Ziel des Neugeborenen-Lotsendienstes (NeLoDi) ist es, werdende Eltern und Familien mit Neugeborenen frühzeitig zu erreichen und ihnen in der neuen Lebenssituation passgenaue Hilfe anzubieten. Projektpartner sind der Landkreis, die Stadt Marburg, das Universitätsklinikum in Marburg sowie das hessische Familienministerium.
Belastungen gegensteuern
Die zunehmenden Belastungen junger Familien, wie fehlende Sozial- oder Familienstrukturen, finanzielle Notlagen, besondere Schwierigkeiten in der Alleinerziehung, Zuwanderungserfahrungen und andere Herausforderungen, sind wahrnehmbar. Nicht alle Familien verfügen über ausreichende Ressourcen, diese Belastungen zu kompensieren und somit am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Hilfen in Form von Beratungs- und Unterstützungsangeboten, die möglichst frühzeitig, schon während einer Schwangerschaft, greifen, können gegensteuern. Jedoch finden nicht alle Familien eigenständig den Weg zu den entlastenden Hilfsangeboten. Besonders Familien, die sich in ausgeprägten Belastungssituationen befinden.
„Genau hier möchten wir eine Schnittstelle etablieren. Der NeLoDi ist ein wegweisendes Projekt, das sehr früh ansetzt, um junge Familien in ihrer ersten Lebensphase zu begleiten und zu entlasten“, sagte Landrat Jens Womelsdorf bei der Vorstellung des Projekts. Durch die Anbindung an das UKGM könne eine Lücke in der Präventionskette geschlossen werden. „Wir möchten den Familien nicht nur medizinische Versorgung bieten, sondern auch psychosoziale Unterstützung und Hilfsangebote aufzeigen, damit sie gut in das Familienleben starten können“, ergänzte Marburgs Bürgermeisterin Nadine Bernshausen.
Brücke schlagen
Auch Dr. Siegmund Köhler (leitender Arzt der Geburtshilfe am UKGM Marburg) betonte die Bedeutung: „Der Neugeborenen-Lotsendienst schafft eine notwendige Brücke zwischen der medizinischen Betreuung unter der Geburt in der Klinik und den sozialen Angeboten und familiären Strukturen im Alltag danach. Man möchte glauben, dass in unserer multimedialen Welt der Übergang von einer Partnerschaft in eine Familie organisierbar ist. Aber das Gegenteil ist der Fall. Viele Mütter, Väter, Eltern sind nach der Geburt, in der neuen Situation, alleingelassen und überfordert.“
Der Neugeborenen-Lotsendienst könne wesentlich zur Verbesserung der Frauen- und Neugeborenen-Gesundheit beitragen. Der Neugeborenen-Lotsendienst wird von den beiden Lotsinnen Monika Ellenberger und Claudia Plociennik umgesetzt. Die pädagogischen Fachkräfte werden entweder schon vor der Geburt des Kindes oder direkt danach noch in der Klinik mit den Eltern Kontakt aufnehmen, um deren psychosoziale Bedürfnisse zu erkennen und sie an die passenden Unterstützungsangebote weiterzuvermitteln. Diese Angebote umfassen unter anderem Beratungsstellen, Projekte wie „Steps“ und „Menschenskind“, Austausch- und Vernetzungsangebote für die Familien sowie Frühförderstellen und weitere Netzwerkpartner aus den Bereichen Frühe Hilfen und Kinderschutz. Diese Angebote sind niedrigschwellig und reichen von Gruppentreffen bis zu langfristiger Unterstützung. Die Lotsinnen freuen sich, mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum präventiven Kinderschutz und zur Stärkung der Familien zu leisten: „Es ist uns ein Anliegen, Familien in einer besonders sensiblen Phase ihres Lebens nicht allein zu lassen!“
Kostenfreies Angebot
Das Projekt stellt ein niedrigschwelliges, freiwilliges und kostenfreies Angebot dar. Die Lotsinnen arbeiten dabei eng mit den bestehenden Netzwerken der Frühen Hilfen zusammen und können auf ein breites Spektrum an lokalen Unterstützungsangeboten zurückgreifen. Das Projekt wird durch eine wissenschaftliche Evaluation begleitet, die es ermöglicht, den Erfolg des Angebots zu messen und weiter zu verbessern. Das UKGM übernimmt neben der Koordination des Lotsendienstes auch diese Begleitung und Evaluation.