Es wurde rege diskutiert, es wurden Motive entworfen, Ideen gesammelt. Das Thema traf offenbar einen Nerv bei den Gießenern: Die Stadtverordnetenversammlung hatte im vergangenen Jahr beschlossen, dass die Ampelmännchen an den Fußgängerüberwegen am Gießener Anlagenring durch andere, stadtspezifische Motive ersetzt werden sollten.
Dickhäuter bei Abstimmung vorne
Wenn es den Gießenern nachgehen würde, würden nach einer Bürgerbeteiligung aus den klassischen Ampelmännchen Ampelelefanten werden. Denn: Die Mehrzahl der Stimmen in der Beteiligung auf www.giessen-direkt.de versammelten die sympathischen Elefantenmotive – in augenzwinkernder Anlehnung an den berühmt-berüchtigten Fußgängerüberweg am Selterstor, dem Gießener Elefantenklo. Aus 70 eingereichten Vorschlägen hatten rund ein Drittel aller insgesamt 341 Bewertungen für den Dickhäuter als Motiv gestimmt.
Was so sympathisch daherkommt, ist allerdings leider nicht umsetzbar. Nach einer Prüfung der städtischen Straßenverkehrsbehörde musste der Elefant als Motiv ausscheiden. Genauso wie die ebenfalls beliebten Gießkannen (als Symbol für Gießen), Schwäne (in Anlehnung an den beliebten Schwanenteich), Motive aus der Popkultur als Zeichen für die junge Stadt oder die Gruppe der Schwätzer, die allen Schlammbeisern aus Gießen aus der Fußgängerzone bekannt sind.
Symbol muss ein Mensch sein
Denn die bundesweit gültige Straßenverkehrsordnung bestimmt, dass ein Mensch zu sehen sein muss, der eindeutig das Gehen („Grün“) und Stehen („Rot“) symbolisiert. Insbesondere Menschen mit Sehbehinderung und Kinder müssen schnell erkennen können, was das Symbol bedeutet. Nicht erlaubt sind deshalb: Tiere, reine Gegenstände, Fantasiezeichen oder Personengruppen.
Vier Motive umsetzbar
Dafür soll es aber andere Gießen-spezifische Figuren geben, die künftig die Ampeln zieren werden. Aus der Liste der kreativen Vorschläge wurden vier Motive als umsetzbar herausgearbeitet, die jeweils eine stadtspezifische Verbindung haben:
- ein Ampelmensch, der eine Gießkanne in der Hand hält – als Hinweis auf den Stadtnamen Gießen
- ein Ampelmensch, der einen Basketball führt – als Hinweis auf die lebendige Basketballtradition der Stadt
- eine Figur mit Doktorandenhut – als Hinweis auf die Bedeutung der Hochschulen und Bildung in der Universitätsstadt
- ein Schlammbeiser, der einen Eimer und eine Schaufel in der Hand hält – als Hinweis auf die historische Figur, die einst die Gruben der Stadt leerte.
Aus diesen Grundideen sollen nun in einem weiteren Schritt Grafiken erstellt werden, die auch technisch umsetzbar sind. Dafür arbeitet die Stadt mit der Willy-Brandt-Schule zusammen, deren Schüler sich selbst schon stark mit Ideen an dem Wettbewerb beteiligt hatten: Von der jetzigen Abschlussklasse mit dem Schwerpunkt Gestaltung stammten bereits verschiedene kreative Vorschläge in der Bürgerbeteiligung.
Bei einem gemeinsamen Termin stimmten nun Bürgermeister Alexander Wright, Christina Flecke und Holger Hedrich vom Ordnungsamt zusammen mit Schülern, Schülerinnen und Klassenlehrerin Richter-Wolff die Details und Anforderungen an die künftigen Ampelfiguren ab. Im kommenden Schulhalbjahr soll sich dann die neue Abschlussklasse intensiv mit der Aufgabe beschäftigen und die Entwicklung und Umsetzung der neuen Ampelmännchen gestalterisch begleiten. Es bleibt also spannend.