail iwt@arbeit-und-bildung.de.

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