In Deutschland sind jährlich fast 18 Millionen Erwachsene von einer psychischen Erkrankung betroffen, das ist mehr als jede vierte erwachsene Person – dennoch fühlen sich viele Menschen allein gelassen und erfahren Stigmatisierung. Die Mut-Tour möchte darauf aufmerksam und – wie der Name bereits sagt – Mut machen. Auch in Gießen hat die Tour Stopp gemacht, um mit Interessierten ins Gespräch zu kommen.
Austausch und Zusammenhalt
Seit 2012 setzt sich die Mut-Tour für mehr Austausch und Zusammenhalt von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein. Betroffene, Angehörige und beruflich Helfende fahren auf Tandems oder wandern gemeinsam durch Deutschland. Unterwegs sprechen sie offen mit Journalisten, Passanten und Entscheidungsträgern über ihre Erfahrungen.
Der Start erfolgte Ende Mai in Kassel, von wo die Tour durch die ganze Republik führt. Nach 4.100 Kilometern, dreieinhalb Monaten, 13 Etappen und mehr als 50 öffentlichen Aktionstagen und zahlreichen Interviews fährt das letzte Etappenteam am 12. September in Bremen zum Finale ein.
„Es darf keinen Unterschied mehr machen, ob ich anderen sage, ich gehe heute Nachmittag zum Zahnarzt oder zum Psychotherapeuten“, sagt Anais Braun, Teilnehmerin der Mut-Tour seit 2024.
Die Mut-Tour ist ein Outdoor-Projekt für Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen und psychischen Erfahrungen. Übernachtungen in der Natur, wetterunabhängige Routen, über 55 Tageskilometer – ein Touralltag, der Mut erfordert und Resilienz stärkt. Das Tandem ist zentrales Element. Die Mut-Tour macht Vertrauen, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit erfahrbar. Das Motto der Mut-Tour 2026 lautet „Gemeinsam irre mutig“.
„Wenn man in Bewegung kommt, kommt man wieder in Verbindung – mit der Natur, mit Menschen und mit sich selbst“, so Marcel Schmitz, Teilnehmer der Mut-Tour seit 2022.
Am Denkmal auf dem Gießener Kirchenplatz kam das Tandemteam der Mut-Tour mit vielen Passanten ins Gespräch zum Thema psychische Gesundheit. Auch das Wanderteam des Vereins Mut fördern wurde in Gießen feierlich empfangen. Die Tagesroute führte die Teilnehmenden zu Fuß von Lich nach Gießen, wo die Etappe nach acht Tagen ihren Abschluss fand. Begrüßt wurde die Gruppe von Vertretern des Bündnisses gegen Depression Gießen sowie des sozialpsychiatrischen Dienstes Gießen.
Die Begegnung fand in der Gießener Fußgängerzone statt und bot die Gelegenheit, mit zahlreichen interessierten Passanten ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde offen über das Thema Depression, mögliche Hilfsangebote und Wege der Unterstützung gesprochen.