30. Juni 2018, 15:00 Uhr

Marburg

Nachhaltigkeitskonzept für den Landkreis diskutiert

Als einer der ersten Kreise in Deutschland entwickelt der Landkreis Marburg-Biedenkopf derzeit ein Nachhaltigkeitskonzept.
30. Juni 2018, 15:00 Uhr
Landrätin Kirsten Fründt (l.) begrüßt die Teilnehmenden und Organisatoren des Dialogforums Nachhaltigkeit im Landratsamt. Foto: Landkreis

Vertreter der Kreisverwaltung erörterten die Vorgehensweise und Inhalte gemeinsam mit Bürgern und Vertretern der Kreispolitik. Die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können – diese Definition der Vereinten Nationen für Nachhaltigkeit sei auch die Grundlage des eigenen Konzepts für den Landkreis, sagte Landrätin Kirsten Fründt. Hierauf wolle man gemeinsam aufbauen und konkrete Antworten für den Landkreis Marburg-Biedenkopf finden.

Auf die Kreisverwaltung übertragen heiße das zum Beispiel, den Einkauf von Büromaterial an Nachhaltigkeitskriterien auszurichten und ausschließlich recyceltes Druckpapier zu verwenden.

Konzeptentwurf hat fünf Themenbereiche

Der bisherige Konzeptentwurf gliedert sich in die fünf Bereiche »Glück, Gesundheit und Zusammenhalt fördern«, »Regionale Wirtschaft für die Zukunft stärken«, »Natürliche Lebensgrundlagen erhalten«, »Agile und verlässliche Kreisverwaltung« sowie »Politik gemeinsam gestalten«, erläuterte Heike Wagner, Leiterin des Fachbereichs Ländlicher Raum und Verbraucherschutz. Anhand dieser Themenfelder wolle man einen sozialen, gesunden und sicheren Landkreis entwickeln, in dem alle Menschen aktiv am politischen, sozialen und kulturellen Leben teilnähmen.

Auf Grundlage dieser Aspekte wurden anschließend in mehreren Arbeitsgruppen die Inhalte diskutiert und eigene Themen, Herausforderungen und Lösungswege eingebracht. Im Bereich Klimaschutz und Energie sprachen sich die Teilnehmenden beispielsweise dafür aus, Plastikverpackungen zu vermeiden, Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Dachflächen zu errichten oder günstigere Jahreskarten für den öffentlichen Personennahverkehr einzuführen.

In einem weiteren Wirkungsfeld wurde das Stärken der regionalen Wirtschaft thematisiert. Durch die Förderung regionaler Direktvermarkter von Produkten aus dem Landkreis, so ein Teilnehmer, solle die Wertschöpfung in der Region stattfinden. Das beinhalte, dass Herstellung, Vertrieb und Verkauf des Produkts in der Region erreicht werden sollten.

Gewinnorientiertes und nachhaltiges Wirtschaften sollten keine Widersprüche sein. Der Landkreis unterstütze in diesem Zusammenhang bereits die RegioApp, mit der Verbraucher sich über Direktvermarkter aus der Region informieren könnten. Bisher nehmen daran 30 Unternehmen teil.

Zum Abschluss bewerteten die Anwesenden, welches aus ihrer Sicht die relevantesten Themen für eine nachhaltige Entwicklung des Landkreises sind. Das Ergebnis: Die fünf Wirkungsfelder seien eine gute Grundlage für die weiteren Schritte. Besonders stark war das Interesse an Umweltthemen, ländlicher Entwicklung, Berücksichtigung von Sozial- und Umweltkriterien sowie Engagement und Beteiligung der Menschen im Landkreis.

Die Workshop-Teilnehmer ergänzten darüber hinaus das gemeinwohlorientierte Wirtschaften als weiteres wichtiges Thema – ein Modell, das die Orientierung der Wirtschaft am Gemeinwohl und Gemeinwesen in den Vordergrund stellt. Anhand von Kriterien wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung können Unternehmen eine so genannte Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Auch Zertifizierungen oder Nachhaltigkeitsberichte können Unternehmen, Banken, Vereine und andere Institutionen nutzen, um ihre Gemeinwohlorientierung zu dokumentieren.

Zweites Dialogforum folgt am 6. September

Im Nachgang der Veranstaltung werden nun die Ergebnisse der Diskussionen im Detail ausgewertet und in den bestehenden Entwurf des Nachhaltigkeitskonzepts eingearbeitet. Das vollständige Konzept soll dann im zweiten Dialogforum Nachhaltigkeit am 6. September mit Bürgern diskutiert werden. Weitere Informationen unter www.mein-marburg-biedenkopf.de

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