. In der Sommerpause, die eigentlich längst keine mehr ist, sind die Bundestagsabgeordneten wieder in ihren Wahlkreisen unterwegs. Jüngst schaute sich der Gießener Neuzugang in Berlin, Frederik Bouffier, für die Christdemokraten in Pohlheim um.
Der CDU-Stadtverbandschef Jörg Buß hatte interessante Plätze ausgesucht. Zuletzt fand auf der Tennisanlage des TV 07 Watzenborn-Steinberg mit ihren sieben Courts der Abschluss statt, bei dem es spannende Aussichten gab. Das Ehepaar Burkhard und Barbara Rustige sprach über Zukunftsprojekte wie Padel-Tennis- und Pickleball-Plätze, zwei Abarten des Tennisspiels als neue Trendsportarten, aber auch eine Traglufthalle für Wintermatches.
Am frühen Mittwochabend herrscht stetes Gewusel auf den Plätzen und auch Sportheimwirt Luigi Laurito, ehemals selbst CDU-Mitglied, hat gut zu tun.
Die Traglufthalle schwebt den TV 07-Verantwortlichen schon seit 2018 vor. Doch die Umsetzung sei ein schwieriges Unterfangen, erklärt Rustige den Christdemokraten, unter denen die Stadtverordneten noch gar nichts vom Vorhaben gehört hatten. Der TV 07 wolle sich erweitern, neue Trendsportarten anbieten, aber auch das Tennisspielen in den Wintermonaten erlauben. Fit für die Zukunft, darum geht es der Abteilung, der er vorsteht. Seine Frau Barbara ist dort Jugendtrainerin. 350 Mitglieder zählt die Sparte im großen Breiten- und Leistungssportverein TV 07.
Heutzutage koste eine Tennisstunde in einer Halle ab 16 Uhr 45 Euro pro Stunde, nennt Rustige Preise eines gewerbliche Anbieters in Linden. Der habe neuerdings auch vier Padel-Courts im Programm. Damit seien die bisher sieben Indoor-Tennisplätze auf drei reduziert worden. Mit einer Traglufthalle im Freien könne ein Verein doch eine Alternative für seine Mitglieder im Winter schaffen, sei vor sieben Jahren erstmals intern diskutiert worden. Mittlerweile befindet sich die Abteilung mit der Stadt und Kreisbauaufsicht bereits in Gesprächen, wie eine solche umgesetzt werden könnte.
300 000 Euro an Kosten erwartet
Samt Erschließungskosten wären sicher rund 300 000 Euro fällig, zu denen das Land über die Sportförderung 30 Prozent zuschießen würde. Für die Wärmezufuhr müsste es einen Gastank im Boden geben, sagt Rustige. In Sachen Brandschutz gehe aus Erörterungen der Projektbeteiligten hervor, dass eine Brandschutzmauer aktuell südlich an der Anlagengrenze gefordert werde. Letztlich würden zwei Tennisplätze überdacht, die sich direkt südlich des Tennisheims befinden. Im Sommer werde die Halle abgebaut und erst im September wieder errichtet. Ein Anbieter solcher Bauten ist Airtec.
Doch damit nicht genug, zwei Padel-Courts sollen zudem entstehen. Da die gesamte Tennisanlage in ihrer Dimension bereits gut ausgenutzt ist, denkt die Abteilung daran, zudem Pickleball-Areale im Bereich der Außenanlagen des Hallenbades Pohlheim umzusetzen. Sie befinden sich direkt angrenzend. Doch dazu müsste der Zweckverband Hallenbad Pohlheim-Fernwald ein Streifen Land zur Verfügung stellen. Die Liegewiese des Bades wäre in der Fläche betroffen. »Wir würden die Einnahmen teilen«, betont Rustige in Richtung Pia-Susanne Becker, die als stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Hallenbad Pohlheim gekommen war. Sie verwies gleich auf den Zweckverband als Ansprechpartner.
Flutlicht kommt
Aktuell wird der Verein für die bald anstehende dunklere Jahreszeit erstmals eine Fluchtlichtanlage installieren lassen. Außerdem steht die Verlängerung des bisher auf 25 Jahre laufenden Pachtvertrages für die Tennisanlage mit der Stadt im Herbst an. Rustige betont, dass der TV 07 bisher schon 350 000 Euro aus eigenen Mitteln in die Anlage investiert habe: »Wir tun was«. Über 20 Teams der Tennisabteilung spielen in der Hessenliga bis hin zur Kreispokalrunde.
Und auf die Frage, dass der Tennissport zumindest früher eine elitäre Angelegenheit gewesen sei und auch eine Kleinigkeit gekostet habe, erklärt Rustige: »Ich habe jetzt gerade die aktuellen Mitgliedsbeiträge im Kopf. Es ändert sich was zum 1. Januar. Schauen Sie einfach auf unsere Homepage turnverein07.de. Ich sage jedoch: Die Menschen sind hier bodenständig. Der Tennissport kostet mehr als im Fußballverein, aber weniger als die Muckibude.«
Und der TV 07-Ehrenvorsitzende Klaus Daschke, der den Vorsitzenden Dr. Jan-Eric Rempel vertrat, ging in Einführungsworten zuvor auf aktuelle Streitereien ein, die das Sportgelände Neumühle betreffen, auf dem die TV 07-Leichtathleten trainieren, aber auch das Sportabzeichen-Training stattfindet. Blaschke sprach von 1700 Mitgliedern im TV 07, der leider gerade in einem Streit zwischen Fußballern des FC Gießen und Tuba Pohlheim um das »Neumühle« in die Mühlsteine geraten sei. »Die werden sich nicht einig«, betonte Daschke gegenüber dem Bundestagsabgeordneten Frederik Bouffier.
Padel-Tennis ist Squash ähnlich. Es wird im Prinzip in einer Box mit Netz gespielt. Der Ball kann an allen vier Wänden abprallen. Es wird im Doppel gespielt. Spezielles technisches Training ist dafür nicht notwendig. Die Geburtsstunde des Trendsports ist Südeuropa. Der Hype Pickleball ist mit dem ehemaligen Tennisprofi Steffi Graf auch nach Deutschland gekommen. Es ist eine Kombination aus Tennis, Badminton und Tischtennis und in den USA schon länger beliebt. Ein hohler Ball wird über das Netz geschlagen. (ww)