01. April 2020, 11:00 Uhr

Cölbe

Plötzlich ein TV-Team im eigenen Haus

Donnerstagmittag in Zeiten von Corona: Das Homeoffice läuft bei Mama (Lehrerin) und Papa (Journalist), die Kinder spielen zu Hause einigermaßen friedlich.
01. April 2020, 11:00 Uhr
Unabhängig davon, dass der Abstand zwischen Fremden nicht eingehalten wurde, war die Situation schon etwas mulmig. Hier informiert sich TV-Autor Franco Foraci (r.) mit seinem Team gerade über die Schulsituation aus Sicht der Lehrerin. Foto: Reichel

Der Hund schläft im Körbchen - wenn er nicht gerade mal wieder Küche und Tisch kontrolliert. Dann klingelt das Telefon und die Idylle wird unterbrochen …

Wieso ruft die Grundschule meiner Tochter an? Gibt es neue Aufgaben für die Schulzeit zu Hause? Nein, die Klassenlehrerin fragt, ob wir als Familie für ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks (HR) ein paar Fragen zur Schulbetreuung und dem Arbeiten zu Hause beantworten würden?

Dem Sender sei daran gelegen nachzuschauen, wie denn die Situation »auf dem Land« angenommen und umgesetzt würde, teilt mir dann auch kurz darauf Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried mit. Cölbe sei schlicht per Zufall ausgewählt worden.

Ich bespreche mich kurz mit meiner Frau und wir sagen dann zu. Wir wissen zwar nicht genau, was auf uns zukommt, aber der Redakteur meinte wohl »das dauert auch nicht lange«.

Aufnahmen und Szenen besprechen

Bereits einen Tag später war es dann so weit. Kurz vor halb 12 erscheint ein TV-Team: Kameramann, Tontechniker und Autor Franco Foraci begrüßen uns - ohne Händedruck - und wir besprechen uns im Garten. Schnell steht fest: Das gewünschte Ergebnis, dass es auf dem Land kein Wlan oder nur langsames Internet gibt, kann ich nicht bestätigen. Wie gesagt, Homeoffice und Schulaufgaben klappen.

Der Kameramann fokussiert sich auf Szenen im Garten, wenn die Kinder spielen. Szenen werden mit Kamera und danach auch mit Ton erneut nachgestellt - muss ja alles passen. Franco Foraci stellt fest, dass meine Frau zufällig auch Lehrerin ist und hat somit einen weiteren Aufhänger für seinen Bericht.

Auch hierbei klappt es mit der Übermittlung der Aufgaben und der Rückmeldungen der Schüler gut. Schwierig ist es natürlich, neue Inhalte zu übermitteln. Da ist Kreativität beim Homeschooling-Konzept gefragt.

Der Beitrag für »Hessen extra« ist nach zwei Stunden Dreh im Kasten. Ich bemühe mich dann, schnell etwas zum Mittagessen für uns vier fertig zu machen. Was bei dem TV-Beitrag wohl herausgekommen ist, fragen wir uns und warten gespannt auf Montagabend - die Ausstrahlung.

Ok - das Wetter hätte besser sein können, ansonsten ist der Beitrag über unseren Familien- und Homeoffice-Alltag realistisch: Ich als Papa bin nicht mit den Aufgaben, meine Kinder den ganzen Tag um mich herum zu haben, überfordert und überlasse auch nicht alles »klassisch« (oder chauvinistisch) meiner Frau. Klar, man muss in Zeiten von Corona, inklusive Homeoffice und Kinderbetreuung, sich seine Zeiten suchen, aber das sollte für Eltern keine Ausrede sein, man könne nichts mit seinen Kindern anfangen oder käme nicht zum Arbeiten. Mal abgesehen davon sitzt meine Frau als Lehrerin auch abends nach dem Zu-Bett-Bringen der Kinder am Schreibtisch und bereitet Unterricht vor. Das sollte auch für andere Eltern machbar sein.

Unsere Tochter Sophia ist 6 Jahre alt und in der ersten Klasse. Wie mein augenzwinkerndes Statement im TV-Beitrag auch gezeigt hat, »schaffe ich diese Aufgaben gerade noch so«. Auch mit meinem dreijährigen Sohn habe ich keinerlei Probleme, wenn er - oder gemeinsam mit seiner Schwester - um mich und meine Frau herumwuselt. Im Gegenteil, man genießt die Zeiten sogar und ist nicht ganz so traurig, wenn die Arbeit dann eben abends nachgeholt werden muss.

Der TV-Bericht zeigt, dass meine Tochter ihre Aufgaben sehr gerne macht, aber nicht unbedingt immer Lust dazu hat. Leider zeigt er nicht die Aufnahme, dass ihr ihre Freunde und Klassenkameraden fehlen. Denn das hat sie auch in die Kamera gesagt.

Ein paar Gedanken zum Schluss

Wir können alle momentan dazu beitragen, dass die Krise schneller vorbei geht, indem wir uns an die Vorgaben halten und denen, die aktuell stark gefordert sind, nicht noch zusätzliche Arbeit machen.

Vielleicht bringt die Situation einige Eltern dazu, über den Stand der Lehrerin/des Lehrers nachzudenken und dass einige Ratschläge vielleicht doch nicht so falsch waren …

Apropos Berufe: Ich wünsche allen persönlich auf diesem Wege, dass sie gesund und ohne Existenzängste aus dieser Krise herauskommen. An die Abiturienten und weiteren Schüler noch ein Gedanke: YouTube-Star oder Instagramer sind keine lebenswichten Berufszweige, die einen Unterschied in der Gesellschaft ausmachen, wie man aktuell äußerst deutlich erkennen kann. Denkt mal darüber nach …

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