31. August 2018, 15:00 Uhr

Breitscheid

Ehrenvolle Berufung für Walter Eichhorn

Darauf hatte es der Mann in seinem auch schon 82 Jahre währenden Leben nie bewusst angelegt. Pilotenlegende Walter Eichhorn ist nun in der »Hall of Fame« der Luftfahrt.
31. August 2018, 15:00 Uhr
Mit Tom Cruise verbindet Walter Eichhorn nicht nur die Liebe zur Fliegerei. Beide sind Mitglied im exklusiven Club der »Living Legends of Aviation«. Kennengelernt hatten sie sich bei den Dreharbeiten zum Blockbuster »Valkyrie« (2008). Fotos: privat

Die Zielkoordinaten jener erlauchten Destination, auf der er aber jetzt gelandet ist, hatte Walter Eichhorn nie auf dem Radar. Und doch freut er sich natürlich, dass er für diese Piste Landeerlaubnis erhalten hat.

Der auch im Lahn-Dill-Kreis bekannte Flieger, ist dort angekommen, wo er eigentlich auch hingehört. In der »Hall of Fame« der globalen Fliegerei. Der »Stifftekopp« aus dem Hessischen zählt zu den schillerndsten Figuren der Luftfahrt. Und das hat er inzwischen auch schriftlich. Eichhorn ist jüngstes Mitglied der »Living Legends of Aviation«, einem exquisiten Zirkel, dem – ihn mitgerechnet – rund um den Globus verteilt gerade mal 103 Stars der Weltluftfahrt angehören.

Man kann da nicht einfach eintreten. Man wird berufen. Der unverwüstliche Himmelsstürmer ist dort nun in »aerotischer« Gesellschaft: Stratosphären-Jumper Felix Baumgartner oder Dick Rutan, der 1986 mit der »Voyager« ohne Aufzutanken in neun Tagen die Welt umrundet hatte. Und da wäre Buzz Aldrin, der zweite Mensch, der den Mond betreten hat. Dessen deutscher kosmischer Kollege Ulf Merbold sowie Sir Richard Branson – der Walter nun mittendrin.

Zwischen Indiana Jones und Ethan Hunt

Wer die Liste durchgeht, stolpert über bekannte Namen: »Indiana Jones« Harrison Ford, John Travolta, Morgan Freeman, Kurt Russel, Tom Cruise oder auch Dr. Tom Enders. Das sind nicht nur Kino-Legenden oder Wirtschaftsführer, sondern auch herausragende Piloten und Persönlichkeiten, die der Luftfahrt entscheidende Impulse vermittelt haben. Mit Tom Cruise hatte Eichhorn 2008 den Blockbuster »Valkyrie« gedreht. Er selbst mimte in Echtzeit einen Me 109-Piloten, Cruise den Hitler-Attentäter Stauffenberg. Seitdem sind die beiden Freunde.

Airbus-Vorstandsvorsitzender Enders war mal Eichhorns Chef bei der Messerschmitt-Stiftung. Dr. Enders war es denn auch dann gewesen, der den Namen Eichhorn ins Spiel gebracht hatte. Die Entscheidung des Präsidiums der »Legends« fiel einstimmig. Und Veteran Eichhorn bekam dann wenige Tage nach seinem 82. Geburtstag im exklusiven am Wolfgangsee gelegenen Symphony-Scalaria-Ressort aus der Hand von »Mr. Airbus« auch die Mitgliedsplakette überreicht.

LH-Kapitän, Test-, Film- oder Showpilot

Das fliegerische Lebenswerk Eichhorns aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Etwas davon hier nur in Kürze: Der drahtige Überflieger war Flugkapitän, Fallschirmspringer, Test-, Film- Show- und Stuntpilot. Er hat etwa in dem britischen Kriegsfilm »Memphis Belle« (1990) mitgewirkt, ebenso in der Fernsehserie »Piece of Cake«.

Man sagt dem Mann nach, dass kein Luftfahrtgerät, das sich bei drei nicht in einem Hangar versteckt hat, vor ihm sicher wäre. Tatsächlich hat Walter Eichhorn mehr als 60 verschiedene Flugzeugtypen und -Baumuster »geritten«, ob kolbengetrieben oder mit Jet-Antrieb. Und das während seiner 30-jährigen Dienstzeit bei der Lufthansa, davor und danach.

Die »Tante Ju«, das Traditionsflugzeug der Kranich-Airline, pilotierte er als verantwortlicher Kapitän 15 Jahre lang. Zu seinen absoluten Favoriten zählen jedoch die gute alte North American T-6, mit der er bis heute unterwegs ist.

Seine geliebte »D-FHGK« hat auch schon 76 Lenze auf den Holmen und ist somit nur wenige Jahre jünger als ihr Pilot. Mit ihr zaubert er auf Airshows seine rasanten und mitunter haarsträubenden Kabinettstückchen an den Himmel.

Michael Linke, ein Vereinskamerad aus Eichhorns Heimatverein, der Flugsportgruppe Elz, hat dieses himmlische Leben detailliert und spannend nach- und aufgezeichnet. Mit »36.000 Stunden am Himmel – Erlebnisse zwischen Null und 36.000 Fuß Flughöhe« ist eine packende Biografie erschienen (3. Auflage).

Langsam denkt der Veteran ans Aufhören

Wenn der Mann, den obligatorischen weißen Schal um den Hals, dem Publikum aus dem Cockpit seines brüllenden 600-PS-Boliden zuwinkt, ist die Welt in Ordnung. Doch damit könnte es in absehbarer Zeit vorbei sein. Walter Eichhorn hat angekündigt, künftig kürzer zu treten, wenn nicht ganz mit dem Kunstfliegen aufhören zu wollen.

Gut, die Rolling Stones befinden sich seit 30 Jahren auf Abschiedstournee. Doch bei Walter Eichhorn muss man davon ausgehen, dass er auch tut, was er sagt. Das war schon immer so bei ihm.

Doch der berühmte Name wird nicht vom Himmel verschwinden. Der Junior, Toni Eichhorn, ist aus dem gleichen Holz geschnitzt. Er wird das Erbe seines alten Herrn bewahren und fortentwickeln. (jh)

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