Bevor eine Straße grundhaft saniert wird, geht dem einiges an Planungen voraus – auch gemeinsam mit anderen Partnern, wie den Wasser- und Energieversorgern. Und: Es kostet viel Geld und nicht alles kann auf einmal angepackt werden.
Die Stadt Marburg hat daher nun die verkehrswichtigen Straßen systematisch erfasst und einen Zehn-Jahres-Plan erstellt. Ziel ist ein transparentes, fachlich begründetes Vorgehen mit klaren Prioritäten – im ausgewogenen Verhältnis zu anderen investiven Aufgaben wie Schulen, Kitas, Bädern und sozialer Infrastruktur. „Investitionen stehen immer in Konkurrenz, die Mittel sind begrenzt. Wir wollen 15 Millionen Euro im Jahr in unsere Straßen investieren und das mit System und einer transparenten Reihenfolge“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Mit dem Bildungsbauprogramm BiBaP – einem transparenten Investitionsplan für die Marburger Schulen – habe die Stadt gute Erfahrungen gemacht und weitet dies nun auf die Straßen aus. Saniert wird in Marburg seit 2019 ohne Anliegergebühren.
Systematische Analyse als Grundlage
Die Basis des Straßenbauprogramms war eine fachliche Analyse von rund 120 Kilometern verkehrswichtigen Straßen von insgesamt 300 Kilometern Straßennetz in Marburg. Geschaut wurde, welche Schäden es gibt, wieviel Verkehr auf den jeweiligen Strecken fließt, ob eine Straße für den ÖPNV von Bedeutung ist und wo nach dem Radverkehrsplan Radwege entstehen sollen. Außerdem hat die Stadt Marburg beispielsweise mit den Stadtwerken abgestimmt, wo diese in den nächsten Jahren Leitungsarbeiten machen und die Straßen dafür öffnen müssen. Geschaut wurde auch, wo in nächster Zeit Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut werden – damit auch diese Straßenabschnitte direkt grundhaft erneuert werden können. „Dazu haben wir dann erfasst, was eine grundhafte Erneuerung der jeweiligen Straße grob kosten wird – und ob es Fördergeld oder Partner gibt, um Synergien zu schaffen“, erklärt Karsten Dittmar, Fachbereichsleiter Planen und Bauen. Zusätzlich achtet die Stadt darauf, dass nicht zwei wichtige Straßen zugleich saniert werden, wenn die eine Straße als Umleitung für die andere benötigt wird. Eine komplexe Zusammenstellung mit vielen Faktoren also.
150 Millionen Euro
Das Ergebnis: Eine Karte der Stadt Marburg mit Straßen, die in zehn unterschiedlichen Farben markiert sind. Dabei steht jede Farbe für ein Jahr, in dem saniert werden soll. Eine Verschiebung der Planungen kann es aber grundsätzlich geben, etwa wenn es Fördermittel für eine bestimmte Straße gibt oder wenn neue Schäden auftreten. „Rund 40 Kilometer des Straßennetzes sollen in den nächsten zehn Jahren grundhaft erneuert werden – für insgesamt rund 150 Millionen Euro. Das ist nur realistisch zu finanzieren, wenn wir Fördermittel bekommen“, so Stadtrat und Baudezernent Dr. Michael Kopatz. Marburg wird für viele Straßen Zuschüsse für den kommunalen Straßenbau beim Land Hessen beantragen – hier gibt es bis zu 60 Prozent Förderung.
Für dieses Jahr sind beispielsweise Arbeiten in der Liebigstraße und im Bereich Lutherischer Kirchhof geplant und die Planungen für den Sonnenweg in Michelbach, An der Zahlbach am Ortenberg, die Wehrshäuser Straße in Wehrshausen und die Königsberger Straße in Elnhausen werden beginnen. Neben der grundhaften Sanierung wird auch weiterhin laufend repariert.
Beschlossen wurde das Straßenkataster durch die Stadtverordnetenversammlung. Zuvor wurde der Plan mit den Ortsvorstehern und anderen Partnern abgestimmt und Hinweise eingearbeitet.
Zu finden ist das Straßenbauprogramm auf der Internetseite der Stadt Marburg im Bereich der Beschlussvorlagen (www. marburg.sitzung-online.de) unter VO/2911/2025.