Jeder in der Region dürfte die rot-weißen Rettungshubschrauber der Johanniter schon etliche Male am Himmel auf dem Weg zu einem Einsatz gesehen haben. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Denn das Land Hessen hat der Johanniter-Luftrettung die Dienstleistungskonzession zur Durchführung der Luftrettung in Form des ITH-Systems bis mindestens zum Jahr 2032 erteilt, verlängerbar durch den Auftraggeber bis zum Jahr 2036.
System, das jede Anforderung meistert
Am Luftrettungszentrum Gießen und dem Luftrettungsstandort Reichelsheim betreibt die Johanniter-Luftrettung ein in dieser Form deutschlandweit einzigartiges System: Die Hubschrauber Christoph 90 Gießen und Christoph 91 Mittelhessen sind als System so aufgestellt, dass sie jegliche Intensivtransporte durchführen und bei Bedarf auch zu Notfalleinsätzen alarmiert werden können. Die beiden Hubschrauber unterscheiden sich in Größe, Kapazität und Einsatzschwerpunkten und können so jede Anforderung bedienen.
Während Christoph Gießen die Hauptmaschine darstellt, die rund um die Uhr für Intensivverlegungen und Notfalleinsätze (sogenannte Sekundär- und Primärtransporte) einsatzbereit ist, fungiert Christoph Mittelhessen im Tagbetrieb als Ergänzungs- und Verstärkermaschine mit Schwerpunkt auf planbare Intensivtransporte, oft mit besonderen Herausforderungen. Die Maschine aus der Wetterau verlegt Patientinnen und Patienten nicht selten über mehrere hundert Kilometer hinweg, in Spezial- oder Rehakliniken. Diese Einsätze dauern oft mehrere Stunden.
Gegenüber der Hauptmaschine in Gießen vom Typ Airbus H 145 D3, dem aktuell modernsten Hubschrauber in der zivilen Luftrettung, bietet die Verstärkermaschine Christoph Mittelhessen vom Typ Airbus H 155 B1, der größte Hubschrauber in der zivilen Luftrettung in Deutschland, eine höhere Zuladekapazität und Geschwindigkeit sowie eine größere Kabine. Dadurch kann zusätzliches ärztliches Personal mitfliegen, aber auch mehr medizinisches Equipment mitgenommen werden. Durch die größere Reichweite sind mit dem Hubschrauber aus Reichelsheim Transporte quer durch die Republik ohne Tankstopp möglich.
Zu den Spezialtransporten von Intensivpatienten zählen Verlegungen infektiöser Patienten mit dem Infektionstransportschutzsystem IsoArk – während der Corona-Pandemie bundesweit im Einsatz –, Inkubator-Transporte für die jüngsten und kleinsten Patienten – die Frühchen – sowie Schwerlasttransporte für Patienten bis maximal 350 Kilogramm Körpergewicht. Ein weiteres Spezialgebiet sind die sogenannten ECMO-Transporte, bei denen schwerstkranke Patienten durch mit Sauerstoff angereichertes Blut über eine Herz-Lungen-Maschine beatmet werden.
„Das bedeutet Kontinuität für Hessen, bewährte Strukturen für Kliniken und Leitstellen. Die Beauftragung gibt unseren Mitarbeitenden die Planungssicherheit, die sie verdienen, und stellt sicher, dass die Patientinnen und Patienten in Hessen auch künftig auf höchstem Niveau versorgt werden. Das Dual-Use-System, das wir in Hessen betreiben, ist in dieser Form einzigartig“, unterstreicht Oliver Meermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Johanniter-Luftrettung und Bundesvorstandsmitglied der Johanniter-Unfall-Hilfe.
Die Johanniter-Luftrettung ist bereits seit dem Jahr 1995 in Hessen tätig. Seit dem Jahr 2003 führt sie im Auftrag des Landes luftgebundene Intensivtransporte durch. Im Jahr 2014 hat die Johanniter-Luftrettung ihren Schwerpunkt von Reichelsheim nach Gießen verlegt und dort das Luftrettungszentrum eröffnet. Hier befindet sich auch der Verwaltungssitz des Unternehmens, das formal ein unselbstständiger Teil der Johanniter-Unfall-Hilfe ist.
Der ITH Christoph Gießen ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit, der ITH Christoph Mittelhessen am Standort Reichelsheim im erweiterten Tagbetrieb von 9 Uhr bis 21 Uhr an 365 Tagen im Jahr. Auch benachbarte Bundesländer greifen bei Bedarf auf die hessischen Intensivtransporthubschrauber der Johanniter-Luftrettung zurück.