13. Juni 2026, 13:00 Uhr

Marburg

AFK fordert entschlossenes Handeln

Bei der Versammlung des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen stand unter anderem die Zukunftsfähigkeit des Standorts Marburg im Mittelpunkt.
13. Juni 2026, 13:00 Uhr
Die Mitglieder des AFK Marburg, (v.l.) Michael Müller, Kerstin von Heemskerck, Jana Schönemann, Jan-Bernd Röllmann, Marion Closmann, Annette Klingelhöfer und Andreas Bartsch, fordern zum entschlossenen Handeln auf. Foto: AFK Marburg

Bei der Mitgliederversammlung des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen Marburg (AFK) ging es vorrangig um die wirtschaftliche Lage Deutschlands, die Zukunftsfähigkeit des Standorts Marburg sowie die aktuellen Herausforderungen für die heimische Wirtschaft.

Der Vorsitzende des AFK Marburg, Jan-Bernd Röllmann, machte in seinem Bericht deutlich, dass sich Deutschland und auch Marburg in einer wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernden Phase befinden. „Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Viele Unternehmen kämpfen mit hohen Energie-, Bürokratie- und Personalkosten. Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Verunsicherung in Wirtschaft und Gesellschaft. Gerade jetzt benötigen wir Mut, Zuversicht und den klaren politischen Willen, Probleme endlich entschlossen anzugehen“, erklärte Röllmann.

Warnsignale am Pharmastandort

Besonders kritisch bewertete der AFK die aktuelle Entwicklung am Pharmastandort Marburg. Der angekündigte Stellenabbau sowie die Schließungen von Biontech, CSL-Innovation und Nexelis am Behring-Standort seien ein deutliches Warnsignal.

„Der Pharmastandort Marburg war über Jahrzehnte zentraler Motor für Beschäftigung, Innovation und Wohlstand. Die aktuellen Entwicklungen treffen viele Menschen unmittelbar und schwächen zugleich den gesamten Wirtschaftsstandort. Deshalb muss jetzt alles darangesetzt werden, Marburg als attraktiven Industrie-, Forschungs- und Innovationsstandort zu sichern und weiterzuentwickeln“, sagte Röllmann.

Der AFK Marburg verabschiedete einen Fünf-Punkte-Forderungskatalog an Politik und Verwaltung. Darin fordert der Verband: Eine stabile und handlungsfähige politische Mehrheit, eine nachhaltige Haushaltspolitik ohne zusätzliche Belastungen für Unternehmen, den Verzicht auf weitere Gewerbesteuererhöhungen, eine aktive Förderung des Wirtschaftsstandorts, schnellere und verlässlichere Verwaltungsprozesse.

Der stellvertretende Vorsitzende Michael Müller betonte die Bedeutung eines engen Schulterschlusses zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik: „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten benötigen Unternehmen Verlässlichkeit, Planungssicherheit und eine Verwaltung, die pragmatisch unterstützt. Marburg hat enormes Potenzial – aber wir dürfen unsere wirtschaftliche Substanz nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“

Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde zudem Kerstin von Heemskerck (Director Corporate Communications & Marketing) vom Behring-Standortbetreiber Innexis neu in den Vorstand gewählt. Diesem gehören nun neben Kerstin von Heemskerck an: Jan-Bernd Röllmann (Vorsitzender), Michael Müller (stellvertretender Vorsitzender) sowie Marion Closmann, Annette Klingelhöfer und Andreas Bartsch.

Rückblick und Ausblick

Auch organisatorisch blickte der AFK auf ein aktives Veranstaltungsjahr zurück. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnte der Verband seine Mitgliederzahl weiter steigern und zählt inzwischen 103 Mitglieder. Zu den Höhepunkten des vergangenen Jahres gehörten unter anderem die große AFK-Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl, der sicherheitspolitische Vortrags- und Talkabend mit Brigadegeneral Holger Radmann, der Besuch des hessischen Wirtschaftsministers Kaweh Mansoori sowie der Kommunalwahl-Talk im Cineplex.

Auch die kommenden Veranstaltungen des AFK Marburg versprechen hochkarätige Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft. Am 25. August folgt ein weiteres Highlight, dieses Mal mit Unterstützung der DVAG im Dr.-Reinfried-Pohl-Zentrum für Vermögensberatung: Referent und Talkpartner wird der renommierte Politstratege und US-Wahlexperte Julius van de Laar sein.

Ein weiterer Höhepunkt wird der 22. Marburger Wirtschaftstag am 24. November im Cineplex Marburg sein. Als Referentinnen und Talkpartnerinnen werden Sonja Marten (Chefvolkswirtin der DZ Bank) sowie Dr. Gertrud Traud (Chefvolkswirtin der Helaba) erwartet.

Abschließend bedankte sich der Vorsitzende ausdrücklich bei seinen Vorstandskollegen, der Geschäftsstelle der Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie den zahlreichen Unterstützern und Partnern des AFK Marburg. „Gerade in bewegten Zeiten zeigt sich, wie wichtig ein starkes Netzwerk engagierter Unternehmer für unsere Stadt und Region ist“, resümierte Jan-Bernd Röllmann.

Wirtschaftsförderung als Anker

Im Anschluss referierte Jana Schönemann (Leiterin der Stabsstelle Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Statistik der Stadt Marburg) über die Aufgabenfelder der Marburger Wirtschaftsförderung sowie die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen der Stadt.

Jan-Bernd Röllmann begrüßte Schönemann mit klaren Erwartungen: „Die wirtschaftlichen Herausforderungen für unsere Stadt sind aktuell riesengroß. Umso wichtiger ist eine Wirtschaftsförderung, die nah an den Unternehmen ist, zuhört, unterstützt und pragmatische Lösungen ermöglicht. Ich appelliere an die Politik, dass es gerade angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen aus Sicht des AFK Marburg das falsche Signal wäre, bei der Wirtschaftsförderung zu sparen. Eine leistungsfähige Wirtschaftsförderung ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Sie unterstützt Unternehmen bei Investitionen, begleitet Ansiedlungen, stärkt bestehende Betriebe und trägt dazu bei, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Marburg zu sichern.“ Zugleich betonte Röllmann die Bedeutung eines offenen Dialogs zwischen Verwaltung und Wirtschaft: „Wir wünschen uns weiterhin eine Wirtschaftsförderung mit offenen Türen – offen für Ideen, offen für Probleme, offen für Investitionen und offen für einen konstruktiven Austausch.“

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