16. September 2026, 13:00 Uhr

Mücke

Erzgewinnung wie bei den Vorfahren

Die Erzweg-Projektgruppe führte ihren lange vorbereiteten Versuch, mit einem Rennofen aus Eisenerz schmiedefähiges Eisen zu gewinnen, in Nieder-Ohmen durch.
16. September 2026, 13:00 Uhr
Gespannt verfolgten die Anwesenden in Nieder-Ohmen den Schmelzvorgang. Foto: Karl-Ernst Lind

Endlich war es so weit und die Erzweg-Projektgruppe konnte ihren lang vorbereiteten Versuch, mit einem Rennofen aus Eisenerz schmiedefähiges Eisen zu gewinnen, in Nieder-Ohmen durchführen. Auf dem Privatgelände von Bernd Wißner wurden dafür gleich zwei Rennöfen gebaut.

Naturöfen aus Lardenbacher Lehm

Angefeuert wurden die 1,20 Meter großen Naturöfen, die größtenteils aus Lardenbacher Lehm gefertigt wurden, mit Holzkohle. Die frühere herkömmliche Eisenschmelzung erfolgte auch oft in Wäldern, wo heute stellenweise noch Reste von Schlacke zu finden sind. Die Eisenschmelze sollte in fachlicher Begleitung des erfahrenen Rennofenbauers Matthias Fischer nicht nur ein Experiment sein, sondern zugleich auch die Geschichte dieses Erzgewinnungsverfahrens aufzeigen.

Zur Vorbereitung wurde von den Mitgliedern der Projektgruppe im Laufe der Jahre eine Anzahl an eisenhaltigen Steinen auf den Feldern und Gruben von einstigen Abbaugebieten gesammelt. Als eine der ersten Verarbeitungen standen das Waschen und das Rösten an. Das Rösten bewirkt neben dem Bröseln noch die Trennung von restlicher Erde und weiteren Materialien. Durch den Einsatz einer Steinmühle wurde das zerbröselte Eisenerz nochmals verkleinert und damit für die Verhüttung im Ofen zubereitet.

Auf einem Erdloch, das später beim Schmelzen die Schlacke aufnehmen sollte, wurden mit handgeformten Lehmrieben die beiden Öfen hochgezogen. Zur Belüftung steckte im unteren Bereich eine Düse, durch die ein elektrisches Belüftungsgerät den notwendigen Sauerstoff für den Brennvorgang zuführte. In der Vergangenheit wurde dies mithilfe eines Blasebalgs bewirkt.

Die Befüllung der beiden Öfen fand schichtweise mit Holzkohle und jeweils einem Kilogramm zerkleinerter Erzmasse statt. Nach dem etwa sechs Stunden andauernden Schmelzvorgang lagen vor der Öffnung der beiden Öfen jeweils 35 Kilogramm Schmelzeisen.

Mit Interesse verfolgten die Zuschauer das Schicht für Schicht durchgeführte Abtragen des Lehms und das Öffnen des Ofens. Das in der Glut vorhandene Erz wurde anschließend durch kräftige Hammerschläge von der anhaftenden Schlacke und der restlichen Holzkohle getrennt. Das übrig gebliebene reine Eisenerz brachte Schmied Bernd Wißner in eine flache, schmiedegerechte Form. Entstehen werden nach einer Weiterbearbeitung handgemachte Messer aus heimischem Material.

Bei der zweitägigen Veranstaltung auf dem Freigelände konnten sich die Besucher bei der von Karl-Heinz Hartmann erstellten Präsentation über die Geschichte des Eisenerzabbaus in der heimischen Region sowie über die Arbeit der Projektgruppe informieren. Informationstafeln zur Erzgewinnung mit dem Abbau, der Erzwäsche, dem Transport und der Verhüttung gaben einen ausführlichen Einblick in die einzelnen Arbeitsgänge.
Interesse fanden auch die von dem verstorbenen Gruppenmitglied Werner Wißner gefertigten Modelle.

Lang gehegten Traum erfüllt

Nach Abschluss der Aktion freuten sich neben dem Rennofenbauer Matthias Fischer und Grundstücksbesitzer Bernd Wißner auch die beteiligten Erzweggruppen-Mitglieder Karl-Heinz Hartmann, Peter Hess, Norbert Theis, Wolfgang Orth, Oliver Fahrenbach, Karl-Ernst Lind, Sabine Bolland-Hess und Wilfried Schmidt über die Erfüllung und den Erfolg eines lang gehegten Traums. 

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