01. Oktober 2025, 13:00 Uhr

Lich

Erfolgreicher Almabtrieb in Nieder-Bessingen

Die Regenfälle konnten die gute Stimmung beim mittlerweile 17. Almabtrieb in Nieder-Bessingen keinesfalls trüben, als die 23 Kühe samt Bulle Julius durch die Straßen zogen.
01. Oktober 2025, 13:00 Uhr
Bulle Julius lief an der Spitze, der Rest der Herde sowie viele begeisterte Zuschauer und Zuschauerinnen folgten. Foto: Berger

Rechtzeitig zum Herbstanfang wurde auf die Herbstweide umgezogen, da strahlte dann später sogar die Sonne kurz hinter der Wolkendecke hervor.

Trotz der zuvor nächtlichen Regenfälle ließen sich zahlreiche Besucher das ungewöhnliche Schauspiel im Licher Stadtteil nicht entgehen. Auch Bürgermeister Dr. Julien Neubert war zum Sportplatzgelände gekommen, wo rund 100 Menschen auf die Ankunft der Herde warteten und die Bessinger Säustallschwalben ein lautstarkes »Von der Albertshöhe kommen wir« anstimmten.

Von dort kamen zunächst elf Schlepper angetuckert, die einen Einblick in die Geschichte dieser Fahrzeuge boten. Fendt, Fahr, Hanomag, Bührer, Massey-Ferguson, Holder und sogar ein Hürlimann mit Schweizer Nationalflagge samt Planwagen kamen angerollt, und auch ein Lanz Holzgasschlepper, der 1954 in Lich auf Halbdieselmotor umgebaut wurde, war mit dabei.

922 Kilo schwerer Bulle Julius an der Spitze

Dann endlich folgte die Kuhherde mit dem von Ingo Lotz geführten Bullen Julius an der Spitze. Später beim Schätzspiel in und um den Kaffeehannes galt es erstmals, das Gewicht des Bullen zu schätzen. Mit 922 Kilogramm konnte dieser nicht wie sein Vorgänger Toni die Tonnenmarke übertreffen. Das rund 40-minütige Schauspiel hatte einmal mehr zahlreiche Besucherinnen und Besucher nach Nieder-Bessingen gelockt, wobei angesichts der Wolkendecke doch viele Radfahrer und -fahrerinnen lieber zu Hause geblieben waren.

Dankbarkeit für Tiere und Gäste

Dennoch gab es im Festzelt vor der Kult-Gaststätte, die in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feierte, keinen freien Platz mehr. Vor allem die mit Blumengebinden geschmückten Kühe boten für die Schaulustigen ein herrliches Foto- und Filmmotiv. Das Schmücken der Kühe gilt als sichtbares Zeichen der Wertschätzung für die Tiere. Es ehrt die Kühe und die Bauernfamilie. Während das Duo Philipp und Werner Wöll mit Verstärkung im Zelt für Stimmung sorgte und die drei Alphornbläser (Kurt Förster, Rainer Stark und Hans Kuhner) ihre langen Instrumente erklingen ließen, wurde Wieland Geißler verabschiedet, der sich als Moderator des Almabtriebs zurückzog, nachdem er diesen 16 Jahre kommentiert hatte.

Kaffeehannes-Wirtin Christel Lotz hatte angesichts des 200-Jährigen die Aufgabe des Fassbieranstichs an Ingo Lotz delegiert, der sich zunächst bei den vielen Helfenden, Mitwirkenden und Freiwilligen bedankte, die dieses Fest überhaupt erst ermöglichen: »Ich muss sagen, es ist ein Wahnsinn, was meine Freunde, was meine Familie hier bei diesem Fest alles leistet«.

Vom ausgezeichneten Besuch zeigte sich Lotz vollauf begeistert. Vor allem die zahlreichen Interessierten entlang des Weges von der Albertshöhe über den Sportplatz ins Dorf belohnten mit ihren strahlenden Gesichtern all die Arbeit. 24 Stunden nach dem Fassbieranstich beim Oktoberfest in München lag die Messlatte für Ingo Lotz hoch, denn der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter hat in diesem Jahr bloß zwei Schläge benötigt. In Nieder-Bessingen war es dann mit 15 Schlägen geschafft, was aber weder Bier noch Feierlaune trübte.

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