31. August 2026, 13:00 Uhr

Marburg

Zwei weitere Jahre aushalten

Julius van de Laar war auf Einladung des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen in Marburg zu Gast. Er sprach über die USA-Politik.
31. August 2026, 13:00 Uhr
Donald Trump herrscht in den USA und in den Medien. Seine Aussichten über die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten und Tendenzen der Präsidentschaftswahlen 2028 teilte Julius van de Laar (r.) mit dem Publikum in Marburg. Foto: Reichel

Julius van de Laar ist Kampagnen- und Strategieberater mit langjähriger, internationaler Erfahrung im politischen Campaigning – unter anderem war er Teil des Wahlkampfteams von Barack Obama. Er sprach im Kongresszentrum DVAG vor 200 geladenen Gästen über die amerikanische Politiklandschaft, die von Donald Trump und seinen Anhängern bestimmt wird. Große Chancen auf zeitnahe Entspannung sieht er dabei nicht.

Strategie funktioniert

„Donald Trump ist gut darin, Geschichten zu erzählen, die seine Anhänger abholen. Es wird ein Problem aufgezeigt und einfache Lösungen werden präsentiert – ob es dann letztlich umgesetzt wird, bleibt offen“, erklärt Julius van de Laar. Parallelen zu anderen Parteien, auch hier in Deutschland, sieht er dabei auch. „Damit kann man Wahlen gewinnen – das hat Trump ja auch geschafft.“ Unterstützt von Scharfmachern, wie Steve Bannon, die als klare Strategie „Attacke, Attacke, Attacke“ über Social-Media befeuern, um die Wähler zu binden und sich nicht mit langen Themen auseinandersetzen. „Bill Clinton hat das bereits 2002 gesagt: ‚Strong and wrong beats weak and right‘, also jemand, der Stärke zeigt, aber falsch liegt, bekommt mehr Unterstützung als derjenige, der schwach erscheint, aber die richtigen Themen bespricht.“

Van de Laar geht in seinem Vortrag auf die aktuellen Entwicklungen ein, die Trump in seiner zweiten Amtszeit angestoßen hat, darunter die Zoll-Krisen, den Iran-Krieg, den Umgang mit der EU und deren Möglichkeiten oder auch die Einwanderungsthemen. Er untermauert seine Ansichten mit bekannten Videoclips und Bildern, die bei den Gästen im Kongresszentrum immer wieder für Kopfschütteln und Erstaunen sorgen. „Es kommt hinzu, dass das lineare Fernsehen mit echter Berichterstattung über MSNBC, CNN oder auch Fox News immer weniger Leute konsumieren. Die Sozialen Medien sind hier deutlich im Vorteil und man bekommt dann über Algorithmen auch stets neue Inhalte ausgespielt. So werden mit Dauer-Attacken seitens der Trump-/MAGA-Seite die Anhänger gebunden“, berichtet van de Laar.

Keine schnelle Besserung

Neben weiteren Beispielen ging der Gast auch auf die bevorstehenden Zwischenwahlen (Midterms) ein. „In Umfragen führen die Demokraten – auch, weil sie aktuell mehr Zuspruch in Wirtschaftsfragen haben, als die Republikaner. Etwas, was die Partei seit Jahrzehnten nicht geschafft hat. Ich sehe zwar Chancen, dass zumindest das Repräsentantenhaus an die Demokraten gehen kann, das ändert aber nichts daran, dass Trump einfach so weitermacht wie bisher“, sagt der Experte. „Wir werden das noch zwei Jahre weiter aushalten müssen. Der Präsident wird sich schlicht weigern, auf das Parlament zu hören und etwa in Dekreten weiter regieren. Die Demokraten hätten zwar über Anfragen oder Ausschüsse Möglichkeiten, dies ist aber zu begrenzt und langwierig, bis sich etwas tut.“

Und die Aussichten? „Die Demokraten müssen ihre inneren Grabenkämpfe klären. Die Republikaner übrigens auch. Bei ihnen wird sich zeigen, ob Trump die MAGA-Bewegung („Make America Great Again“) zusammenhält und diese nach ihm auseinanderfällt. Für die Wahlen 2028 sehe ich aktuell noch keine Kandidaten in beiden Parteien. Gavin Newsom, der aktuelle Gouverneur von Kalifornien, ist die charismatischste Figur und auch Alexandria Ocasio-Cortez aus New York halte ich für möglich. Auch bei den Republikanern wird es interessant. Logisch wäre JD Vance als aktueller Vizepräsident, aber er ist nun wirklich keine überzeugende Figur. Auch Außenminister Marco Rubio käme infrage. Trump wird zudem weiterhin befeuern, dass er eine dritte Amtszeit anstrebt.“

Im Anschluss an seinen Vortrag, der beim Publikum sehr gut ankam, unterhielt er sich noch in einer kleinen Diskussionsrunde mit Annette Klingelhöfer vom Vorstand der AfK Marburg, die einige Aspekte vertiefte. Auch das Publikum konnte ein paar Fragen an den Gast richten.

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