09. April 2026, 17:30 Uhr

Neustadt

Aufwertung von Naturschutzgebiet

Das Maculinea-Schutzgebiet bei Neustadt hat einen neuen, naturnahen Bachlauf. Dadurch ist die zuvor durch einen Rohrbruch vernässte Fläche inzwischen wieder für die Landwirtschaft nutzbar.
09. April 2026, 17:30 Uhr
Landrat Jens Womelsdorf, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Neustadts Bürgermeister Thomas Groll (links, von vorne) sowie Vertreter des Landkreises, des Regierungspräsidiums und der Stadt Neustadt auf den neuen Trittsteinen, mit denen der Wanderweg trockenen Fußes gelaufen werden kann. Foto: Maximilian Schlick/Landkreis

Auch viele dort heimische Tier- und Pflanzenarten profitieren von der Maßnahme am Ende des vergangenen Jahres, weil das Wasser nun gezielt in deren Lebensräume gelenkt wird. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Landrat Jens Womelsdorf und Neustadts Bürgermeister Thomas Groll machten sich, rechtzeitig zum Beginn des Frühjahres, vor Ort ein Bild vom Erfolg der Arbeiten.

Den Namen „Maculinea-Schutzgebiet“ hat das sogenannte FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) wegen des dort vorkommenden gleichnamigen und seltenen Schmetterlings. Nach gründlicher Planung, Bereitstellung von Flächen seitens der Stadt Neustadt und der Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung haben die Beteiligten mit der Umsetzung des Projekts im Januar 2025 begonnen und es im September erfolgreich abgeschlossen. Der Landkreis mit seinem Fachbereich „Ländlicher Raum und Verbraucherschutz“ hat im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde des RP Gießen als Projektträger das Management des Projekts übernommen. Die Finanzierung hat das Land Hessen im Rahmen des „Klimaplans Hessen 2030“ bereitgestellt.

„Das ist ein schönes Beispiel für behördenübergreifende Zusammenarbeit zur Stärkung der Natur und dafür, dass Naturschutz und landschaftliche Nutzung sich nicht ausschließen, sondern sich sinnvoll ergänzen können“, betont Landrat Jens Womelsdorf.

Rohrbruch vernässte Grünland und Wege

Wegen eines Rohrbruchs einer historischen Wasserleitung der Stadt im Bereich Rohrhecke an der Grenze zum Vogelsbergkreis traten seit Sommer 2022 große Wassermengen aus und vernässten großflächig bis zu drei Hektar Grünland sowie landwirtschaftliche Wege. Eine Reparatur der über 100 Jahre alten Wasserleitung war wegen des baulichen Zustandes allerdings nicht zielführend. Zudem wurden rasch neue Lösungen zur Wasserversorgung für die bisherigen Abnehmer gefunden.

Eine sinnvolle Lösung konnte daher nur eine geordnete, oberflächliche Ableitung des heraussprudelnden Wassers darstellen. Ein geeignetes, jedoch bereits seit einiger Zeit trockengefallenes Grabensystem war bereits in Teilen vorhanden und wurde durch die Anlage kurzer, neuer Gewässerabschnitte ergänzt.

Durch diese Umstände bot sich die Gelegenheit, eine großflächige ökologische Aufwertung des FFH-Gebietes zu erreichen: Es entstand wieder ein wertvoller Lebensraum für sogenannte Klimaverlierer-Arten wie Feuersalamander, Geburtshelferkröte, Kammmolch und Laubfrosch. Das Besondere am Projekt ist auch, dass nun ganzjährig austretendes Quellwasser zur Verfügung steht, welches den Wasserhaushalt im Gebiet positiv beeinflusst und so dazu beiträgt, dass in trockenen Sommermonaten die Gewässerlebensräume vor dem Austrocknen bewahrt werden.

Positives Fazit der Maßnahmen

Wie erwartet hat sich somit über den Sommer ein neuer Lebensraum im Wasser entwickelt. Mit einer neu angelegten und naturnah gestalteten Furt kann der Weg nun wieder mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt werden. Dank der verbauten Trittsteine in der Furt lässt sich der beliebte Wanderweg Gauklerrunde zudem trockenen Fußes beschreiten.

Auch das stark vernässte Grünland ist mittlerweile wieder abgetrocknet. Der bewirtschaftende Landwirt ist sich sicher, dass die Fläche im nächsten Sommer deshalb wieder zur Heumahd genutzt werden kann. Das ist auch für den Naturschutz wichtig, denn bei den betroffenen Flächen handelt es sich um wertvolles, artenreiches Grünland. Durch die Vernässung bestand jedoch die Gefahr, dass die Fläche nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden konnte. In deren Folge drohte der Verlust von unter Schutz stehenden und an eine spezielle landwirtschaftliche Nutzung angepassten Lebensräumen und Arten. Denn für den Erhalt der dort vorkommenden Arten ist eine regelmäßige Mahd unverzichtbar.

„Durch das Projekt ist es somit gelungen, einen Gewinn sowohl für die Artenvielfalt und den Naturschutz als auch für das Naturerlebnis und die Landwirtschaft zu erzielen“, freuen sich Landrat, Regierungspräsident und Bürgermeister.

Die Arbeiten zur Neuanlage und Renaturierung des Gewässersystems hat ein ortsansässiger Landschaftspflegebetrieb umgesetzt. Das Gebiet ist Teil des sogenannten Natura 2000, eines zusammenhängenden Netzwerks von Schutzgebieten in der EU, das gefährdete Lebensräume und Arten grenzübergreifend bewahren soll. Für die Betreuung sind in Hessen die Regierungspräsidien zuständig. In diesem konkreten Fall hat der Landkreis die Umsetzung der Maßnahmen in dem Gebiet bei Neustadt in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Gießen übernommen.

Ein Filmteam aus Marburg begleitete die Arbeiten und hat einen Film über das Projekt fertiggestellt. Dieser ist auf dem Kanal des Landkreises unter www.youtube.com/@MarburgBiedenkopfmeinLandkreis aufrufbar.

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