09. Februar 2020, 15:00 Uhr

Marburg

Vom Umgang mit der Diagnose Krebs

Was kann ich tun, wenn ich die Diagnose Krebs erhalte? Wo gibt es Hilfe und Anlaufstellen, wenn ein geliebter Mensch erkrankt ist?
09. Februar 2020, 15:00 Uhr
Runde der Experten und Expertinnen bei »Aktiv gegen Krebs« (v.l.): Horst und Angela Wahl als Betroffene und Angehörige, der Allgemein- und Palliativmediziner Dr. Hans-Albrecht Oehler, Petra Gebhardt-Charis vom Arbeitskreis Onkologie, Birgit Thomé, Koordinatorin der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung Marburg, und Professor Dr. Thomas Wündisch, Direktor des Anneliese-Pohl-Krebszentrums, standen als Experten für Fragen zur Verfügung.

Anlässlich des Weltkrebstags luden die Stadt Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf zum Aktionstag »Aktiv gegen Krebs« ein. Im Cineplex-Kino informierten sich zahlreiche Besucher an Ständen von Institutionen und Selbsthilfegruppen zum Thema, sahen den Film »Das Beste kommt zum Schluss« und suchten das Gespräch mit Experten.

»Jeder Krebs ist ein riesiger Einschnitt«

»Jeder Krebs ist ein fundamentaler Einschnitt in die Lebensgeschichte«, betonte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Als er Kind war, sei die Diagnose gleichbedeutend gewesen mit »Du bist tot - vielleicht nicht sofort, aber bald«, erinnerte sich Spies. Heute sei - gerade in Marburg - die Behandlung von Krebs auf hohem Niveau möglich.

Damit Krebs so früh wie möglich erkannt werde, sollten mehr Menschen die Möglichkeiten der Vorsorge nutzen, appellierte Spies, der selbst auch Mediziner ist. Er verdeutlichte außerdem, dass Krebs und andere schwere Erkrankungen nicht nur den jeweils Erkrankten, sondern alle im alltäglichen Leben beträfen. Deshalb sei es elementar wichtig, einander unter die Arme zu greifen.

»Wir haben im Landkreis ein Netzwerk für Betroffene, das wunderbar funktioniert«, betonte Landrätin Kirsten Fründt. Landkreise und Kommunen hätten nicht nur den Auftrag, zu informieren oder bei Notlagen in Aktion zu treten. Auch Prävention und Vorbeugung seien ein großes Thema. Fründt rief die Menschen ebenfalls dazu auf, zur Krebsvorsorge zu gehen, um eine Erkrankung möglichst früh zu erkennen und gut behandeln zu können.

Im Film »Das Beste kommt zum Schluss« mit Jack Nicholson und Morgan Freeman sind beide Protagonisten an Krebs erkrankt und wollen der Zeit, die ihnen bleibt, noch einmal alles abtrotzen: ein Wunsch, mit dem Ärzte auch in der Realität häufig konfrontiert seien, sagte Professor Thomas Wündisch, der Leiter des Marburger Anneliese-Pohl-Krebszentrums, während der anschließenden Expertenrunde.

Neben der medizinischen Behandlung sei die psychologische Betreuung von Patienten ebenso wie die von Angehörigen wichtig. Die Krankheit bringe große Belastungen auf verschiedenen Ebenen mit sich - von emotionalen Krisen bis hin zu finanziellen Problemen.

Schmerzzufriedenheit erreichen

Welche Möglichkeiten es für Menschen gibt, bei denen eine Heilung ausgeschlossen ist, erläuterte Birgit Thomé, Koordinatorin der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung Marburg.

Der niedergelassene Mediziner Dr. Hans-Albrecht Oehler, der Spezialist für Palliativmedizin ist, erklärte, dass es dabei zum Beispiel darum gehe, Schmerzzufriedenheit zu erreichen oder Symptome wie Atemnot, Schwindel oder Verdauungsbeschwerden zu lindern. In der Runde schilderte auch ein Ehepaar seinen Umgang mit der Diagnose Krebs.

Vorbeugung wichtig

Moderatorin Petra Gebhardt-Charis vom Arbeitskreis Onkologie betonte, angesichts der halben Million Menschen, die pro Jahr neu an Krebs erkranke, sei es besonders wichtig zu schauen, was vorbeugend getan werden könne. Krebs sei nicht immer heilbar. In jedem Fall gehe es aber darum, sich Hilfe zu suchen. Welche Angebote es gebe, sollte der Aktionstag einmal mehr in die Öffentlichkeit tragen.

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