24. Dezember 2019, 13:00 Uhr

Marburg

Operation an abgeschaltetem Herzen

Der Spiegelslustturm trägt das Herz am richtigen Fleck. Das hat eine Wartung der Leuchtinstallation ergeben. Die Statik ist in Ordnung.
24. Dezember 2019, 13:00 Uhr
Nach einer weiteren Operation 2020 soll das Herz am Kaiser-Wilhelm-Turm wieder leuchten. Foto: Georg Kronenberg

Trotzdem leuchtet das Kunstwerk mit der neuen Steuereinheit (noch) nicht - es sind weitere Eingriffe nötig. Die gute Nachricht: Das zwölf Jahre alte Lichtkunstwerk ist nicht nur auf Herz, sondern quasi auch auf seine Nieren geprüft worden. Auf der großen Drehleiter der Marburger Feuerwehr hat der Statiker die Konstruktion am Spiegelslustturm untersucht - mit dem Ergebnis: Alle Befestigungen und Schweißnähte sind in Ordnung, das Herz ist somit tragfähig und »standsicher«. Eine Transplantation, also ein neues Herz, ist daher nicht nötig.

Die Krankengeschichte

Dieses Jahr lief es für das Leuchtherz eher nach dem Spruch: »Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu.« Nach dem Ausfall der Steuerung durch einen Blitzeinschlag im Sommer musste eine neue Steuereinheit her. Da das Herz aber ein Einzelstück ist, wurde diese neue Steuerung extra angefertigt - offiziell natürlich - inklusive Ausschreibung, Auftragsvergabe und Herstellung. Dies hat Zeit und Geld gekostet, nämlich etwa 6.000 Euro.

Mit diesem neuen »Herzschrittmacher« ist der Puls zwar stabil, aber sehr schwach: Das Herz leuchtet zwar wieder, aber nur zaghaft und nicht - wie erwartet - aus allen Röhren.

Untersuchung, Diagnose, Therapieansatz

Die Wartung diese Woche diente auch dazu, der schwachen Herzleistung auf den Grund zu gehen. Dabei kam heraus: es wurden größere Mängel an den Beleuchtungselementen gefunden. An den Herzbögen sind einige Röhren defekt, die mit Kabeln überbrückt wurden. Teile der Bögen können also nicht leuchten. Auch die Befüllung der Neonleuchten ist nicht mehr in bestem Zustand, dadurch leuchten sie schwächer. Zusätzlich sind einige Transformatoren defekt.

Die Therapie-Empfehlung: Alle Neonröhren müssen ausgebaut, gereinigt, neu befüllt und wieder ins Herz montiert sowie defekte Röhren und auch alle Transformatoren komplett ersetzt werden.

»Fachchirurg« nötig

Für diese Arbeiten am Lichtkunstherz wird ein Hubsteiger benötigt, denn: Anders als die Wartung sind diese nicht aus dem Korb der Drehleiter heraus möglich. Auch die Reihenfolge ist entscheidend: Erst werden die Leuchten repariert, danach sind die Trafos an der Reihe. Die grob geschätzten Kosten hierfür belaufen sich auf rund 5.000 Euro. Die Operation dauert zwei bis vier Wochen. Da alle Leuchten Sonderanfertigungen sind, dauert auch die Beschaffung eben. Die Operation findet voraussichtlich erst im ersten Quartal 2020 statt. Bis dahin ist Bettruhe für den Patienten angesagt: das Herz kann nicht leuchten.

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