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Verkehrsmodell der Stadt Marburg vorgestellt

Wer fährt von wo nach wo? Das erfasst das Verkehrsmodell für Marburg, das online vorgestellt wurde. Auch Prognosen lassen sich anhand dieser Aufstellung machen.
09. Januar 2022, 13:00 Uhr
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Die Ketzerbach ist eines der Nadelöhre in Marburg. Gerade zu den Stoßzeiten ist hier unter anderem viel Pendelverkehr unterwegs. Foto: Stefanie Ingwersen/Stadt Marburg

Das Modell dient für das Mobilitäts- und Verkehrskonzept »MoVe 35« daher auch als Basis, um Maßnahmen auf ihre Wirkung zu überprüfen. »Das Verkehrsmodell verschafft uns einen Überblick über den Ist-Zustand und hilft uns, einen Blick in die Zukunft zu werfen«, sagte Oberbürgermeister und Verkehrsdezernent Dr. Thomas Spies.

Zählung während der Pandemie schwierig

Eine Basis für das Modell waren Daten aus Verkehrszählungen. Diese mussten aufgrund der Pandemie mehrfach verschoben werden, weil der Verkehr deutlich geringer war. Neben eigenen Zählwerten sind auch Erhebungen der Straßenverkehrsbehörde, der Bürgerinitiative Verkehrswende sowie von Arbeitgebern eingeflossen. Dirk Lange, Projektleiter des beauftragten Planungsbüros erläuterte, dass die Vorstellung des Verkehrsmodells daher ein weiterer Baustein aus der Bestandsanalyse von »MoVe 35« ist.

Sein Kollege Thomas Mattner stellte das Verkehrsmodell vor. Es bildet Verkehrsströme auf Hauptstraßen ab und auf solchen Straßen, die als Zubringer dienen. Mit dem Modell lassen sich vier Fragen beantworten: Wie viele Pkw und Lkw sind auf den Straßen unterwegs? Von wo nach wo möchten Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen fahren? Welche Verkehrsmittel werden genutzt? Welche Routen werden gewählt?

Aus dem Verkehrsmodell wurde eine Belastungskarte erstellt. Sie zeigt, wie stark einzelne Straßen befahren werden. Es zeigte sich, dass zum Beispiel auf der Universitätsstraße, auf der Schwanallee, der Ketzerbach und der Weidenhäuser Brücke täglich mehr als 10.000 Autos fahren.

Prognose für 2034 in Arbeit

Thomas Mattner sagte, das Verkehrsmodell sei bis auf den Feinschliff fertig und solle im Januar fertiggestellt werden. Es solle den Analysefall 2021 darstellen. Der zeige, wie viele Fahrzeuge auf welchen Straßen und aus welchen Gründen unterwegs waren. Aber auch für die Zukunft ließen sich diese Fragen anhand des Modells beantworten. So solle im Februar der sogenannte Prognose-Null-Fall für das Jahr 2035 fertig sein.

»Das Verkehrsmodell soll stetig nachgeschärft und optimiert werden«, berichtet Mattner. Mit dem Modell lässt sich die Wirkung von Maßnahmen, die in der kommenden Projektphase mit breiter öffentlicher Beteiligung entwickelt werden, schon vor der Umsetzung überprüfen.

Auch Güterverkehr bedacht

Das zweite Thema der Veranstaltung war der Wirtschaftsverkehr. Den stellte Dirk Lange dar. Gemeint sei in diesem Fall der Güterverkehr. Zwar zählten auch der Geschäftsverkehr von Dienstleistern und die Personenbeförderung dazu. Letztere ähnele jedoch vor allem dem Busverkehr und der Geschäftsverkehr dem motorisierten Individualverkehr, weshalb diese durch Zählungen nicht herauslesbar seien. Der Güterverkehr in Nord-Süd-Richtung nutze die B3, in Ost-West-Richtung seien die Behringwerke und die Lahnberge die wichtigsten Ziele.

Die Ketzerbach, die Schwanallee und die Universitätsstraße seien Straßen, die besonders von Lkw, Lieferwagen und Bussen befahren würden. »Damit führt der Verkehr hauptsächlich durch sensible Bereiche, nämlich Wohn- und Mischgebiete«, berichtet Lange. Teils handele es sich auch um enge Straßen. Lösungen könnten - wo es sich anbietet - die Verlagerung auf die Schiene sein und die Wahl besserer Zeitfenster für den Güterverkehr. So sollen die Stadtbereiche entlastet werden.

Die Präsentationsfolien der Veranstaltung finden sich unter www.marburg.de.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/smlokales/verkehrsmodell-der-stadt-marburg-vorgestellt;art2773,774451

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