01. September 2018, 15:00 Uhr

Kirchhain

»Hälfte der Bienenarten stark gefährdet«

Nach Zeiten der Bedrohung durch Parasiten wie der Varroamilbe und einen immer kleiner werdenden Lebensraum hat die Gesellschaft nun ihre Liebe für die Biene entdeckt.
01. September 2018, 15:00 Uhr
Im Diagnose-Labor des Bieneninstituts Kirchhain stellt Evelyn Achtelik (vorne) die Arbeit am Mikroskop vor (v.l.): Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Dr. Ralph Blücher, Anna Mawick und Christian Dreher. Foto: Regierungspräsidium

Immer mehr Menschen wollen imkern. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich informierte sich in Kirchhain bei den Fachleuten schlechthin über den aktuellen Stand. Dort hat nicht nur das Bieneninstitut Kirchhain seinen Sitz, sondern direkt nebenan auch der Landesverband Hessischer Imker.

Themen Pflanzenschutz und Klimawandel

»Pflanzenschutz ist ein Thema und auch der Klimawandel«, berichtete Institutsleiter Dr. Ralph Büchler über die Einflüsse, die der Biene zu schaffen machen. Zugleich verwies er auf deren große Bedeutung: »Die Biene ist die Voraussetzung für blühende Landschaften und intakte Nahrungsketten.«

Ein Drittel aller Nahrungspflanzen ist auf Bestäubung angewiesen. Das betrifft fast zehn Prozent aller landwirtschaftlichen Produktion. Der Bestäubungswert liegt weltweit bei umgerechnet 153 Milliarden Euro. »Daneben ist die Biene aber auch für die Versorgungssicherheit und die Biodiversität, also die biologische Vielfalt, enorm wichtig«, erklärte der Institutsleiter weiter.

Diese Bedeutung spiegelt sich auch in den Aufgaben des Bieneninstituts wider. »Wir erstellen Fachinformationen für Imker, Landwirte, Beratung, Bildung, Politik, Verbraucher und andere Zielgruppen«, erklärte Anna Mawick, Abteilungsleiterin für Fachinformation im Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, einer nachgelagerten Behörde des Hessischen Umweltministeriums, zu dem das Institut gehört.

Im Institut werden Datenreihen, Kennzahlen, Versuchsergebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse ausgewertet und aufbereitet. Da das Institut selbst 300 Bienenvölker hält, kann hier sogar der Beruf des Tierwirts Fachrichtung Bienenhaltung erlernt werden.

In den Laboren wird unter anderem an der Varroamilbe geforscht. Auch das Thema Pflanzenschutzmittel beschäftigt die Mitarbeiter. Die Qualität der Wirkstoffe habe sich stark verändert, lautet eine wesentliche Erkenntnis. »Die Hälfte aller 500 Bienenarten hier in Hessen gilt als stark gefährdet«, berichtet Ralph Büchler. Die vom Land Hessen geförderten Blühstreifen seien für die Honigbiene eine spürbare Verbesserung.

Zukunft der Imkerei als positiv beurteilt

Die Zukunft der Imkerei wird als durchaus positiv beurteilt, so Institutsleiter Büchler. »Wir haben mittlerweile mehr Imker als Milchviehhalter in Hessen.« Jedes Jahr beginnen 800 bis 900 Menschen. Das Bieneninstitut bilde intensiv aus und berate über Grundkenntnisse bis zu aktuellen Entwicklungen. Ziel sei es, die Zahl der im Laufe des Winters sterbenden rund 15 Prozent aller Bienenvölker weiter zu verringern.

»Wir erleben einen Aufschwung«, berichtete Manfred Ritz, Vorsitzender beim Landesverband Hessischer Imker. Innerhalb von acht Jahren habe sich die Mitgliederzahl von 6.400 auf 11.000 fast verdoppelt. Aktuell habe jedes Mitglied im Schnitt fast sechs Völker. Der Honigertrag nehme deutschlandweit mit 37 Kilogramm pro Volk den Spitzenplatz ein. Den Großteil seiner Mittel – 80 Prozent – gibt der Verband für Schulungen aus. »Wir versuchen dabei, die Nachhaltigkeit kontinuierlich reinzubringen«, sagt Ralph Bonkowski. Dazu gehöre auch, keine Medikamente zu verwenden, sondern organische Säuren: »Dann imkere ich mit der Natur.«

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