27. März 2026, 13:00 Uhr

Gießen

Bundesministerin besuchte Fraunhofer-Institut

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär war zu Gast beim Fraunhofer-Institut in Gießen.
27. März 2026, 13:00 Uhr
Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Kornelia Hardes zeigt Ministerin Dorothee Bär das Hochsicherheitslabor des Fraunhofer IME. Foto: Kim Weigand/Fraunhofer

Im Mittelpunkt des Besuchs im Institutsteil Bioressourcen des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME standen innovative Ansätze für eine nachhaltige Landwirtschaft – vom neuartigen RNAi-Spray gegen den Kartoffelkäfer bis zur Nutzung von Insektenlarven als Proteinquelle und nachhaltigen Dünger.

Zu Beginn des Besuchs erhielt Ministerin Bär von der Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Kornelia Hardes Einblicke in das Hochsicherheitslabor des Fraunhofer IME. Ihre vom BMFTR mit mehr als drei Millionen Euro finanzierte Nachwuchsgruppe erforscht einerseits neue Wirkstoffe gegen Virusinfektionen und andererseits neue Technologien für die nachhaltige und umweltfreundliche Bekämpfung invasiver Moskitos wie der Tigermücke, die unter anderem Dengue-, Gelbfieber- und Zika-Viren auf den Menschen übertragen kann.

Die Doktorandin Leonie Graser stellte das weltweit erste RNAi-Spray gegen den Kartoffelkäfer vor: Calantha, das 2023 in den USA zugelassen wurde. Eine gemeinsame Studie von »GreenLight Biosciences«, dem Fraunhofer IME, Institutsteil Bioressourcen, und der Justus-Liebig-Universität Gießen zeigt: Das Spray schaltet gezielt ein lebenswichtiges Gen im Kartoffelkäfer aus und wirkt hochspezifisch über eine Störung des Proteasoms – ein wichtiger Schritt hin zu umweltverträglichem Pflanzenschutz.

Neue Ära im Pflanzenschutz

Prof. Dr. Andreas Vilcinskas, Institutsteilleiter »Bioressourcen« des Fraunhofer IME, erforscht bereits seit 2006, wie die RNA-Interferenz zur umweltfreundlichen Bekämpfung von Schad- und Vektorinsekten nutzbar gemacht werden kann. Nach der Zulassung des von »GreenLight Biosciences« entwickelte RNAi-Sprays, konnte das Fraunhofer IME in Kooperation den Wirkmechanismus nachweisen und charakterisieren. Damit ist eine neue Ära im Pflanzenschutz eingeleitet worden, denn diese Entdeckung könnte es ermöglichen ein RNAI-Spray Zulassungsverfahren in Europa zu unterstützen.

Gießen weltweit führender Standort

Im anschließenden offiziellen Teil begrüßte Prof. Dr. Andreas Vilcinskas die Ministerin und die geladenen Gäste. Er erläuterte, warum Gießen in der Insektenbiotechnologie als weltweit führender Standort gilt und wie mit der Gelben Biotechnologie neue Wege für den nachhaltigen Pflanzenschutz und eine ressourcenschonende Landwirtschaft erschlossen werden. »Unsere Forschung reicht von RNAi-basierten Biopestiziden bis hin zur Nutzung von Insekten als Proteinquelle und nachhaltigem Dünger. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zur Agrarwende«, eröffnete Vilcinskas.

Dorothee Bär hob die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Arbeiten in Gießen hervor: »Die Arbeiten am Fraunhofer IME haben nicht nur wissenschaftliches, sondern auch ein enormes wirtschaftliches Potenzial für unsere Agrar- und Nahrungsmittelindustrie, weil ihre Technologieentwicklung dazu beiträgt, die durch Schadinsekten verursachten wirtschaftlichen Einbußen zu verringern. Und wir reden hier nicht von Peanuts: Weltweit gehen jährlich bis zu 40 Prozent der Ernteerträge durch Schädlinge und Krankheiten verloren – im Wert von rund 200 Milliarden Euro.«

Insektenlarven mit Chili

Darüber hinaus präsentierten hessische Start-ups, die am Fraunhofer IME angesiedelt sind, der Ministerin ihre innovativen Produkte im Bereich Agrar- und Insektenbiotechnologie und zeigten, wie aus Forschung marktfähige Lösungen entstehen. Ein besonderes Highlight war die Verkostung von mit Chili gewürzten Insektenlarven. Nach der Kostprobe kommentierte Dorothee Bär augenzwinkernd: »Mit Chili schmecken die gar nicht so übel.«

0
Kommentare | Kommentieren