06. März 2018, 11:00 Uhr

Dillenburg

Ungeliebtes Unikum der Nassauer Union

Zur Einheit beim Abendmahl zwischen Lutheranern und Reformierten wurde ein »Unionsbrot« eingeführt. Wie es dazu kam erklärte Pfarrer Dr. Reiner Braun aus Dautphe.
06. März 2018, 11:00 Uhr
Zur Veranstaltung des Geschichtsvereins Dillenburg und der Evangelischen Kirchengemeinde begrüßte Vorsitzender Erhard Ossner (l.) gemeinsam mit Pfarrer Dr. Friedhelm Ackva (r.) den Referenten Pfarrer Dr. Reiner Braun. Foto: Becker-von Wolff

Von langer Dauer war das Unionsbrot nicht. Aber warum gab es Widerstand, dies erklärte Pfarrer Braun auf Einladung des Geschichtsvereins und der Evangelischen Kirchengemeinde. Mit der Nassauer Union vor 200 Jahren wurde das Abendmahl für Lutheraner und Reformierte des evangelischen Glaubens im Herzogtum Nassau möglich. Ein Novum – einigten sich Lutheraner und Reformierte in Deutschland doch erst 1973 auf eine gegenseitige Anerkennung.

Wie kam es zum Unikum?

Im Herzogtum Nassau war Herzog Wilhelm an einer Zusammenführung der beiden evangelischen Kirchen sehr interessiert. Der reformierte Herzog hat gemeinsam mit seiner lutherischen Frau Luise das Abendmahl feiern wollen. Zum 300. Reformationsjubiläum 1817 sah er die Zeit für eine Vereinigung der beiden Kirchen in seinem Herzogtum gekommen.

Um die Einheit der evangelischen Protestanten beim Abendmahl sinnlich erfahrbar zu machen, haben die beiden Superintendenten, der Lutheraner Georg Müller und der Reformierte Friedrich Gieße, das Unionsbrot »kreiert«: Allen Gemeinden wurde ein spezieller Hostienausstecher und das »Unionsbrot« auferlegt. Eine auf dem Brot (Reformiert) aufgeklebte Hostie (Lutheraner) sollte die Einheit der Protestanten symbolisieren.

Was andere als Innovation feierten, stieß im Dillkreis auf große Ablehnung. Der Generalsuperintendent Jakob Wilhelm Grimm (1752–1824) aus Dillenburg wetterte in einem Schreiben an den Herzog: das Weißbrot mit aufgeklebter Hostie sei »unevangelisch« und gehöre abgeschafft.

Der vormals reformierte Generalsuperintendent Friedrich Gieße reiste daraufhin im Auftrag des Herzogs nach Dillenburg, um ihn für das neue Abendmahlsbrot zu gewinnen – vergeblich. Die Regierung nahm daraufhin die Anordnung zurück. Das nassauische Unionsbrot, von Alfred Adam verächtlich als »Unionstabletten« bezeichnet, blieb ein nassauisches Unikum.

Liturgischer Ausrutscher

Das Unionsbrot hat es nur in Nassau und nur am 31. Oktober 1817 gegeben – ein Generalreskript der Landesregierung bezeichnete das Unionsbrot »als etwas ganz Außergewöhnliches«, also eine »liturgische Eintagsfliege«. Man suche die Gemeinschaft mit anderen Unierten und reiche daher wie diese nur noch Brot. Die »Stanzmaschinen« allerdings haben sich zur Bereitung des Brotes bewährt, teilweise bis heute.

Es spricht allerdings für den Unionsgeist in Nassau, dass dieser liturgische Ausrutscher die Einheit von Lutheranern und Reformierten in keinster Weise gefährdete. »Die Vereinigung der Kirchen ist als ein sehr vernünftiges und christliches Werk begrüßt worden«, so Dr. Reiner Braun, der vor 60 interessierten Zuhörern von den Ereignissen referierte.

Die Gäste konnten das Brot auch kosten und waren sich einig, dass dies keine gute Lösung zur Überwindung der Unterschiede beim Abendmahl war. Die Einheit vollzog sich auch ohne dieses besondere Brot.

Das Jubiläum 200 Jahre Nassauer Union sei im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation etwas untergegangen, sagte Erhard Ossner vom Geschichtsverein Dillenburg, dennoch habe es große Bedeutung gerade für die Region.

»Heimspiel« für Braun

Ossner dankte Reiner Braun für sein »Heimspiel«. Braun stammt gebürtig aus Ewersbach, hat in Dillenburg die Schule besucht und hier auch das Abitur gemacht. Seit 2002 ist er Pfarrer in Dautphe und hat zudem einen Lehrauftrag für Kirchengeschichte in Mainz.

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