Wettenberg (whk). Tiefgründig und zum »Nach-Denken« waren die Songs von Constantin Pukownik (Fogel F) und die Gedichte, die Sabina Lohmann im KuKuK in Wißmar präsentierten. Beide hatten gemeinsam ein niveauvolles und gleichermaßen unterhaltsames Programm von Gedichten und eigenen Liedern erarbeitet. Für den Kunst- und Kulturkreis Wettenberg begrüßte dessen Vorsitzende Barbara Yeo-Emde die Besucher sowie Constantin Pukownik und Sabina Lohmann. So enthielt das Gedicht von Erich Kästner, das Sabin Lohmann vortrug, auch politische Gedanken. Es trug den Titel »Urlaubsgedanken« und stammt aus den 1930er bis 1940er Jahren. Ein besonderes Ambiente bildeten für den Auftritt der beiden mit ihrer »Konzert-Lesung« die Exponate und die Skulpturen der derzeit noch laufenden Ausstellung »Gemeinsam« im KuKuK.
Faszinierend war, dass Sabina Lohmann viele Passagen der von ihr dem Publikum näher gebrachten Gedichte auswendig rezitierte. Dass dabei Temperament und das pointierte Präsentieren der Zeilen nicht fehlte, war für das Publikum mehr als wohltuend. Mit seiner handgemachten Musik begeisterte Constantin Pukownik am Keyboard und mit lauten und auch leisen Tönen filigran auf der Gitarre. Die Nähe zu den Gästen suchte er, indem er sich in den Zuhörerreihen bewegte. So erklang sozialkritisch der Song »Gestern«. Auch dafür gab es viel Applaus. Mit einem Gedicht zur »kriegerischen Vergangenheit« Europas, in dem es hieß »Bluterfüllt, die Kelche der Tulpen«, wurde ein Bezug zur aktuellen Situation der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und im Nahen Osten hergestellt.
Das Gedicht von Hilde Domin, die aus einer jüdischen Familie stammt, mit dem Titel »Auf Wolkenbürgschaft«, regte inhaltsstark ebenfalls zum Nachdenken an. Dieses Gedicht ist ein tief berührender Text über Sehnsucht, Heimatlosigkeit und Hoffnung.
Hier sind einige Zeilen daraus, die besonders eindrucksvoll sind: »Ich habe Heimweh nach einem Land, in dem ich niemals war, wo alle Bäume und Blumen mich kennen, in das ich niemals geh, doch wo sich die Wolken meiner genau erinnern
" Dieses Gedicht ist ein poetischer Ausdruck des Exils und der inneren Suche nach Zugehörigkeit.
Domin, selbst lange im Exil lebend, beschreibt eine imaginierte Heimat - einen Ort, der nicht real ist, aber dennoch emotional existiert. Die »Wolkenbürgschaft« steht sinnbildlich für eine Hoffnung auf Aufnahme, auf ein Ankommen ohne Bedingungen, ohne Pass, nur getragen von Erinnerung und Sehnsucht. Pukownik brachte dann den Song »Wir« am Keyboard zu Gehör. Lohmann zitierte das Erich-Kästner-Gedicht »Marschliedchen« auf der Bühne, ebenfalls ein Inhalt zum »Nach-Denken«. Pukownik setzte sich in einem weiteren Song »Hymne auf die Macht« unter anderem mit den Ursachen von Krieg und den Migrationsproblemen auseinander.
Insgesamt ein Abend mit zahlreichen sozialkritischen Elementen, inhaltsstark und poetisch hochklassig.
Barbara Yeo-Emde dankte dem »Duo« am Ende für sein Kommen.