29. April 2026, 13:00 Uhr

Buseck

Fund von 1846 in Beuerner Kirche

Ein überraschender Fund hat die laufenden Sanierungsarbeiten in der Kirche Beuern zu einem besonderen Ereignis gemacht.
29. April 2026, 13:00 Uhr
Erster Blick auf die historischen Dokumente – nach fast 180 Jahren im Inneren des Altars in Beuern. Foto: Lindenstruth

Im Inneren des Altars der Kirche im Busecker Ortsteil Beuern wurde bei der Sanierung eine verschlossene Flasche entdeckt – ihr Inhalt ist fast 180 Jahre alt.

Die Geschichte begann bereits im März 2022, als ein etwa 50 mal 50 Zentimeter großes Stück der Kirchendecke herabfiel. Aus Sicherheitsgründen musste das Gotteshaus zunächst vollständig gesperrt werden. Ein Schutznetz wurde installiert, doch die Empore blieb unbenutzbar. Es folgte eine lange Phase mit Gutachten, Planungen und Genehmigungen, bevor schließlich im Januar 2025 die Bauarbeiten im Rahmen einer umfassenden Innensanierung beginnen konnten. Die Gesamtkosten liegen bei rund 480.000 Euro, etwa 80 Prozent davon trägt die Landeskirche.

Die abschließenden Arbeiten dauern derzeit noch an: Der Turmraum wird neugestaltet und auch im Altarbereich wurden Veränderungen vorgenommen. Ursprünglich stand der Altar auf drei Stufen – eine davon wurde jetzt entfernt. Dabei musste der Altar geöffnet werden, was zu der unerwarteten Entdeckung führte.

Zufallsfund

„Die Arbeiter haben die Altarplatte angehoben und dabei die Flasche entdeckt“, berichtet Pfarrer Stefan Becker. „Als ich dazu kam und wir hineinschauten, war im Licht der Baustrahler zu erkennen, dass sich Papiere darin befinden.“

Im Inneren befand sich eine sorgfältig verschlossene Flasche mit zwei handbeschriebenen Zetteln aus dem Jahr 1846. Die Flasche wurde geöffnet, der Inhalt dokumentiert und anschließend wieder an ihren ursprünglichen Platz im Altar zurückgelegt.

Die Transkription der historischen Dokumente übernahm die Archivarin der Gemeinde Buseck, Elke Noppes. Der erste Zettel stammt von Hartmann Wenderoth, einem Weißbindermeister aus Lich, der die Arbeiten an der damals neu erbauten Kirche gemeinsam mit 14 Gesellen ausführte. In dem Schreiben nennt er nicht nur seinen eigenen Werdegang, sondern führt auch detailliert die Namen und Herkunftsorte seiner Mitarbeiter auf – ein wertvolles Zeugnis regionaler Handwerksgeschichte. Das Kirchenschiff wurde zwischen 1844 und 1847 errichtet, der Turm der Kirche ist sogar rund 800 Jahre alt.

Von Hartmann Wenderoth verfasst

Die Notiz erhält zusätzliche Bedeutung durch die Lebensgeschichte ihres Verfassers: Hartmann Wenderoth starb bereits 1848 im Alter von nur 43 Jahren in Lich. Er war zweimal verheiratet, doch aus beiden Ehen überlebten offenbar nur zwei Kinder. Seine Tochter Anna Elisabeth wanderte später nach Amerika aus, während sein Sohn Ferdinand – zunächst unehelich geboren und erst Jahre später anerkannt – ebenfalls im Dokument genannt wird. Wenderoths zweite Ehefrau Elisabeth, geborene Hisgen, entstammte zudem einer bekannten Licher Künstlerfamilie: Sie war eine Enkelin des Kirchenmalers Daniel Hisgen.

„Interessant ist, dass es kein offizielles Dokument des Fürsten, Pfarrers oder der Kirchengemeinde ist, sondern von den Arbeitern selbst stammt“, sagt Becker. „Offenbar wollten sie, dass man sich später einmal an sie erinnert und vermutlich haben sie darüber auch niemanden informiert.“

Dokumente von Philipp Hoffmann

Der zweite Zettel dokumentiert die Schreinerarbeiten, die von Schreinermeister Philipp Hoffmann aus Bersrod ausgeführt wurden. Beide Dokumente sind auf den 27. November 1846 datiert.

„Wir haben die Flasche aus Respekt vor den Menschen wieder zurückgelegt, die sie damals dort hinterlassen haben“, erklärt Becker. „Ihre Arbeit hat schließlich fast 180 Jahre gehalten.“ Zusätzlich wurde eine Notiz zu den Fundumständen sowie eine Transkription der Texte beigelegt. Auch die heutigen Bauarbeiter wurden angeregt, eine eigene Flasche mit ihren Namen zu hinterlassen. Der Fund wurde fotografisch dokumentiert und soll künftig der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Der Überraschungsfund in der Beuerner Kirche bietet einen faszinierenden Einblick in die Entstehungszeit der Kirche und macht die Geschichte der beteiligten Handwerker bis heute greifbar. Für die Beteiligten der aktuellen Bauarbeiten und die Kirchengemeinde ist er ein besonderes Highlight – und eine Verbindung über Generationen hinweg.

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