10. April 2020, 13:00 Uhr

Dautphetal

»Für die Kinder könnte das so bleiben …«

Ein verwaister Kindergarten ist irgendwie ein unwirklicher Ort. Keine Kinder wuseln beschäftigt umher, alles wirkt sehr aufgeräumt, die Sonne scheint in leere Gruppenräume.
10. April 2020, 13:00 Uhr
»Die Kinder genießen das«: Leonie Pitzer nimmt sich Zeit für Frieda, während Noah und Christian zusammen spielen. Die drei Kinder bilden mit ihrer Erzieherin eine von zwei Kleingruppen, um auch hier ein mögliches Ansteckungsrisiko zu minimieren. Foto: Dekant/eöa

Es ist gespenstisch still, wo sonst Kinderlachen, Geschrei und fröhliches Toben den Besucher begrüßen. Wie alle anderen Einrichtungen ist auch die evangelische Kindertagesstätte »Arche Noah« in Herzhausen derzeit geschlossen.

Ganz verwaist ist die »Arche Noah« allerdings nicht: Hier wird von 7.15 bis 15.45 Uhr eine Notbetreuung für Kinder angeboten, deren Eltern eine sogenannte Funktionsträgerbescheinigung vorgelegt haben - also für jene Berufe, die zum Aufrechterhalten des öffentlichen Lebens während der Corona-Krise gebraucht werden.

Verantwortungsvoller Umgang

15 Kinder von normalerweise rund 130 betrifft das, berichtet Claudia Weber, Leiterin der »Arche Noah«. Tatsächlich sind aber nur sieben bis neun Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren da, weil sich oft im familiären Umfeld eine andere Lösung findet. »Die Eltern sind sehr verantwortungsvoll und nutzen die Notbetreuung nur, wenn sie sie wirklich brauchen«, lobt Weber.

Die Kinder, die kommen, werden nochmal in zwei Gruppen aufgeteilt, die getrennt frühstücken und nach draußen gehen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Und auch die verbliebenen fünf Erzieherinnen sind in zwei Teams aufgeteilt - eines ist mit den Kindern draußen, das andere ist im Haus beschäftigt, wo auch gründliches Aufräumen angesagt ist.

Für den »Fall der Fälle« sauber hinterlassen

So liegt im Materialraum jede Menge Bastel- und Spielmaterial verteilt. Waldgruppen-Erzieherin Jill Sauer sortiert fleißig. »Das wäre im laufenden Betrieb gar nicht möglich«, erklärt Claudia Weber.

Die Arbeit muss allerdings bis Feierabend abgeschlossen sein, denn die Parole lautet: »Alles so hinterlassen, als ob ich morgen nicht wiederkomme«, schildert die Leiterin die Absprache im Team. Etwas, das in Zeiten eines hochansteckenden Erregers durchaus vorstellbar ist.

Farbige Markierungen im Dienstplan helfen Leiterin Claudia Weber bei 40 Mitarbeitern an drei Standorten, die Übersicht zu behalten. »Gestern waren zehn krank, neun bauen Mehrarbeitsstunden ab und haben frei oder Urlaub, sieben sind freigestellt fürs Home-Office, da sie einer Risikogruppe angehören«, erklärt sie.

Aufgaben für jeden

Da sie auch einen personellen »Puffer« braucht, falls jemand ausfällt, sind weitere sechs MitarbeiterInnen entweder im Home-Office oder arbeiten in der derzeit ungenutzten Einrichtung in Holzhausen an Konzepten, Dokumentationen für die Qualitätsentwicklung oder Prozessbeschreibungen für Morgenkreis, Frühstück oder das Zähneputzen.

»Die Mitarbeiter im Home-Office können momentan Sachen in Ruhe erledigen«, erzählt die Kita-Leiterin und spricht ein dickes Lob ans »tolle Team« aus: »Alle sind total geduldig und bereit, auch am anderen Ort auszuhelfen«, berichtet Weber.

Situation schon »normal«

Nach der ersten Zeit ist mittlerweile eine gewisse Gewöhnung eingetreten. »Die Schatzsuche ist ausgefallen, weil wir einen Bagger am Schwimmbad entdeckt haben«, berichtet Noah, der vom Streifzug durch die Natur zurückgekommen ist. Nach einer kurzen Pause holt er mit seinem Kumpel Christian den Wagen mit Geschirr fürs Mittagessen aus der Küche.

Für die Kinder sind die aktuellen Umstände nahezu ideal: »Sie sind viel entspannter, sie genießen das«, hat Claudia Weber beobachtet. Die einjährige Frieda, die in Seelenruhe bei Leonie Pitzer auf dem Schoß sitzend ein Bilderbuch betrachtet, scheint diese Einschätzung aus tiefstem Herzen bestätigen zu wollen.

Jetzt sei auch Zeit, mal mit den Kindern in Ruhe das Mittagessen vorzubereiten und Obst zu schneiden - sonst im Alltag bei zwei Fachkräften auf 20 Kinder ist das kaum machbar. »Manchmal könnte man glauben, das sind ganz andere Kinder als sonst«, überlegt Claudia Weber: »Ich glaube, wenn es nach den Kindern ginge, könnte das weiterhin so bleiben …«

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