26. März 2026, 21:45 Uhr

Gießen

Neue historische Straßenschilder

Fünf weitere Erinnerungsstraßenschilder hat die Bürgerinitiative Historische Mitte Gießen bei einem Gang durch die Innenstadt angebracht und damit die Anzahl auf mittlerweile 45 erhöht.
26. März 2026, 21:45 Uhr
In der Gießener Plockstraße wurde das „Junkers Garten“-Erinnerungsstraßenschild angebracht durch (v.l.) Peter Meilinger, Swen Richert, Jan-Patrick Wismar, Pate Christopher Junker und Dr. Werner Schmidt. Foto: Berger

Diese Erinnerungsschilder zieren nicht nur das Stadtbild, sondern informieren auch über das Gießen von einst.2019 aus der Aktionsgruppe „Rettet die Alte Post“ hervorgegangen, hat die Bürgerinitiative (BI) inzwischen an 45 Stellen grüne Tafeln angebracht, um damit auf Orte aufmerksam zu machen, deren Namen oder Bedeutung im Laufe der Stadtentwicklung verloren gegangen sind. Viele dieser historischen Bezeichnungen verschwanden durch die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs und den Wiederaufbau der Stadt.

Ziel der Initiative ist es, nach den Worten von Dr. Werner Schmidt und Jan-Patrick Wismar, diese Orte wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und die Geschichte der Stadt im Straßenbild sichtbar zu machen. Beide waren gemeinsam mit Swen Richert unterwegs, um die Straßenschilder anzubringen.

Dabei hatte das BI-Trio bei seiner mittlerweile fünften Aktion mit Gießens bekanntestem Stadtführer Peter Meilinger prominente Unterstützung gefunden. Dieser hat gemeinsam mit Barbara Poneleit die Patenschaft für das zu Beginn im Schaufenster von „Der Juwelier“ an der Ecke Bahnhofstraße/Markstraße gelegten Schild „Stadtbach“ übernommen. Zu jedem Erinnerungsstraßenschild gehört auch eine DIN-A4-Seite große Tafel mit einer von Schmidt gestalteten historischen Erläuterung.

Schmidt, echter Schlammbeiser und ehemaliger Zahnarzt, widmet sich in seinem Ruhestand der Stadtgeschichte und war für die Gestaltung aller fünf Tafeln verantwortlich. Auf diesen findet sich neben den Erläuterungen auch ein Hinweis auf Patenschaft verbunden mit einem Dank an die Unterstützer.

Die Sackgassenbezeichnung Stadtbach ergab sich als ehemaliger Teil der alten Rittergasse im Zuge der Baulandumlegungen bei dem Wiederaufbau der Stadt Gießen ab 1950.

Bereits vor Beginn der kleinen Tour durch die Innenstadt hatte Wismar im Reisebüro Marktstraße das „Stallgasse“-Schild abgegeben, welches später offiziell angebracht werden soll. Auch die Stallgasse gehört zu den fast vergessenen Orten der Stadt. Bereits eine Beschreibung aus dem Jahr 1613 erwähnt entlang der damaligen „alten Ställe“ einen Verlauf des Stadtbachs. In diesem Bereich befand sich ein Teil des sogenannten „Kühviertels“, in dem sich die in der Stadt weit verbreitete Viehhaltung konzentrierte.

In der Plockstraße half Pate Christopher Junker, das Erinnerungsschild „Junkers Garten“ anzubringen. Beim Junkers Garten handelte es sich um einen historischen Durchgang zwischen dem Seltersweg und der damaligen „Neuen Anlage“. In den 1860ern kaufte die Stadt das Grundstück der Schuhmacherfamilie Junker im mittleren Seltersweg und riss das Gebäude ab. Dadurch entstand ein Durchgang zur Grünanlage, der von den Bürgern lange Zeit „Junkers Garten“ genannt wurde.

In der „Neue Anlage“, der heutigen Südanlage, wurde an der Apotheke das nächste Erinnerungsschild angebracht, für das Karin Schmidt die Patenschaft übernommen hat. Nach dem Abtragen der Gießener Festungswälle ab 1805 entstand außerhalb der früheren Stadttore ein neues Baugebiet, die sogenannte „Neue Anlage“, das sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entlang des heutigen Anlagenrings entwickelte.

Den Abschluss bildete das „Neuenweger Tor“, welches sich am Basilico in der Neuen Bäue findet. Schmidt ging auf die Geschichte ein: Der „Neue Weg“ wurde bereits 1493 erwähnt und gab dem östlichen Stadttor beim Ausbau der Gießener Festungsanlage ab 1530 den Namen Neuenweger Tor. Nach dem Abtragen der Festung Anfang des 19. Jahrhunderts entstand auf dem Gelände später eine Villa, bevor 1907 an dieser Stelle das neue Stadttheater gebaut wurde.

Elefantenklo soll folgen

Weitere Schilder „Liebigshöhe“, „Elefantenklo“ und „Kaiserallee“ werden aktuell erarbeitet und sollen demnächst folgen.

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