14. August 2019, 15:00 Uhr

Marburg

Lebensraum für seltene Arten

Um neue Strukturen und vielfältigen Lebensraum für gefährdete Tierarten zu schaffen, wird auf einer Länge von 1,5 Kilometer tonnenweise Boden bewegt.
14. August 2019, 15:00 Uhr
Luftaufnahme eines Teilstücks der Baumaßnahmen zur Renaturierung der Lahn. Foto: Regierungspräsidium

Die Baumaßnahme zwischen Gisselberg, Ronhausen und Cappel ist Teil des EU-Life-Projektes »Living Lahn - ein Fluss, viele Ansprüche« und hat unter anderem die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur ökologischen Verbesserung der Lahn und ihrer Aue zum Ziel.

Neue Strukturen in Gewässer und Aue

»Verzweigungen und Aufweitungen des Flussschlauches, die Anlage von Kiesdepots und der Einbau von Totholz sorgen künftig für neue Strömungsverhältnisse und Strukturen im Gewässer selbst und der angrenzenden Aue,« erklärt Elke Ebelt, Projektkoordinatorin des Life-Projektes im Regierungspräsidium Gießen. Davon profitieren Fische, die im Lauf ihres Lebens ganz unterschiedliche Gewässerstrukturen benötigen: Neben einer guten Wasserqualität muss ihnen der Fluss auch Nahrung, Laichplätze und Schutz vor Fressfeinden bieten.

In den Uferbereichen sollen sich vor allem Tierarten ansiedeln, deren Lebensraum durch die Änderung der klimatischen Verhältnisse bedroht ist. Dazu gehören selten gewordene Amphibien wie die Kreuzkröte und Watvogelarten wie Bekassine, Kiebitz oder Flussregenpfeifer. Außerdem finden so verschiedene Fledermausarten wie die Kleine Bartfledermaus oder der Große Abendsegler bessere Lebensbedingungen.

Zum Erhalt dieser »Klimaverlierer« sollen gezielte Maßnahmen, wie die Gestaltung der Ufer- und Auenbereiche oder die Anlage von Flachwasserzonen und Kleingewässern, beitragen.

Vernetzung von Schutzgebieten

Die Chancen dafür stehen gut, denn der betreffende Abschnitt der Lahn vernetzt die nahe liegenden Schutzgebiete Auenverbund Lahn-Ohm, das Vogelschutzgebiet Lahntal zwischen Marburg und Gießen und das Naturschutzgebiet Unterm Wolfsberg. Dort sind die seltenen Arten zu finden. Die renaturierte »Gisselberger Spannweite« hat daher als »Trittstein« zur Vernetzung der wertvollen Lebensräume eine herausragende Bedeutung.

Die Mittel aus dem Life-Projekt »Living Lahn« werden daher mit Geldern aus der hessischen Fischerei-Abgabe und aus dem integrierten Klimaschutzplan 2025 auf 1,8 Mio. Euro aufgestockt. »Hierdurch erreichen wir den größtmöglichen Effekt für Flora und Fauna«, erläutert Ebelt. Die Stadt Marburg stellt die Flächen für die Bauarbeiten zur Verfügung und begleitet gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Gießen die Bauarbeiten. »Wir freuen uns, durch die Umsetzung dieses Vorzeigeprojektes unserer mittelhessischen Heimat ein Stück Natur und Vielfalt zurückzugeben«, resümiert Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich.

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