31. Januar 2026, 13:00 Uhr

Stadtallendorf

Sanierungspläne für Herrenwaldkirche nicht umsetzbar

Eine Sanierung der ehemaligen Herrenwaldkirche in Stadtallendorf ist zu teuer. Was geschieht mit dem dort angesiedelten Familienzentrum?
31. Januar 2026, 13:00 Uhr
Über das Aus der Pläne informierten sich in Stadtallendorf (v.l.) der ehemalige Dekan des Kirchenkreises Kirchhain, Hermann Köhler, Gemeindepfarrer Thomas Peters, EKKW-Bischöfin Dr. Beate Hofmann sowie Thorsten Riewesell und Rebekka Köhler von „Jumpers“. Foto: Nadja Schwarzwäller/EKKW

Wo früher einmal Gottesdienst gefeiert wurde, hatten in den vergangenen zwölf Jahren Kinder und Jugendliche einen Ort zum Spielen, Menschen einen Ort der Begegnung. Die ehemalige Herrenwaldkirche in Stadtallendorf diente nach ihrer Entwidmung 2013 der christlich-sozialen Jugendorganisation „Jumpers“ als Familienzentrum „ConAct“. Und die Hoffnung war groß, die Geschichte weiterzuschreiben. Dazu wäre allerdings eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes nötig gewesen. Die ist aufgrund zu hoher Kosten aber nicht zu stemmen.

Bittere Wahrheit

Eine Skate-Anlage und ein riesiges Klettergerüst, ein Tischkicker und ein ganzer Fuhrpark an Bobbycars – so wurde das, was einmal Kirchenraum war, zu einem großen Indoor-Spielplatz und brachte neuen, anderen Segen für die Menschen in Stadtallendorf. Damit ist zum 31. März Schluss. Die Pläne, mit verschiedenen Akteuren und einem gemeinsamen Trägerverein ein Leuchtturmprojekt für den Kirchenkreis und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) zu realisieren, lassen sich nicht verwirklichen. „Das ist eine ganz bittere Erfahrung für mich“, sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann bei ihrem Besuch.

Sie hatte die von Pfarrerin Katrin Rathmann entwickelte Idee der „Spielkirche“ 2020 kennengelernt und begeistert die Schirmherrschaft übernommen – und hat nun sogar persönlich „Klinken“ geputzt bei Stiftungen, um Gelder einzuwerben, wie sie erzählte. Aber alle Bemühungen, eine Sanierung des Gebäudes zu finanzieren, sind gescheitert. Im vergangenen Jahr habe man die Entscheidung treffen müssen, dass es nicht weitergehen könne, erklärt Gemeindepfarrer Thomas Peters.

Millionenkosten für Sanierung

Ein Trägerverein hatte sich gründen wollen, um neben „Jumpers“ weitere Akteure ins Boot zu holen und religionspädagogische Angebote machen zu können. Die Familienbildungsstätte (fbs) wollte eine Außenstelle einrichten und die Sprachkurse sollten ebenfalls weitergeführt werden. All das kann nicht umgesetzt werden, da das Geld zur nötigen Sanierung fehlt. „Eine erste Kostenschätzung 2021 hat rund 2,6 Millionen Euro ergeben“, berichtet Thomas Peters. „Schnell war aber klar, dass es fast doppelt so viel kosten würde, die ehemalige Herrenwaldkirche zu sanieren.“

Am Ende standen 4,36 Millionen Euro auf dem Papier, die man hätte aufbringen müssen. Eine Summe von gut 700.000 Euro aus dem Investitionsfonds der Landeskirche für das Projekt Spielkirche hatte die Kirchengemeinde bereits erhalten, allerdings wurde ein Antrag der Städtebauförderung abgelehnt. „Das war der Knackpunkt“, erklärt Peters. Man habe „Jumpers“ das Gebäude zur Verfügung gestellt, mit allen Rechten und Pflichten. Genau denen kann die Organisation allein aber nicht nachkommen. „Schwersten Herzens“ wird sie die Arbeit deshalb zum 31. März beenden, sagt „Jumpers“-Geschäftsführer Thorsten Riewesell.

Projekt wird sehr gut angenommen

Die Hoffnung sei aber groß, dass es an anderer Stelle weitergehe. „Wir können eigentlich auch hier nicht weg“, erklärte Riewesell. „Es ist zu viel an Vertrauen und an Miteinander gewachsen.“ Insgesamt 300 Menschen haben das Gebäude und die kostenlosen Angebote genutzt. „Das Projekt hat geholfen, Barrieren abzubauen“, bestätigt der ehemalige Dekan des Kirchenkreises Kirchhain, Hermann Köhler, der die Projektleitung auch in seinem Ruhestand weiterführte.

Der Kirchenkreis hatte sich mit der Finanzierung einer halben Jugendarbeitsstelle beteiligt. Und auch Köhler hat bis zum Schluss gehofft, dass es eine Lösung geben könnte. Für Bischöfin Dr. Beate Hofmann ist die Entwicklung eine Geschichte des Scheiterns ebenso wie eine Lerngeschichte: „Wir haben zum Beispiel viel gelernt, was die Projektsteuerung mit verschiedenen Akteuren angeht.“

Die zentrale Erkenntnis sei, dass Gebäude eben irgendwann einmal an ihr Ende kommen. Die Frage aber bleibe: Was passiert mit ihnen? Und: Was passiert mit kirchlichen Gebäuden generell? Damit beschäftigen sich die Kirchengemeinden derzeit genau. Nur noch 30 Prozent der Gebäude werden künftig antragsberechtigt sein, wenn es um Baumaßnahmen geht. Für Bischöfin Dr. Beate Hofmann ist klar: „Die Sakralität eines Gebäudes liegt in seiner Nutzung, nicht in den Steinen, aus denen es gebaut ist.“

Neben grundsätzlichen Entscheidungen im Blick auf Denkmalschutz und den Erhalt von Kirchen als Kulturdenkmälern müsse aber für jedes Gebäude auch einzeln entschieden werden, welche Nutzung künftig möglich ist. Und was die ehemalige Herrenwaldkirche angeht, wünscht sie sich, dass der bestehende Denkmalschutz aufgehoben werden könne. Dann wäre ein Neubau für ein Stadtteilzentrum mit unterschiedlichen Nutzern möglich. Stattdessen droht aber nun der Leerstand.

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