Eine aktuelle Auswertung im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises hat ergeben, dass die Population der Edelkrebse im Naturschutzgebiet „Kohlenacker“ steigt. Für das Jahr 2025 gibt es mit 961 nachgewiesenen Edelkrebsen einen neuen Höchstwert. Zudem verstärkt die Naturschutzbehörde in Zusammenarbeit mit der Polizeistation Biedenkopf zum Schutz des Gebiets die Kontrollen.
Heimische Art schützen
Der Edelkrebs ist ein in Deutschland heimischer Flusskrebs. Wegen des Verlusts von Lebensräumen und durch die Einbringung gebietsfremder Arten gilt er als vom Aussterben bedroht. Seine Lebensräume sind mittlerweile meist isolierte Stillgewässer, die für den Fortbestand der Art damit eine entscheidende Rolle haben. Ein solches Stillgewässer ist auch der Steinbruchsee im Naturschutzgebiet bei Gönnern. Dort kann sich der Edelkrebs inzwischen wieder in Ruhe vermehren, denn der amerikanische Signalkrebs, ein eigentlich gebietsfremder Konkurrent des Edelkrebses, wird im Auftrag der Kreis-Naturschutzbehörde dort durch gezieltes Überfischen mit speziellen Reusen bekämpft.
Der Signalkrebs ist auch als Überträger der Krebspest eine Gefahr für heimische Krebsarten. Er selbst ist gegen die Krankheit immun, überträgt sie allerdings auf die europäischen Arten, die keine Abwehrchancen haben und sterben. Erfreulicherweise waren die Signalkrebsbestände im Steinbruchsee zwar nicht mit der Krebspest infiziert, stellten jedoch durch ihre hohe Anzahl an Nachkommen eine erhebliche Konkurrenz sowohl für die Edelkrebse als auch als Fressfeinde für die Geburtshelferkrötenlarven dar.
85.000 Krebse entfernt
Inzwischen haben Fachleute seit 2014 rund 85.100 Signalkrebse aus dem See entnommen. Gleichzeitig ist eine deutliche Erholung der heimischen Edelkrebs-Bestände messbar: Lag die Zahl 2020 noch bei 74 Exemplaren, wurden 2025 961 Exemplare gezählt. „Durch das kontinuierliche Herausfischen der Signalkrebse verändert sich die Altersstruktur ihrer Population. Immer weniger Tiere erreichen die Geschlechtsreife, während zunehmend junge Signalkrebse bereits vor ihrer ersten Fortpflanzung gefangen werden“, erklärt Gabriele Spill-Ebert von der unteren Naturschutzbehörde.
Tierwelt erholt sich
Mit zunehmender Anzahl der Edelkrebse steige gleichzeitig auch der Konkurrenz- und Fraßdruck auf junge Signalkrebse. „Dadurch unterstützen die heimischen Edelkrebse die Bekämpfung der invasiven Art zunehmend selbst“, sagt Spill-Ebert. Für die Naturschutzbehörde sei inzwischen jedoch ein anderer Aspekt noch wichtiger als die reine Anzahl gefangener Signalkrebse: „Viel wichtiger ist die Entwicklung der heimischen Arten. Der deutliche Anstieg der Edelkrebspopulation und der Rekordbestand in 2025 zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gleichzeitig beobachten wir wieder häufiger die seltene Geburtshelferkröte. Beide Entwicklungen belegen, dass sich das ökologische Gleichgewicht im Steinbruchsee langsam wieder zugunsten der heimischen Tierwelt verschiebt.“
Rücksicht beim Naturausflug
Die Naturschutzbehörde appelliert an Besucher und Besucherinnen des Naturschutzgebiets „Kohlenacker“, die geltenden Schutzbestimmungen zu beachten, unbedingt auf den durch Stahlseile markierten Wegen zu bleiben und die sensiblen Lebensräume der Tiere und Pflanzen zu respektieren. Insbesondere in den Sommermonaten kommt es immer wieder zu einem illegalen Badetourismus.
Die Behörde weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass das Baden im See sowie das Angeln, Lagern und das Hinterlassen von Müll verboten sind. Verstöße gegen die Naturschutzgebietsverordnung können als Ordnungswidrigkeit mit empfindlichen Bußgeldern in Höhe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Auch das Naturschutzgebiet „Dimberg bei Steinperf“ in der Gemeinde Steffenberg ist von dieser Problematik betroffen: Obwohl das gesamte Gebiet durch einen Zaun gesichert ist und durch Hinweisschilder auf das Betretungsverbot des gesamten Areals hingewiesen wird, wurde der Zaun bereits mehrfach aufgeschnitten oder niedergedrückt, um sich Zugang zum dortigen Gebiet zu verschaffen.
Zur Einhaltung der Schutzbestimmungen werden nun die Kontrollen in beiden Naturschutzgebieten in Zusammenarbeit mit der Polizeistation Biedenkopf sowie den zuständigen Ordnungsämtern verstärkt. Weitere Informationen gibt es unter www.marburg- biedenkopf.de.