Der NABU Marburg hatte sich zur Rettung entschieden, da die Jungvögel bereits seit ein paar Tagen nachweislich nicht mehr mit Futter versorgt wurden.
Es wurde eine „Rettungskette“ von der Bergung bis zur neuen Unterbringung aus dem Stand organisiert – alles musste Hand in Hand gehen. Das alles wurde zuvor in enger Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde Marburg abgestimmt. Dem NABU Marburg wurde anschließend gemäß Paragraf 45 Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes die Genehmigung erteilt und die Maßnahme unmittelbar umgesetzt.
Geschwächter Nachwuchs
Aktive und Biologen des NABU entnahmen Anfang der Woche die drei Küken aus dem Nistkasten. Biologin Dr. Moira Behn von der Wildvogelpflegestation Schönbach übernahm die Erstversorgung, setzte die Tiere in eine Wärmebox und führte eine erste Zufütterung durch.
Zum Zeitpunkt der Bergung waren die Küken bereits deutlich geschwächt, ein Tier zeigte Anzeichen von Unterkühlung und Apathie. Im Anschluss erfolgte der Transport in eine spezialisierte Wildvogel-Aufzuchtstation. Dort ist eine Integration in eine bestehende Uhu-Aufzucht vorgesehen.
Grundsätzlich gilt im Naturschutz das Prinzip der Nichteinmischung: Wildtiere sollen sich ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Maßnahmen wie diese Rettung stellen daher eine begründete Ausnahme dar und erfolgen ausschließlich nach sorgfältiger Prüfung und behördlicher Genehmigung. Im vorliegenden Fall lag eine akute Gefährdung der Küken vor, die ein Eingreifen erforderlich machte.
Warum das Männchen „Hugo“ nicht mehr zur Versorgung kam, lässt sich laut NABU Marburg nicht sicher sagen. Daher wurde die Entscheidung getroffen, die Küken in dieser besonderen Situation nicht sich selbst zu überlassen. Das Uhu-Weibchen „Lisbeth“ wird mit Sicherheit irritiert gewesen sein, als sie den leeren Nistkasten vorgefunden hatte. Sie muss jetzt wieder selbst auf die Jagd gehen, um ihre eigene Versorgung zu sichern.
Aktuell wohlauf
Der NABU Marburg wird die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und hofft, dass der Nistkasten auch in der kommenden Saison wieder von einem Uhu-Paar angenommen wird. Sollte „Hugo“ nicht wieder auftauchen, wird sich das Weibchen zu Beginn der neuen Balzsaison in diesem Herbst einen neuen Partner suchen.
Der Zustand der geretteten Uhu-Küken ist bei zwei der jungen Uhus gut, das jüngste Küken wird noch in einem Brutkasten gehalten, doch auch sein Zustand ist stabil.
In Kürze werden alle drei Küken einem weiblichen Uhu, einer Amme, übergeben. Mäuse und später Ratten werden von den Pflegern in die Voliere gegeben und „Momo“ übernimmt die Fütterung der Kleinen wie in einer natürlichen Situation. Die weitere Entwicklung wird weiterhin ständig fachlich beobachtet und alles getan, dass die „drei Marburger“ voraussichtlich im September ausgewildert werden können. Vorher werden die Jungen von einer Vogelwarte beringt.